Aktivitäten von türkischen Moscheen und Türkisch-Schulen in der Schweiz – Konsequenzen eines Paradigmenwechsels

Nur vier Monate nach der Gründung der Türkischen Republik hat das Türkische Parlament am 3. März 1924 auf Anordnung von Mustafa Kemal, der erst später den Nachnamen Atatürk erhalten sollte, drei Gesetze verabschiedet, die man durchaus als Grundlage des neu entstehenden säkularen Staates und als Voraussetzung für die noch kommenden Reformen bezeichnen kann.

Mit dem Gesetz Nr. 429 wurde das türkische Präsidium für religiöse Angelegenheiten (Diyanet İşleri Başkanlığı) oder kurz Diyanet gegründet. Damit wurden sämtliche Imame, die in der Türkei predigen durften, zu weisungsgebundenen Staatsbeamten. Diese hatten von nun an die Aufgabe, einen Islam zu predigen, der dem säkularen Staat nicht in die Quere kam und die moderne Gesellschaftsordnung mit den Reformen Atatürks, die nun folgen sollten, nicht in Frage stellte. Ohne Kontrolle der Imame respektive ohne ihre Weisungsgebundenheit wäre dies unmöglich gewesen. Mit dem Gesetz Nr. 430, das gleich anschliessend verabschiedet wurde, hat das Parlament das gesamte Bildungssystem dem bereits im Jahre 1920 gegründeten Ministerium für Nationale Erziehung (MEB) übertragen und damit die religiösen Schulen, die sog. Madrasas, schliessen lassen. Mit dem Gesetz Nr. 431 schliesslich wurde das Kalifat abgeschafft.

Selbstverständlich hat das Diyanet sich im Laufe der Jahre stark verändert, ist konservativer geworden und man kann die Gründungsjahre kaum mit der Zeit nach 1950 vergleichen. Es blieb aber bis zur Machtergreifung der islamistischen AKP genauso wie das MEB ein Instrument des säkularen Staates. Kurz nachdem die AKP jedoch die Mehrheit im Parlament erobert hatte, fand ein Bruch statt. Das Diyanet bekam schon im März 2003 einen von der AKP designierten Präsidenten. Ab diesem Zeitpunkt wuchsen das Diyanet und vor allem auch dessen Haushalt massiv. Die Behörde hatte im Jahre 2015 mehr als 100’000 Mitarbeiter und einen Jahresetat von mehr als 1 Mia. Euro. So wie das Diyanet einst dem Erhalt des säkularen Staates gedient hatte, fördert es seit der Machtergreifung der AKP die Islamisierung der Türkei und die schleichende Wiedereinführung der gesellschaftspolitischen und rechtlichen Regeln der Scharia, die durch Atatürks Reformen beseitigt worden waren, wobei die Islamisten just die Eigenschaft der Weisungsgebundenheit der Imame, was ursprünglich für die Wahrung des säkularen Charakters der Türkischen Republik gedacht war, für ihre Zwecke ausnutzen. Das Diyanet ist mittlerweile zu einem Ideologie-, Propaganda- und auch Spionageministerium geworden, wo heute sogar Kriegshetze betrieben und zum Dschihad aufgerufen wird. Selbstverständlich begrenzen sich diese Aktivitäten nicht bloss auf die Türkei.

Nach dem Putsch vom Juli 2016 und den darauf folgenden willkürlichen Entlassungen und Verhaftungen ist auch das vorerwähnte Ministerium für Nationale Erziehung MEB vollständig unter islamistischer Kontrolle, was nach der Machtübernahme der AKP noch nicht möglich war, weil der Partei, deren Basis zu Beginn nicht nur aber vornehmlich aus bildungsfernen Gesellschaftsschichten bestand, noch das entsprechende Personal fehlte. Dennoch war die AKP von Anfang an bestrebt, die Bildung zu islamisieren, weshalb sie jahrelang Anhänger der Gülen Sekte, die wesentlich gebildeter waren als die Parteibasis der AKP, in dieses Ministerium einschleuste.

Ich denke nicht, dass der durchschnittliche europäische Leser die volle Tragweite des bisher Beschriebenen erfassen kann. Deshalb möchte ich auf die nachfolgende Tatsache hinweisen:

Hätte es die wertvolle Arbeit des MEB und des Diyanet nicht gegeben, wäre ich eine ganz andere Person, wobei man sich sogar fragen kann, ob es mich überhaupt gegeben hätte. Meine Eltern hätten sich wohl nie kennengelernt, sie hätten nie studiert (schon gar nicht meine Mutter), sie hätten keine säkulare Erziehung genossen und sie wären in der Zeit, in der sie noch in der Türkei lebten, der Scharia ausgesetzt gewesen. Mit anderen Worten hätten sie mir nie nahegelegt, mich zu bilden und mich mit interessanten Dingen zu beschäftigen. Das heisst natürlich auch, dass der Leser den vorliegenden Text nicht lesen würde, hätte es die wichtige Arbeit des MEB und des Diyanet nicht gegeben. Was ich soeben über mich selbst gesagt habe, gilt selbstverständlich auch für eine sehr grosse Zahl meiner Landsleute. Die säkular orientierten Menschen aus der Türkei verdanken wesentliche Aspekte ihrer Persönlichkeit und ihrer menschlichen Entwicklung der hochgeschätzten Arbeit dieser beiden Staatsbehörden, auch wenn sie nicht perfekt war.

Schule

(Eine Schulklasse in der Türkei)

Nutzniesser dieser Arbeit waren damit insbesondere auch europäische Staaten, in welche viele türkische Staatsangehörige ab den Fünfzigerjahren einwanderten. Zu Beginn waren nahezu alle Einwanderer geprägt vom Säkularismus, der durch diese beiden Behörden gewährleistet wurde, was sich in Europa aber mit der Zeit ändern sollte, weil da der Scharia im Gegensatz zur Türkei keinerlei Schranken auferlegt wurden. Diese Schrankenlosigkeit – insbesondere in Deutschland – führte dazu, dass sich in Europa eine islamistische Gegenbewegung formieren konnte. Das Ergebnis davon ist die AKP und Erdoğan. Bevor die AKP aber an die Macht kam, hatten das MEB und das Diyanet die säkulare Erziehung und damit auch den säkularen Charakter des Staates gewährleistet. Das sollte sich aber bald ändern.

Bis zur Machtergreifung der AKP ist die Arbeit der im Jahre 1984 gegründeter DİTİB (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği), der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, im soeben beschriebenen Sinne zu verstehen, die unter dem gleichen Namen auch in der Schweiz aktiv ist. Sicherlich war das Diyanet und damit auch die DİTİB im Jahre 1984 längst nicht mehr so säkular orientiert, wie das Amt zu Lebzeiten von Atatürk noch war. Dennoch waren das Diyanet und damit auch die DİTİB gewissermassen Garanten für einen moderaten türkischen Islam, von dem auch europäische Länder profitierten. Es ist von entscheidender Bedeutung für die Menschen in Europa zu erkennen, was der Paradigmenwechsel, der in der Türkei stattfindet, für sie bedeutet. Die Tatsache, dass die Türkei gegenwärtig kurz davor steht, die bereits existierende totalitäre Diktatur eines Islamisten zu vollenden, der ideologisch der Muslimbruderschaft nahesteht, sollte einem zu denken geben. Damit werden sowohl das MEB, das in Europa ebenfalls aktiv ist, als auch die DİTİB zu Instrumenten einer totalitären islamistischen Diktatur, deren Aufgabe daraus besteht, diese abgeänderte Staatsideologie auch den türkischen Staatsangehörigen im Ausland zu vermitteln, insbesondere natürlich auch Kindern. Wie wenn das nicht reichen würde, werden solche im Ausland aktive Behörden zudem als Vollstreckungsgehilfen des totalitären islamistischen Staates fungieren, wenn sie es nicht schon längst tun.

Wie sich die Tätigkeit des Bildungsministeriums MEB massiv geändert hat, konnte am vergangenen Wochenende auch hier in der Schweiz einmal mehr festgestellt werden. Es wurde bekannt, dass Grundschüler im Rahmen des Unterrichts «Heimatliche Sprache und Kultur» (HSK), martialische Szenen aus der Schlacht von Galipoli (1915) nachgespielt hätten. Dieser Unterricht wird von der Türkischen Botschaft organisiert im Auftrag der Türkischen Regierung, wobei das Bildungsministerium (MEB) hinter diesen „Theateraufführungen“ steht.

So etwas hat es in all den vergangenen Jahren nicht gegeben. Auch ich hatte in den Siebzigerjahren während ca. 2 Jahren die Türkisch-Schule besucht, wo uns Kindern die türkische Sprache, Geschichte, Kultur und dergleichen beigebracht wurde. Es handelte sich um Unterricht von der Dauer von ca. 2-3 Lektionen wöchentlich und so weit ich orientiert bin, ist dies heute nicht anders. Zu meiner Zeit war das Ziel das Erlangen eines türkischen Grundschuldiploms. Wie das heute ist, kann ich nicht beurteilen. Dass Kinder ihre Muttersprache und ihre Herkunftskultur erlernen, ist jedoch auch aus meiner heutigen Sicht überhaupt nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil.

Vorliegend geht es aber einmal mehr um einen massiven Missbrauch der Strukturen des türkischen Staates für die Verbreitung der nationalislamistischen Propaganda der AKP. Das hat mit der Bedeutung der Schlacht von Galipoli in der türkischen Kultur etwas zu tun. Mustafa Kemal war es hier gelungen, die Invasoren aufzuhalten, was ihm die Führungsrolle im türkischen Widerstand garantiert hatte. Dieser Sieg war damit gewissermassen ein Auferstehen der Türkei aus der Asche. Erdoğan will  sich selbst mit seiner propagandistischen Verherrlichung dieser Schlacht zu einem zweiten Atatürk hochstilisieren. Er verknüpfte die Schlacht geschickt mit seinem völkerrechtswidrigen Angriff auf Afrin, der genau am Jahrestag der Schlacht an den Dardanellen eingenommen wurde. In diesem Zusammenhang ist auch die Kriegspropaganda Erdoğans mit den Grundschülern in der Schweiz zu verstehen.

Nur ganz nebenbei: Vor Erdoğan erinnerte sich die Türkei vor allem mit Demut, Trauer und Dankbarkeit an die Schlacht an den Dardanellen. Auch für Atatürk, der selbst dabei war und furchtbar unter der Verlust seiner Männer litt, gab es hier nichts zu verherrlichen. Diese Inschrift, ein Zitat Atatürks aus dem Jahre 1934, sagt eigentlich alles darüber aus, wie die Türkei und die Türken diese Schlacht einst wahrnahmen, bevor Erdoğan und seine Bande die Seelen der Menschen vergiftete.

Atatürk Zitat

(„Diese Helden, die ihr Blut vergossen und ihr Leben ließen… ihr liegt nun in der Erde eines befreundeten Landes. Daher ruhet in Frieden. Denn es gibt für uns keinen Unterschied zwischen den Johnnies und den Mehmets, dort wo sie Seite an Seite in diesem unserem Lande liegen… Ihr, die Mütter, die ihre Söhne aus weit entlegenen Länder schickten, wischt weg eure Tränen. Eure Söhne liegen nun an unserer Brust und sind in Frieden. Ihr Leben in diesem Land verloren zu haben, machte sie genauso zu unseren Söhnen.“  –  Atatürk 1934)

Die Türkei unter Erdoğan ist bereits heute ein totalitärer Staat auf der Grundlage der Ideologie der islamofaschistischen Muslimbruderschaft kombiniert mit neo-osmanischem Nationalismus, der unverblümt Eroberungsphantasien äussert. Bei den kommenden Wahlen, die keine echten Wahlen sind, weil Erdoğan sämtliche Spielregeln der Demokratie gegenwärtig verletzt und noch verletzen wird, wird es wohl keine Überraschungen geben. Damit ist der totalitäre Staat fast vollkomen. Das Endziel ist freilich die Wiedererrichtung des Kalifats, das, wie eingangs erwähnt, 1924 abgeschafft worden war, worüber ich in einem anderen Artikel ausführlich berichtet hatte.

Diese Entwicklungen sind für die Türkei und natürlich auch für viele Menschen aus der Türkei sehr bedauerlich. Sie liegen aber völlig ausserhalb des Einflussbereichs der Eidgenossenschaft. Die Schweiz muss aber darauf achten, was auf ihrem Territorium geschieht. Unter keinen Umständen dürfen es die Kantone in der Schweiz zulassen, dass dieser totalitäre Staat – demnächst wohl mit Kalifat – hier in der Schweiz nationalislamistische Propaganda mit Kindern betreibt und damit den öffentlichen Frieden gefährdet.

Aktivitäten von türkischen Moscheen und Türkisch-Schulen in der Schweiz – Konsequenzen eines Paradigmenwechsels

Keine Demokratie für die Feinde der Demokratie – Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!

Zum ersten Mal hörte ich diesen Slogan ungefähr im Februar des Jahres 1992 von Eric, einem Franzosen mit madagassischen Wurzeln, der damals wie ich an der Universität Genf Politikwissenschaften studierte. Nur befand ich mich im ersten und er sich bereits im fünften Semester des Studiums. Ich hatte damals soeben meine allererste Proseminararbeit geschrieben, eine Arbeit über Robert A. DahlsPolyarchy“, ein bedeutendes Werk der Demokratietheorie. Meine erste Begegnung mit diesem Buch (es sollte nicht die letzte sein) war begleitet von einer gewissen Überforderung, weil ich ein englischsprachiges wissenschaftliches Werk in französischer Sprache wissenschaftlich bearbeiten musste. Nach einem halben Jahr in Genf war mein Französisch längst nicht geschliffen genug, weshalb ich nach Abschluss meiner Arbeit meinen guten Freund Eric gebeten hatte, meine Französischfehler zu korrigieren.

Nach der Korrektur tranken Eric und ich Wein und fachsimpelten über Demokratie und Totalitarismus, insbesondere über das gleichnamige Werk von Raymond Aron, über Dahls „Polyarchy“, Tocqueville und natürlich über Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“, aus der ich im ersten Semester zunächst nur Auszüge gelesen hatte. Während dieser Diskussion hörte ich die mich für immer prägende Aussage zum ersten Mal und zwar von Eric:

„Pas de démocratie pour les ennemis de la démocratie! Pas de liberté pour les ennemis de la liberté!“

Einige Tage später sass ich mit meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen im Proseminar und durfte ihnen Robert A. Dahls „Polyarchy“ im Rahmen eines kurzen Vortrags näher bringen. Anschliessend gab es ein Kolloquium. Der Assistent, der diese Lehrveranstaltung betreut und auch die Arbeiten und die Vorträge abgenommen hatte, stellte gleich zu Beginn der Gruppendiskussion die Frage, was in demokratischer Hinsicht von den neusten Entwicklungen in Algerien zu halten sei. Die Islamische Heilsfront (FIS) hatte im Dezember 1991 die erste Runde der Wahlen in Algerien haushoch gewonnen. Im Januar 1992 hatte die Armee geputscht und die Machtübernahme der Islamisten verhindert.

Meine Hand ging blitzschnell hoch und ich erhielt auch sofort das Wort:

„Pas de démocratie pour les ennemis de la démocratie! Pas de liberté pour les ennemis de la liberté…“

Bevor ich weitersprechen konnte, bemerkte ich wie der Assistent knallrot anlief, mich mit erhobener Stimme sofort unterbrach und mich danach fragte, was mir eigentlich einfiele. Meine hier geäusserte Ansicht sei eine erhebliche Missachtung des demokratischen Willens des algerischen Volkes. Ich erwiderte, dass es sich beim FIS doch um Islamisten handle und diese seien Feinde der Demokratie, worauf er noch wütender wurde. Woher ich denn wisse, dass Islamisten die Feinde der Demokratie seien und woher ich denn wisse, dass unser politisches System das bessere sei. Dann sprach er weiter und zwar von westlicher Arroganz und ähnlichen Dingen. Nachdem ich relativ schnell bemerkt hatte, dass ich es mit einem radikalen Kulturrelativisten zu tun hatte (obwohl ich diesen Begriff damals noch nicht kannte) und hier gegen eine Wand lief, habe ich es nicht weiter versucht und schwieg, nicht zuletzt auch deswegen, weil mein Französisch noch viel zu ungenügend war, um eine derart intensive Debatte gegen einen Assistenten aufzunehmen.

Wenn ich an diese Erfahrung von damals zurückdenke, muss ich einerseits schmunzeln und andererseits auch feststellen, dass ein Zitat aus einer weinseligen Runde und der blosse Hinweis darauf, dass es sich beim FIS doch um Islamisten handle, selbstverständlich nicht reichen konnte, um eine gehaltvolle universitäre Diskussion über die Feinde der Demokratie zu führen, wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass ich überhaupt nicht die Gelegenheit dazu hatte. Wesentlich konziser als der einprägsame Slogan ist ohnehin, was Karl Popper über das Paradox der Toleranz schrieb und zwar in seinem Monumentalwerk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ (1945). In der nachfolgenden berühmt gewordenen Stelle des Buches erklärt er, weshalb den Feinden der Demokratie und der Freiheit keine Toleranz entgegengebracht werden darf:

„Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.

Damit wünsche ich nicht zu sagen, dass wir z. B. intolerante Philosophien auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten; solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können, wäre ihre Unterdrückung sicher höchst unvernünftig. Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch nehmen, sie, wenn nötig, mit Gewalt zu unterdrücken; denn es kann sich leicht herausstellen, dass ihre Vertreter nicht bereit sind, mit uns auf der Ebene rationaler Diskussion zusammenzutreffen, und beginnen, das Argumentieren als solches zu verwerfen; sie können ihren Anhängern verbieten, auf rationale Argumente – die sie ein Täuschungsmanöver nennen – zu hören, und sie werden ihnen vielleicht den Rat geben, Argumente mit Fäusten und Pistolen zu beantworten.

Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels.“

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Sir Karl Raimund Popper (* 28. Juli 1902 in Wien; † 17. September 1994 in London)

Bevor ich den Islamismus unter diesem Gesichtspunkt behandle, möchte ich zunächst folgendes ganz im Sinne Karl Poppers – so hoffe ich zumindest – klarstellen:

In einer Demokratie können wir uns nicht jedes Mal in Anspruch nehmen, jede missliebige oder unvernünftige Meinung oder Entscheidung als demokratie- oder freiheitsfeindlich mit Verboten oder sogar unter Anwendung von Gewalt zu bekämpfen. Glücklicherweise sind wir in westlichen Gesellschaften auch davon entfernt, dass wir es mit solchen Konstellationen zu tun hätten. Die meisten politischen Bewegungen, selbst viele von jenen Parteien, die in diesen Tagen als populistisch eingestuft werden, dürften sich innerhalb der Paradigmen der Demokratie bewegen. Diese können von den Gegnern dieser politischen Gruppierungen mit den Instrumenten der Demokratie bekämpft werden.

Vielmehr stehen aus meiner Sicht folgende Fragen im Fokus, um festzustellen, ob wir es mit Feinden der Demokratie zu tun haben, gegen die wir uns resolut wehren müssen:

  • Wird eine politische Partei, die an der Macht ist, sich weigern, sich bei freien und fairen Wahlen abwählen zu lassen?
  • Wird eine politische Partei eventuell mit Gewalt drohen, um an der Macht zu bleiben oder unter Umständen Gewalt anwenden?
  • Wird eine politische Partei, die an der Macht ist, diese Macht auch anders missbrauchen und damit Voraussetzungen schaffen, um an der Macht zu bleiben und dabei der Opposition die demokratischen Grundrechte verweigern?
  • Wird eine politische Partei die Demokratie und rechtsstaatliche Prinzipien wie Gewaltenteilung und Grundrechte abschaffen oder stark einschränken wollen?

Wenn diese Fragen mit einem Ja beantwortet werden können, haben wir es meines Erachtens mit einer „intoleranten Philosophie“ zu tun, wie Karl Popper diese nennt. Eine andere Bezeichnung für sie wäre wohl ein totalitäres System, zumal nur ein solches derartige Bedingungen hervorbringen kann.

Damit werden aber politische Ansichten, die unter Umständen sogar als extrem eingestuft werden müssen, vom demokratischen Prozess durchaus nicht ausgeschlossen. Es ist mithin zulässig, sehr linke aber auch nationalkonservative politische Positionen zu haben. Natürlich ist es auch erlaubt, Tempo 30 auf den Autobahnen zu fordern, einen Literpreis für Benzin von 10 Euro zu wünschen, für den Bau 20 neuer Atomkraftwerke zu sein, den Bau einer Mauer zwischen Mexiko und den USA zu befürworten, oder eine Fiskalpolitik gutzuheissen, welche die Wirtschaft zugrunde richtet. Eine Demokratie muss auch falsch eingeschlagene Wege der Politik aushalten können. Sofern es sich beim jeweiligen Staatswesen nämlich um eine Demokratie handelt, können falsche Entscheidungen auf demokratischem Wege wieder korrigiert werden. In Demokratien werden falsche Entscheidungen, die zu schlechten Verhältnissen führen, demokratisch abgestraft, indem Politikerinnen und Politiker abgewählt werden, oder mindestens die Möglichkeit dafür besteht, dass sie abgewählt werden können.

Es geht somit um nichts anderes als um Schutz der Demokratie selbst und des pluralistischen Systems vor dem Totalitarismus, der den Pluralismus und die Demokratie selbst beseitigen soll.

Weshalb ich den Islamismus, respektive den politischen Islam, schon seit vielen Jahren als eine „intolerante Philosophie“ im Popper’schen Sinne betrachte, hat mit den nachfolgenden Gründen zu tun.

Islamisten weltweit lassen sich hinsichtlich ihres Verhältnisses zu Demokratie und Grundrechten in zwei oder vielleicht drei Kategorien einteilen, wobei ich auf diese dritte Kategorie weiter unten zurückkommen werde:

  1. In der ersten Kategorie befinden sich jene Islamisten, welche die Demokratie und die Grundrechte vollumfänglich ablehnen. Sie lehnen alles ab, was keine islamische Grundlage hat und verachten diese Werte, weil sie westliche Erfindungen darstellen und damit aus ihrer Sicht schon aufgrund dieser Eigenschaft des Teufels sind. Saudi Arabien ist ein solcher Staat, der mit Werten wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit überhaupt nichts anfangen kann. Auch die zahlreichen dschihadistischen Gruppierungen weltweit gehören zu dieser Gruppe. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen salafistischen Gruppen, die auf den Strassen Europas gegen die Demokratie demonstrieren.
  2. In der zweiten Kategorie befinden sich die Islamisten, welche sich die Grundrechte und Demokratie zunutze machen, um die Macht zu erlangen, oder um ihre Macht zu legitimieren, wobei die Grundrechte und die Demokratie höchstens am Anfang ihrer allfälligen Regierungstätigkeit eine Rolle spielen, von diesen womöglich vorläufig mehr oder weniger alle profitieren können und dies auch nur, damit Islamisten unter Ausnützung der Freiheiten ungehindert die Gesellschaft islamisieren können, immer unter Berufung auf die Grundrechte. Auch wenn und sofern sie über demokratischem Wege an die Macht gelangen, bauen diese Islamisten den Staat so um, dass es für Nicht-Islamisten später unmöglich wird, die staatliche Macht den Islamisten wieder wegzunehmen. Islamisten lassen sich in aller Regel nicht abwählen. Es gibt so etwas wie zwei Legislaturen Scharia, dann eine Legislatur Sozialdemokratie, dann wieder eine Legislatur Scharia, bevor in der nächsten Legislatur, die Liberaldemokraten die Macht erlangen, nicht! Islamismus ist stets mit Machtabsicherung und Kontinuität verbunden. Das Mullah-Regime im Iran wird sich nie abwählen lassen, auch Erdoğan nicht.Solche Beobachtungen können überall gemacht werden, wo Islamisten jemals an die Macht gelangt sind, dies mit einer Ausnahme: in Tunesien. Dort haben die Islamisten die Macht nach einer demokratischen Wahl wieder abgegeben. Meines Erachtens ist der Grund, weshalb die tunesische Islamistenpartei Ennahda sich nicht an der Macht halten und abgewählt werden konnte, offensichtlich. Sie war zu wenig lange an deren Schalthebeln, die sie zuvor nicht innehatte, um die säkularen Strukturen des tunesischen Staates derart zu islamisieren, um den Machterhalt abzusichern. Die mutigen Tunesierinnen und Tunesier, welche die Demokratie erst gewonnen hatten, konnten die Islamisten in letzter Minute auf friedlichem Weg verhindern. Wäre die Ennahda nur eine Legislatur länger an der Macht gewesen, wäre Tunesien heute wohl verloren.

Das Gemeinsame bei beiden Kategorien ist meines Erachtens das Ziel, das zugleich eine Mission ist, so unterschiedlich dieses Ziel aber auch der Weg dorthin auch aussehen mag:

Es ist die Errichtung eines totalitären Gottesstaates auf der Grundlage der Scharia.

Wie ich soeben geschrieben habe, gibt es selbstverständlich unterschiedliche Nuancen solcher Gottesstaaten. Man schaue nur auf den Iran mit seinem politischen System, das von einem Wächterrat beherrscht wird. In diesem Land werden auch durchaus regelmässig Wahlen durchgeführt, wobei natürlich nur ganz bestimmte Kandidatinnen und Kandidaten gewählt werden dürfen. Damit kann dem iranischen System ein „demokratisches“ Element nicht abgesprochen werden, wobei dieses natürlich höchst fragwürdiger Natur ist. Letztendlich dienen die Wahlen einer demokratischen Legitimation, wie dies immer der Fall ist bei Demokratien. Nur kann mangels Wahlfreiheit von einer wahren Demokratie nicht die Rede sein.

Auch ist es überhaupt nicht ausgeschlossen, dass solche islamistische totalitäre Staaten so etwas wie „Grundrechte“ kennen. Auch die neue Türkische Verfassung, über die am 16. April 2017 abgestimmt wurde, enthält durchaus einen Grundrechtskatalog. Was allerdings Erdoğan und seine AKP-Gesellen unter Grundrechten verstehen, haben wir in den vergangenen Jahren sehr deutlich sehen können. Während in der Türkei schwerste Grundrechtsverletzungen begangen werden, beriefen sich türkische Politiker – allen voran der Diktator – auf die Grundrechte und auf die Demokratie und sie hatten sogar die Frechheit, Deutschland im gleichen Atemzug mit der Nazikeule anzugreifen, weil gewisse Veranstaltungen der AKP aus nachvollziehbaren Gründen abgesagt worden waren. Ich fürchte allerdings, dass bei all dieser berechtigten Aufregung „the Big Picture“ etwas verloren geht. Der Leser kann nämlich versichert sein, dass diese Leute sich tatsächlich ungerecht behandelt fühlen und die Beleidigung nicht vorgespielt ist. Islamisten sind nicht in der Lage, die eigenen Handlungsweisen als Unrecht zu erkennen, sofern sie dabei sind, dem Endziel zu dienen. Das hat damit zu tun – und das ist jetzt wichtig – dass Demokratie und Grundrechte für diese Leute keine zentralen Werte darstellen. Vielmehr sind sie nichts anderes als Instrumente für ihre Mission, die sie beliebig einsetzen können, um Forderungen zu stellen, die für die verfolgten Ziele vom Nutzen sind. Es gibt nämlich höhere Werte für diese Leute als Demokratie und Grundrechte. Diese Dinge können daher nur Mittel zum Zweck sein. Wenn der Leser diese Denkweise nun einigermassen nachvollziehen kann, wird er eine Ahnung davon bekommen, wie diese Leute ticken. So funktioniert der Totalitarismus.

Nun könnten gewisse Leser einwenden, dass es auch eine dritte Gruppe von Islamisten geben könnte: Islamisten, die keinen Gottesstaat wollen, die keine Anstalten treffen, um einen aus ihrer Sicht islamistischen Idealstaat zu fördern oder abzusichern und sich auch ohne weiteres im Rahmen von freien und fairen Wahlen abwählen lassen würden. Islamisten, welche die Grundrechte, insbesondere die individuellen Freiheiten und die Demokratie hochhalten, diese ausser den Feinden der Demokratie allen einräumen, auch Feministinnen, Künstlern und Homosexuellen. Die Frage, die sich hierbei stellt ist, ob es solche Islamisten überhaupt gibt.

Meines Erachtens muss diese Frage verneint werden. Politiker, die vielleicht in die Nähe einer solchen aus meiner Sicht fiktiven Gruppe kommen könnten, sind konservative muslimische Politiker. Konservative Weltanschauungen können und sollen in einem muslimisch geprägten Land existieren dürfen, sofern keine Absichten bestehen, rechtsstaatliche Prinzipien und die Demokratie über den Bord zu werfen, einen islamischen Gottesstaat zu gründen, die Scharia einzuführen und die eigene Machtposition abzusichern, so dass ein demokratische Änderung dieser Verhältnisse verunmöglicht wird. Ich würde bei konservativen Politikern und Bürgern, die keine solchen Absichten haben, den Begriff Islamist nicht verwenden.

Karl Popper hatte die Zeilen, die ich weiter oben zitiert habe, unter dem Eindruck zweier Totalitarismen geschrieben, dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus. Heute ist die Welt Zeuge davon, wie ein neuer Totalitarismus unter Erdoğan sich erhebt, einem Mann, der sämtliche Werte unserer Gesellschaftsordnung verachtet, diese instrumentalisiert und uns sogar offen droht. Wir dürfen unter keinen Umständen zulassen, dass unsere Stärken wie Demokratie und Grundrechte dafür ausgenutzt werden, um genau diese Werte zu vernichten, selbst wenn es einen anderen Staat betrifft. Demokratien dürfen keine Steigbügelhalter von totalitären Diktaturen sein.

Daher zum Schluss einmal mehr:

Keine Demokratie für die Feinde der Demokratie – Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!

Keine Demokratie für die Feinde der Demokratie – Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!

Claudia Roth und ihr Einsatz für die nicht vorhandenen Grundrechte Erdogans

In der Bundesrepublik gilt in den drei Monaten vor den Wahlen in der jeweiligen Heimat ein Auftritts- und Wahlkampfverbot ausländischer Politiker. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth von den Grün*innen kritisiert dies. Diese Regel sei “kein Ausdruck starker Demokratie”. Sie hätte “darauf verzichtet.” Deutschland halte auch Auftritte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus, sagte sie den “Funke-Zeitungen“. Solange die Sicherheit gewährleistet sei, sollten Versammlungs- und Meinungsfreiheit “auch für Erdogan gelten”.

Claudia Roth irrt sich im Zusammenhang mit diesen Grundrechten, die angeblich Erdogan zustehen sollen und ihr Irrtum ist in Anbetracht ihrer Stellung als Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestages besonders peinlich.

Das internationale Recht erlaubt nämlich die Beschränkung der politischen Tätigkeit von Vertretern fremder Staaten. So hat das BVerfG in seinem Beschluss vom 8. März 2017 die Rahmenbedingungen präzisiert: „Staatsoberhäupter und Mitglieder ausländischer Regierungen haben weder von Verfassungs wegen noch nach einer allgemeinen Regel des Völkerrechts im Sinne von Art. 25 GG einen Anspruch auf Einreise in das Bundesgebiet und die Ausübung amtlicher Funktionen in Deutschland. Hierzu bedarf es der – ausdrücklichen oder konkludenten – Zustimmung der Bundesregierung, in deren Zuständigkeit für auswärtige Angelegenheiten eine solche Entscheidung gemäß Art. 32 Abs. 1 GG fällt.

Soweit ausländische Staatsoberhäupter oder Mitglieder ausländischer Regierungen in amtlicher Eigenschaft und unter Inanspruchnahme ihrer Amtsautorität in Deutschland auftreten, können sie sich nicht auf Grundrechte berufen. Denn bei einer Versagung der Zustimmung würde es sich nicht um eine Entscheidung eines deutschen Hoheitsträgers gegenüber einem ausländischen Bürger handeln, sondern um eine Entscheidung im Bereich der Außenpolitik, bei der sich die deutsche und die türkische Regierung auf der Grundlage des Prinzips der souveränen Gleichheit der Staaten (Art. 2 Nr. 1 der Charta der Vereinten Nationen) begegnen.

Mit anderen Worten beruft sich Claudia Roth zu Unrecht auf die nicht vorhandenen Grundrechte Erdogans. Erdogan ist – entgegen der unqualifizierten Auffassung Claudia Roths – kein Grundrechtsträger der von ihr angerufenen Freiheitsrechte und kann sich nicht auf die Grundrechte der freien Kommunikation berufen, wenn er in Deutschland auftreten will.

Eigentlich hatten die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages diese Erkenntnisse publiziert. Offensichtlich hat Claudia Roth die Publikation nicht gelesen oder nicht verstanden.

Spitzenpolitiker-der-Gruenen-in-Ankara

Claudia Roth & Erdogan

Claudia Roth und ihr Einsatz für die nicht vorhandenen Grundrechte Erdogans

Der historische Jesus und die Entstehung der Scharia

Gemäß vorherrschender Ansicht der historisch-kritischen Forschung (dazu nur ein Werk von vielen) kam der historische Jesus ca. im Jahre 4. v. Chr. wahrscheinlich in Nazareth auf die Welt. Seine Eltern, die möglicherweise durchaus Maria und Joseph hießen, hatten ihn auf die natürliche Art und Weise gezeugt, genauso wie die übrigen Kinder, die sie hatten. Über die Kindheit und Jugend Jesu ist nichts bekannt. In seinen späten Zwanzigern dürfte er sich den Jüngern des Johannes des Täufers angeschlossen haben, den er aber kurze Zeit später wieder verließ und sich „selbständig“ machte und Jünger um sich scharte.

Jesus dürfte mit Gleichnissen gepredigt haben und einige Gleichnisse im Neuen Testament könnten durchaus auf ihn zurückgehen. Zu seinen Haupttätigkeiten gehörten aber wohl auch Exorzismen und Handauflegungen. Zentral war aber seine Botschaft über die Ankunft der Gottesherrschaft nach einer Apokalypse, die nach seiner Ansicht unmittelbar bevorstand, womit er sich – wie wir alle wissen – ganz offensichtlich irrte. Er war aber dennoch fest davon überzeugt und sein Ziel war es, so viele Juden wie möglich zu retten. Ja, Juden, denn Jesus richtete seine Botschaft über die bevorstehende Gottesherrschaft ausschließlich an seine Glaubensgenossen und nicht an die gesamte Menschheit. Er forderte seine Jünger sogar explizit auf, Nichtjuden nicht aufzusuchen. Dabei war es für den historischen Jesus wohl auch wichtig, dass vor allem die Außenseiter und die Ausgestoßenen der Rettung bedurften, weshalb auch Frauen bei seiner Anhängerschaft eine erhebliche Rolle spielten.

Aber nochmals: Auch so war die Botschaft Jesu (aus seiner Sicht mindestens) nicht für alle Zeiten gedacht. Die Welt stand ja nach seiner Ansicht unmittelbar vor ihrem Untergang. Ohne diesen Kontext ist es unmöglich, den historischen Jesus auch nur ansatzweise zu verstehen.

Um das Jahr 30 n. Chr. dürfte der historische Jesus die Tempelaristokratie in Jerusalem herausgefordert haben. Daraufhin wurde Jesus ziemlich sicher von Pontius Pilatus verurteilt, der ihn kreuzigen ließ (die Taufe und die Kreuzigung sind die sichersten Lebensstationen von Jesus). Dabei dürfte der Prozess nicht allzu lange gedauert haben, schon gar nicht bei einem Pontius Pilatus, dessen besondere Grausamkeit aus anderen Quellen belegt ist. Sehr unwahrscheinlich ist es, dass der Jesus in einem Felsengrab bestattet wurde. Viel wahrscheinlicher ist, dass er nicht einmal verscharrt wurde, wie dies bei Gekreuzigten ansonsten der Fall war.

Kurze Zeit nach dem Kreuzestod Jesu entstand bei seinen Anhängern, deren Zahl sich zusehends vermehrte, der Glaube daran, dass er auferstanden sei. Dieser Auferstehungsglaube verdrängte immer mehr die tatsächliche Person aus dem Blickfeld. Selbst der früheste Autor des Neuen Testaments Paulus interessierte sich fast überhaupt nicht für den irdischen Jesus sondern vielmehr für den auferstandenen. In den später geschriebenen kanonischen vier Evangelien stand ebenfalls eine idealisierte Person im Vordergrund, die die Passion erdulden musste, der Kreuzesstod und die Auferstehung. Bemerkenswert dabei ist etwa, dass im früheren Markusevangelium Jesus durchaus noch ein Mensch ist, wogegen wir es beim späteren Johannesevangelium mit einem Gott zu tun haben.

Damit war das Christentum geboren. Es handelte sich dabei nicht etwa um die Religion von Jesus, der während seines ganzen Lebens Jude geblieben war. Auch war es nicht die von ihm gestiftete Religion. Vielmehr war es eine Religion über Jesus.

Nachdem die Teile des Neuen Testaments in unterschiedlichsten Regionen des Römischen Reiches mit unterschiedlichen Jesusvorstellungen verfasst worden waren, ging es mit einer Fragestellung weiter, die die christliche Welt für einige hundert Jahre beschäftigen sollte. Dabei sollten sich die klügsten Köpfe der damaligen Zeit mit der Frage beschäftigen, welche Natur Jesus hatte. War er Mensch? War er Gott? War er womöglich beides? Jedenfalls war die Frage nach der Natur Jesu während hunderten von Jahren die zentrale Frage im christlichen Glauben. Zwar wurde 325 n. Chr. das Konzil von Nicäa abgehalten, bei dem diese Frage autoritativ zugunsten der Trinitätslehre entschieden wurde. Doch war die Diskussion damit noch lange nicht abgeschlossen.

Diese aus heutuger Perspektive eigenartige Diskussion über die Natur Jesu, die weder etwas mit der historischen Figur etwas zu tun hatte noch sonst irgendwelche weltbewegende Erkenntnisse hervorbrachte, war sicherlich auch einer der wesentlichen Gründe für den geistigen Stillstand der christlichen Welt, der noch Jahrhunderte andauern sollte.

* * *

In diesem historischen Kontext entstanden der Koran und die koranische Bewegung ca. im 6. Jahrhundert. Wichtig dabei ist, dass dies nicht mit dem Islam gleichzusetzen ist.

Eine Gruppe von Menschen, die durchaus einem urbanem Umfeld entstammte – womit der Entstehungsort des Koran keineswegs das heutige Saudi Arabien war sondern wohl eher das Zweistromland – war dabei entschieden gegen die Gleichsetzung Gottes mit Jesus, respektive gegen die Vorstellung über dessen angebliche Gottessohneigenschaft. Damit wehrten sich diese Menschen mit aller Vehemenz gegen die theologischen Fragestellungen und Vorstellungen der damaligen christlichen Welt über Jesus.

Sie verehrten zwar Jesus, sie glaubten daran, dass er Messias (Mesih) sei und sie sahen in ihm einen Propheten in der Tradition Abrahams. Den Glauben aber, wonach er Sohn Gottes sei, nach einem Kreuzestod (den sie ablehnten) auferstanden sei (was sie ebenfalls ablehnten), war für sie sogar eine Gotteslästerung. Diejenigen, die an so etwas glaubten, namentlich die Christen, nannten sie, „diejenigen, die irregehen“. So steht es in der allerersten Sure des Koran.

Der große Abwesende in der bisherigen Darstellung ist Mohammed. Der Grund dafür ist, weil es ihn zunächst als eigenständige Persönlichkeit noch gar nicht gab. Auch im Koran kommt der “Name” lediglich dreimal vor, wobei anzumerken ist, dass mohamad auch ein Gerundiv ist und so viel bedeutet wie „der zu preisende“. So übersetzt der Linguist Christoph Luxenberg das Wort mohamad. Es handelt sich dabei also nicht um einen Eigennamen sondern um einen religiösen Titel.

Gemäss glaubhafter Darstellung der neueren Islamforschung, die nicht der Darstellung der islamischen Tradition folgt, handelt es sich bei dieser zu preisenden Person ursprünglich um Jesus. Dies mag auf den ersten Blick erstaunen. Doch sprechen nebst Münzen und anderen Inschriften auf festem Grund sehr viele Gründe dafür. Für den Anfänger kann ich dazu das Buch Good Bye Mohammed von Norbert G. Pressburg empfehlen. Für Fortgeschrittene eignen sich die Bücher der Inarah Gruppe, insbesondere auch der Meilenstein in der neueren Islamforschung schlechthin: „Die syro-aramäische Lesart des Koran“ von Christoph Luxenberg.

Tatsache ist jedenfalls, dass im Koran fast nichts über das Leben und Wirken des arabischen Propheten Mohammed zu finden ist. Seine Lebensgeschichte ist vielmehr in der so genannten Sira zum ersten Mal zu finden. Bei der Sira handelt es sich um eine theologisch motivierte Prophetenbiographie. Die Tradition spricht dabei von Ibn Ishaqs Sira, die 150 Jahre nach Mohammeds Tod geschrieben worden sei. Die Existenz dieses Buches ist damit unbewiesen. Die beiden anderen Autoren, die von diesem Buch angeblich Teile übernommen hätten, Ibn Hisham und at-Tabari, lebten mehr als 200 Jahre nach dem angeblichen Tod des Propheten.

Nach Ansicht von Ignaz Goldziher, des Vaters der modernen Islamwissenschaften, handelt es sich bei der Sira um nichts anderes als um aneinandergereihtes Hadith-Material. Die so genannten Hadithe sind kleine Erzählungen, die eine Situation aus dem Leben des Propheten wiedergeben, in der er – vereinfacht ausgedrückt – etwas gesagt, etwas nicht gesagt, etwas getan oder etwas nicht getan hat. Die Hadithe selbst wurden ebenfalls rund zweihundert Jahre nach dem angeblichen Tod des Propheten niedergeschrieben und sind nach Goldzihers Meinung (und nach Ansicht der ernstzunehmenden Islamforscher) keine verlässlichen historischen Quellen und sind in ihrer Gesamtheit unglaubwürdig.

Das Spezielle nun ist, dass – wenn man der islamischen Überlieferung folgt – während zweihundert Jahren nach dem angeblichen Tod des Propheten niemand auf den Gedanken kam, die Hadithe niederzuschreiben. Dann waren sie plötzlich da, überliefert durch sichere Gewährsleute. Die Überlieferungskette mit diesen Gewährsleuten (Isnad) bildet dabei das „Echtheitszertifikat“. Wenn die Personen, die in der Überlieferungskette genannt werden, vertrauenswürdig sind, ist auch die Erzählung vertrauenswürdig. Dies zur Logik eines Hadith. Selbstverständlich können solche Darstellungen als historische Quelle über das angebliche Leben von Mohammed nicht ernst genommen werden, wenn man nach einem historischen Mohammed sucht, den es mindestens in der Form, wie sich ihn die Tradition vorstellt, wohl nie gegeben hat.

Damit ist die Person Mohammed in erster Linie das Produkt der Hadith-Literatur des 9. und 10. Jahrhunderts. Das bedeutet zugleich, dass damit die Glaubens- und Gesellschaftsvorstellungen jener Kultur in der damaligen Zeit wiedergegeben werden. Sowohl der örtliche als auch der zeitliche Kontext ist dabei wichtig. Es entstanden zehntausende von Hadithen, in denen von Lebenssituationen Mohammeds die Rede war. Einige davon wurden kanonisch, andere nicht. Damit entstand der Personenkult um Mohammed.

Seit der Verbreitung und Geltung dieses Personenkults an jenen Orten, wo einst die koranische Bewegung zuhause war, haben wir es mit dem Islam zu tun und zwar in dem Sinne, was auch heute unter dem Begriff Islam zu verstehen ist. Es ist die Geburtsstunde der Scharia und des damit verbundenen geistigen Stillstands der islamischen Welt.

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(Eröffnungs-Sure, d.h. die erste Sure des Koran, die sog. al-Fatiha; Aziz Efendi (d. 16 August 1934) – Muhittin Serin: Hattat Aziz Efendi; Quelle: Wikipedia)

Der historische Jesus und die Entstehung der Scharia

Über das Heiratsalter der Prophetengattin Ayesha – Ein islamkritischer Diskussionsbeitrag

Bevor ich mich dem Heiratsalter der Prophetengattin Ayesha, der Lieblingsfrau von Mohammed, zuwende, möchte ich vorausschicken, dass ich den Wahrheitsgehalt der entsprechenden Schilderungen in der islamischen Literatur anzweifle. Nach meinem Studium der wissenschaftlichen Publikationen der Inarah-Gruppe und Christoph Luxenbergs „Die syro-aramäische Lesart des Koran“ denke ich, dass Mohammed eine nachkoranische Schöpfung ist, den es mindestens in der detaillierten Beschreibung, wie die islamische Tradition und die ihr sklavisch folgenden „Islamwissenschaftler“ und weismachen wollen, nie gegeben hat. Man muss aber nicht bloss die in der Islamforschung als Minderheit zu betrachtende Inarah-Gruppe zurückgreifen, um die Historizität der Hadithe und der Sira anzuzweifeln, wo diese Geschichten über Mohammed, seine Taten, seine Sprüche und seine Unterlassungen zu finden sind, damit auch die Geschichten über Ayesha. Bereits der grosse Doyen der Islamwissenschaften, Ignaz Goldziher, hielt die Hadithe allesamt für nachkoranische Erfindungen.

Selbst wenn die Forscher der Inarah-Gruppe der Wahrheit näher sein dürften als die islamische Tradition, sind die entsprechenden Forschungsergebnisse in erster Linie von akademischem Interesse. Im praktizierten Islam spielen diese so gut wie überhaupt keine Rolle. Ich würde schätzen, dass nicht einmal 1% aller Muslime jemals von diesen Arbeiten etwas gehört hat. Selbst die an den westlichen Universitäten gelehrte traditionelle Islamwissenschaft geht überwiegend von der Authentizität der Hadith-Quellen aus. Jedenfalls entspricht es einer ausgesprochener Minderheitsmeinung, dass die Existenz von Mohammed und Ayesha – und damit eine Heirat zwischen ihnen – bestritten wird, so wie ich es tue. Da nahezu alle Menschen, die sich zum Islam bekennen, von der Authentizität dieser Personen ausgehen und in ihrer überwiegenden Mehrheit auch die Geschichten um sie als wahr einstufen, lohnt es sich, diese Sache aus der Nähe zu betrachten.

Als allererstes möchte ich darauf hinweisen, dass die Geschichten um Mohammed und Ayesha nicht aus dem Koran stammen. Der Koran ist aus islamischer Sicht das unmittelbar vom Gott ausgesprochene Wort und ist daher in direkter Rede verfasst. Was die Welt von Mohammed und Ayesha und ihrer Geschichte zu wissen glaubt, stammt aus den Hadithen und der Sira (kanonische Prophetenbiographie; Teil der Scharia), die rund zweihundert Jahre nach der Niederschrift des Koran verfasst wurden, wobei die islamische Tradition von einer mündlichen Überlieferung bis zum Zeitpunkt der Niederschrift ausgeht, was von moderneren Islamforschern bestritten wird (unter Anderem von solchen aus der Inarah-Gruppe).

Im Zusammenhang mit dem Heiratsalter von Ayesha möchte ich zunächst die im sunnitischen Islam wohl heiligste Hadith-Quelle Sahih Bukhari zitieren. Sahih ist im Übrigen die höchste Vertrauenswürdigkeitsstufe eines Hadith, womit ich die Bedeutung dieser Quelle unterstreichen möchte. Besonders hervorheben möchte ich, dass es sich bei dieser Quelle um Mainstream-Islam handelt und nicht etwa um „Extremismus“ oder etwas Marginales.

Narrated Aisha (diese Links verweisen direkt auf islamische Online-Quellen mit den entsprechenden Fundstellen und beinhalten auch Vorgaben für die Scharia-Praxis):

The Prophet engaged me when I was a girl of six (years). We went to Medina and stayed at the home of Bani-al-Harith bin Khazraj. Then I got ill and my hair fell down. Later on my hair grew (again) and my mother, Um Ruman, came to me while I was playing in a swing with some of my girl friends. She called me, and I went to her, not knowing what she wanted to do to me. She caught me by the hand and made me stand at the door of the house. I was breathless then, and when my breathing became Allright, she took some water and rubbed my face and head with it. Then she took me into the house. There in the house I saw some Ansari women who said, “Best wishes and Allah’s Blessing and a good luck.” Then she entrusted me to them and they prepared me (for the marriage). Unexpectedly Allah’s Apostle came to me in the forenoon and my mother handed me over to him, and at that time I was a girl of nine years of age.

Narrated `Aisha:

that the Prophet married her when she was six years old and he consummated his marriage when she was nine years old, and then she remained with him for nine years (i.e., till his death).

Narrated Hisham’s father:

Khadija died three years before the Prophet departed to Medina. He stayed there for two years or so and then he married `Aisha when she was a girl of six years of age, and he consumed that marriage when she was nine years old.

Hier eine weitere Quelle (Abu Dawud), die sahih ist.

Narrated ‘Aishah:

The Messenger of Allah married me when I was seven years old. The narrator Sulaiman said: or Six years. He had intercourse with me when I was nine years old.

Hier eine Stelle aus Sahih Muslim, der wohl wichtigsten Hadith-Sammlung, die im sunnitischen Islam an Heiligkeit nur von Sahih Bukhari übertroffen wird, dies aber nur ganz knapp.

‘A’isha (Allah be pleased with her) reported:

Allah’s Messenger married me when I was six years old, and I was admitted to his house at the age of nine. She further said: We went to Medina and I had an attack of fever for a month, and my hair had come down to the earlobes. Umm Ruman (my mother) came to me and I was at that time on a swing along with my playmates. She called me loudly and I went to her and I did not know what she had wanted of me. She took hold of my hand and took me to the door, and I was saying: Ha, ha (as if I was gasping), until the agitation of my heart was over. She took me to a house, where had gathered the women of the Ansar. They all blessed me and wished me good luck and said: May you have share in good. She (my mother) entrusted me to them. They washed my head and embellished me and nothing frightened me. Allah’s Messenger (, may peace be upon him) came there in the morning, and I was entrusted to him.

Es gibt noch viele weitere Hadith-Stellen, die diese Geschichte beschreiben, aus wichtigen und aus weniger wichtigen Hadith-Sammlungen. Im Ergebnis sagen sie in ihrer überwiegenden Mehrheit alle das Gleiche aus. Massgeblich ist allerdings in erster Linie nicht diese Mehrheit sondern die Autorität, die den jeweiligen Schriften zukommt. Ich habe oben nur aus denjenigen Sammlungen zitiert, denen die höchste Autorität zukommt. Übrigens haben die Schiiten teilweise andere Hadith-Quellen. Auch in diesen anderen Quellen dürfte Ayesha vorkommen. Obwohl ich den schiitischen Islam zu wenig gut kenne, kann ich aufgrund Medienberichten über den Iran ausschliessen, dass Ayesha in den entsprechenden Quellen älter ist.

Wenn man diesen Quellen folgt, die wie eingangs erwähnt keinen Anspruch auf Historizität erheben können, bedeutet dies, dass diese Ehe ungefähr im Jahr 620 n. Chr. geschlossen wurde, als Mohammed 50 und Ayesha 6 Jahre alt waren. Zu diesem Zeitpunkt hat sich Ayesha noch nicht in die Obhut von Mohammed begeben. Zuvor hatte sie auch noch mit ihren Freundinnen gespielt. 3 Jahre später, ca. im Jahr 623 n. Chr. hat Mohammed (53) mit Ayesha (9) die Ehe vollzogen, d.h. zum ersten Mal mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt. Ayesha blieb danach 9 Jahre mit Mohammed, bis dieser verstarb.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass einer westlich zivilisierten Leserin und einem westlich zivilisierten Leser des 21. Jahrhunderts die Haare zu Berge stehen, wenn sie oder er von sexuellen Handlungen eines Ü50ers mit einem Mädchen erfährt, das sich altersgemäss noch nicht einmal in der Pubertät befindet. Da der Schutz von Kindern – insbesondere auch der Schutz ihrer physischen, psychischen und sexuellen Integrität – höchste gesellschaftliche und rechtliche Priorität geniesst, kann ich niemandem verübeln, wenn er bei Einschätzung und Wertung dieser Geschichte den Begriff „Pädophilie“ verwendet.

Ich würde meine Leser hier aber gerne besänftigen, insbesondere auch solche, die beim Lesen dieser Zeilen als erstes an Pädophilie gedacht haben. Da davon auszugehen ist, dass sich diese Geschichten nie ereignet haben, gibt es auch keine real existierende Person, der man derartige Untaten zurechnen kann. Darüber hinaus hätten sich diese Dinge – wenn überhaupt – vor über 1000 Jahren ereignet. Seither wurden millionenfach real existierende Mädchen auf der Grundlage dieser Geschichte sexuell missbraucht. Diese namenlosen Opfer sollten uns meines Erachtens mehr bekümmern als Ayesha, deren Existenz nicht gesichert ist. Es geht mir in diesem Blog-Artikel ohnehin nicht darum, die Phantasiefigur Mohammed als alten Pädophilen zu entlarven und ihn mit Schimpf und Schande zu überziehen, wie es viele andere Autoren tun, die sich als Islamkritiker bezeichnen. Vielmehr möchte ich dem Leser zeigen, nachdem ich die Grundlagen dieser Geschichte geliefert habe, wie Muslime mit dieser Story umgehen, insbesondere die heutigen Muslime. Das ist meines Erachtens wesentlich spannender und vor allem gesellschaftlich relevant.

Zunächst gibt es eine sehr erhebliche Zahl von Muslimen weltweit, die dieses Verhalten ihres Propheten mehr oder weniger eins zu eins kopieren (so wie es der Koran in Sure 33:21 vorschreibt) und kleine Mädchen heiraten, die sich teilweise nicht einmal in der Pubertät befinden und mit ihnen den Geschlechtsverkehr vollziehen. Aus dem Sahih Muslim Hadith, den ich oben zitiert habe, leiten Scharia-Muslime etwa die Befugnis des Vaters ab, für seine minderjährige Tochter eine Ehe zu arrangieren. Diese Leute haben überhaupt keine Probleme oder Skrupel, wenn sie diese Geschichte vernehmen. Für sie ist hier alles im grünen Bereich.

Dann gibt es ebenfalls eine sehr grosse Zahl von Muslimen, die diese Geschichte nicht wirklich kennt. Ich kann dem Leser versichern, dass es Millionen solcher Muslime gibt. Dabei handelt es sich vor allem um Muslime, die kein Arabisch sprechen. Diese kennen weder den Koran noch die Hadithe wirklich gut und kennen den Islam in erster Linie aus den Schilderungen des Imams. Wenn dieser solche Inhalte in seine Predigt nie einschliesst und nie darüber spricht, können diese gläubigen Muslime die entsprechenden Geschichten auch nicht kennen. Viele Muslime aus dieser Gruppe würden die Angaben in den Hadithen umgehend bestreiten, sofern sie von einem Nichtmuslim darauf angesprochen würden. Die klassische Antworten dürften dem Leser bekannt vorkommen: „Das ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Du hast etwas missverstanden. Der Prophet war die Güte in Person und hätte so etwas nie gemacht. Das kann nicht sein!“ Es gibt auch liberale (aber gläubige) Theologen, die diese Inhalte bestreiten würden. Vor Jahren habe ich auf YouTube mehrere Aussagen solcher (türkischer) Theologen gehört, die ich heute leider nicht mehr finden konnte und daher keine Quellen anbieten kann. Ich kann mich aber sehr gut an die Argumentationen erinnern. Zum einen wurden dabei gewisse Hadithe als Fälschungen identifiziert, insbesondere solche, die nahelegen, dass Ayesha bei ihrer Verheiratung 6 und bei ihrer Entjungferung 9 gewesen sei. Das könne nicht sein, weil ein Kind in diesem Alter sterben oder sich zumindest schwer verletzen würde, wenn man mit ihm Geschlechtsverkehr haben würde. So etwas würde man Mohammed, der die Güte in Person gewesen sei, niemals zutrauen. Ayesha muss deshalb 18 gewesen sein, als Mohammed mit ihr geschlafen habe. Ich habe auch schon einen Theologen gehört, der auf der Grundlage der Hadithe versucht hat zu beweisen, dass Ayesha 18 gewesen sein muss, als Mohammed mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt habe. So etwas gibt es, respektive gab es. Neuere Videos in türkischer Sprache, die ich gesehen habe, sind unmissverständlich auf der Linie der Hadithe. Selbstverständlich kann man den liberalen Theologen  hoch anrechnen, dass sie versuchen, den Islam in die zivilisierte Welt des 21. Jahrhunderts zu holen. Das Problem bei dieser apologetischen Haltung ist jedoch, dass sie theologisch auf höchst wackligen Füssen steht. Die Autorität der Hadithe, die oben zitiert wurden, ist erdrückend. Eine theologische Gegenposition ist kaum haltbar, sofern man die Autorität dieser Hadithe anerkennt.

Damit komme ich zu einer dritten kleineren Gruppe von Muslimen. Diese lehnen die Hadithe und ihre Autorität vollumfänglich ab. Eine Untergruppe dieser Gruppe sind solche Muslime, die nebst den Hadithen auch die medinischen Suren des Koran ablehnen. Für diese sind nur die früheren mekkanischen Suren massgeblich, die sich mehr auf Glaubensinhalte konzentriert als die medinischen, die politischer sind. Diese Haltung ist überaus spannend. Das Problem dabei ist, dass viele Suren des Koran, insbesondere auch viele mekkanische, erst durch die Hadithe verständlich werden, die den Zusammenhang der Offenbarung wiedergeben. Ohne Hadithe ist die Interpretation eines erheblichen Teils des Korans nahezu unmöglich. Die Alternative, die diesen Leuten verbleibt, ist aus meiner Sicht die Übersetzungsergebnisse von Christoph Luxenberg, der auch dunkle Suren des Korans übersetzen konnte.

Dann gibt es eine kleine Gruppe von Muslimen, wie beispielsweise die Aleviten, die nicht nach der Scharia leben und bei denen Mann und Frau gleichberechtigt sind. Das Heiratsalter Ayeshas gehört nicht in ihr spirituelles Weltbild.

Und als letztes gibt es eine sehr grosse Gruppe von Muslimen, die diese Eigenschaft nur deshalb haben, weil ihre Eltern und ihre Grosseltern als Muslime geboren wurden. Sie lehnen ganz bewusst die Scharia ab und damit auch deren Regeln über das Verheiraten junger Mädchen. Diese Muslime unterscheiden sich überhaupt nicht von Westeuropäern hinsichtlich ihrer Werte, insbesondere wenn es um Kindsmissbrauch geht. Wenn überhaupt erleben solche Muslime den Islam in einem höchstprivaten Bereich oder im Rahmen von hohen Feiertagen, bei denen sie die obligaten Verwandtenbesuche unternehmen und aus Respekt die Alten begrüssen, die religiöser sind. Die Rede ist von säkularen Muslimen, die völlig unauffällig und bestens integriert in westlichen Gesellschaften leben.

Es stellt sich nun die Frage, wie wir mit Muslimen, die in Europa leben und dieser Geschichte über einen wohl nie stattgefundenen Kindsmissbrauch eine positive oder rechtfertigende Haltung entgegenbringen, umgehen sollten.

Meine Ansichten darüber sind recht strikt und auch apodiktisch. Diese Leute haben keinen Platz in Europa. Kindsmissbrauch lässt sich niemals rechtfertigen oder entschuldigen und kann auch aus der Position der Religionsfreiheit heraus nicht entschuldigt werden. Der Schutz von Kindern und ihre sexuelle Unversehrtheit gehen solchen archaischen Traditionen in jeder Hinsicht vor. Alles andere würde einen Zivilisationsbruch bedeuten. Wir Europäer dürfen rechtfertigenden Positionen unter keinen Umständen Toleranz entgegenbringen, insbesondere auch keine Ehen anerkennen, die unter Missachtung der Partnerwahlfreiheit mit Minderjährigen geschlossen wurden. Jemand, der Kindsmissbrauch mit der Religion rechtfertigt, kann sich niemals in unsere westliche Gesellschaft integrieren.

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(Mohammed und Aischa. Miniatur aus dem Siyer-i Nebi, 1388; Quelle: wikipedia)

Über das Heiratsalter der Prophetengattin Ayesha – Ein islamkritischer Diskussionsbeitrag

Das islamische Kopftuch – Ein religiöses Symbol?

Anfangs April erwog die nordrhein-westfälische Regierung – sicherlich auch inspiriert durch die jüngsten Entwicklungen in Österreich – ein Kopftuchverbot für junge Mädchen unter 14 Jahren. Der Integrationsminister des Bundeslandes, Joachim Stamp von der FDP, äußerte sich gegenüber den Medien, dass religionsunmündige Kinder nicht dazu gedrängt werden dürfen, ein Kopftuch zu tragen. Daher soll ein Verbot geprüft werden. Einige Tage später meldete sich unter vielen auch die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, zu Wort und warnte in ihrer Erklärung insbesondere vor „Verboten einzelner religiöser Symbole“. Wer das muslimische Kopftuch an Schulen verbieten wolle, löse damit keine Integrationsprobleme, sondern trage vielmehr dazu bei, dass sich Schülerinnen ausgegrenzt fühlen würden, meinte sie zum Vorhaben. Darüber hinaus sei eine solche „Spezialgesetzgebung“ auch verfassungsrechtlich problematisch, da Religionen somit ungleich behandelt würden.

Das islamische Kopftuch stellt entgegen der Ansicht von Christine Lüders kein religiöses Symbol dar, was natürlich auch für alle anderen islamischen Verschleierungsarten zutrifft. Lüders ist natürlich nicht allein mit ihrer falschen und völlig unqualifizierten Auffassung, was allerdings in Anbetracht ihrer Funktion in ihrem besonderen Fall doch etwas bedenklich ist. Jemand, der sich mit Diskriminierungsfragen auseinandersetzt, sollte sich jedoch etwas besser mit dem Islam auskennen und nicht Dinge behaupten, die nicht stimmen. Die Frage, die ich damit als erstes beantworten möchte ist, was unter einem Symbol und einem religiösen Symbol zu verstehen ist.

Ein Symbol ist – wenn man sich an eine möglichst genaue Definition heranwagt – ein Zeichen, das einen tieferen Sinn vermittelt; ein anderer Ausdruck dafür ist Sinnbild. Mit einem religiösen Symbol werden Kerngedanken von Religionen bildlich ausgedrückt, die regelmäßig einen tieferen Sinn haben, der in einer Religion enthalten ist. Auch Zahlen können Symbolcharakter haben, natürlich auch in einer Religion wie die Zahl 3 im Christentum. Christliche Symbole im engeren Sinne sind etwa das Kreuz, welches die Christen an die Passion Jesu erinnert oder die eucharistischen Fische. Die meisten Leser kennen sicherlich auch den Davidstern der Juden, der die Beziehung zwischen Menschen und Gott symbolisiert oder die Menora. Bekannt ist sicherlich auch das achtspeichige Rad des Dharma im Buddhismus und Hinduismus, was wir von der Nationalflagge von Indien kennen sollten. Weniger bekannt sind das achtzackige Stern der Bahai oder das Khanda-Emblem der Sikhs, die ebenfalls religiöse Symbole darstellen.

Der Islam hingegen kennt keine eigentlichen religiösen Symbole, die zumindest mit den vorgenannten religiösen Symbolen vergleichbar wären. Entgegen weitverbreiteter Ansicht ist selbst der Hilal, der muslimische Sichelmond, den wir von zahlreichen Flaggen muslimisch geprägter Länder kennen, kein religiöses Symbol. Dieser Sichelmond wird bekanntlich oft begleitet von einem fünfzackigen Stern. Gemäß Überlieferung gehen beide Symbole auf die vorislamische Zeit zurück. Eine islamische Bedeutung haben sie damit schon deshalb nicht und vor allem haben sie auch keine Grundlage in der Scharia. Das Fehlen eines eigentlichen religiösen Symbols im Islam hat vor allem damit zu tun, dass im Islam nicht Symbole sondern vor allem das von Gott unmittelbar ausgesprochene Wort als heilig gilt und das ist in erster Linie die Schrift, namentlich der Koran. Was damit in die Nähe eines religiösen Symbols kommen könnte, sind islamische Kalligraphien, die einzelne religiöse Ausdrücke oder Kernaussagen beinhalten wie beispielsweise das Maschallah oder das Basmala. Wenn man so will, sind kunstvolle Kalligraphien von solchen Sprüchen mindestens etwas Ähnliches wie religiöse Symbole. Die Verschleierungsformen des Islam hingegen kommen nicht einmal in die Nähe eines religiösen Symbols. Ich möchte dafür gleich den „Beweis“ liefern. Wer danach immer noch behauptet, dass die Verschleierungsformen des Islam religiöse Symbole darstellen, dem kann ich auch nicht weiterhelfen.

Sicherlich haben die Leserinnen und die Leser meines Blogs auch schon Touristinnen aus der Golfregion oder Saudi Arabien beobachtet, wie sie in europäischen Städten Shopping im grossen Stil betrieben. Gewiss haben sich auch einige gefragt, was diese Frauen, die auch in Europa den Nikab oder teilweise sogar die Burka tragen, mit so vielen Kleidern machen, die sie hier einkaufen, die ganz offensichtlich nicht schariakonform sind. Die Antwort sollte nur teilweise erstaunen. Entweder tragen sie diese Kleidung im privaten Rahmen in der Familie, in erster Linie vorbestimmt für die Augen des Ehemannes; oder sie organisieren unter Freundinnen Modeschauen, wie dies neulich in einer Dokumentation des Schweizer Fernsehens erwähnt wurde. Mit anderen Worten tragen diese Frauen sowohl in Europa als auch in ihren Heimatländern in der Öffentlichkeit den Nikab oder sogar die Burka. In der Familie oder unter Freundinnen tragen sie jedoch Design-Kleidung ohne jeden islamischen Bezug und vor allem sogar ohne Kopftuch.

Die Fragen, die man sich nun stellen sollte sind, weshalb sich Scharia-Musliminnen nur gegenüber einer Gesellschaft verschleiern, in der sich Männer befinden, die mit ihnen nicht in einem näheren Verwandtschaftsverhältnis stehen, gegenüber einer rein weiblichen Gesellschaft hingegen nicht, wenn das islamische Kopftuch tatsächlich ein religiöses Symbol darstellen sollte. Weshalb soll die Angehörige einer Religion ihre religiöse Identität, die sie mit dem angeblichen religiösen Symbol „islamisches Kopftuch“ ausdrücken will, nur gegenüber dem Angehörigen eines Geschlechts offenbaren wollen aber nicht auch gegenüber dem anderen? Oder anders ausgedrückt: Weshalb soll nur ich als Mann mit einem angeblichen religiösen Symbol einer Religion konfrontiert werden aber nicht eine Gruppe von Frauen? Weshalb hat eine verschleierte Scharia-Muslimin kein Bedürfnis, ihre muslimische Religion mittels Kopftuch oder Nikab auch in einer reinen Frauengesellschaft zu offenbaren, wenn das islamische Kopftuch tatsächlich einen religiösen Symbolcharakter haben soll? Wer soll überhaupt durch das angebliche Symbol angesprochen werden, zumal Symbole regelmäßig eine Botschaft beinhalten? Nur Männer?

Wenn man sich diese Dinge durchdenkt, wird deutlich, dass die Verschleierungsarten des Islam überhaupt keinen religiösen Symbolcharakter haben. Vielmehr hilft die Verschleierung, die gesellschaftsregulierenden und politisch motivierten Vorschriften der Scharia zu erfüllen, namentlich jene von Sure 24:31, die von Scharia-Muslimen wie folgt übersetzt und verstanden wird:

„Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten, ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer dem, was (sonst) sichtbar ist. Und sie sollen ihre Kopftücher auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen (Geschlechts)trieb (mehr) haben, den Kindern, die auf die Blöße der Frauen (noch) nicht aufmerksam geworden sind. Und sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit (nicht) bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verborgen tragen. Wendet euch alle reumütig Allah zu, ihr Gläubigen, auf daß es euch wohl ergehen möge!“

Mit anderen Worten geht es hier um die Erfüllung der islamischen Sexualmoral im Sinne der Scharia, wobei das islamische Kopftuch nur diese funktionale Bedeutung hat, bei der es darum geht, eine Frau für „fremde Männer“ möglichst unsichtbar zu machen. Je nach Verschleierungsart ist das freilich unterschiedlich stark ausgeprägt. Gemäss dieser Sexualmoral ist ein offenes gesellschaftliches Zusammenleben zwischen Frauen und Männern, die nicht näher miteinander verwandt sind, nicht oder nur eingeschränkt vorgesehen. Die Verschleierung soll wie viele andere Vorschriften der Scharia Frauen und Männer gesellschaftlich trennen, damit keine sündigen Gedanken entstehen oder sogar noch „schlimmere Dinge“. Dass es ausschliesslich um die Erfüllung dieser archaischen Sexualmoral geht, wird aus jenem Teil der Koranstelle deutlich, wo von Kindern die Rede ist, die noch zu klein sind, um auf die Blöße (!) einer Frau aufmerksam zu werden oder von Männern, die keinen Geschlechtstrieb mehr besitzen wie beispielsweise Eunuchen, die sich in der Gegenwart von unverschleierten Frauen aufhalten dürfen. Mit einem religiösen Symbol kann man solche Inhalte nicht in einen Zusammenhang bringen.

Es ist daher geradezu pervers, kleine Mädchen zum Gegenstand einer solchen Sexualmoral zu machen, wie dies mittlerweile in Europa des 21. Jahrhunderts geschieht, was vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre, aber dank dem Scharia-Appeasement und Kulturrelativismus von Leuten wie Christine Lüders leider möglich wurde. Noch perverser ist es, dass sie dabei sogar von einer angeblichen „Diskriminierung“ spricht, wenn kleine religionsunmündige Mädchen vor dieser unterirdisch primitiven und archaischen Sexualisierung bewahrt werden sollen. Besonders beschämend ist dabei, dass Christine Lüders eine Frau ist und nur schon deshalb kleine Mädchen vor dieser ekelerregenden Sexualmoral schützen sollte statt diese kulturrelativistisch zu verharmlosen und ihre Bekämpfung als angebliche „Diskriminierung“ zu brandmarken. Auch die Angabe von Christine Lüders, wonach Schülerinnen, die von einem Kopftuchverbot betroffen wären, ausgegrenzt fühlen würden, ist völlig haltlos. Bei einem Verbot müssen die Schülerinnen sich fügen, sich den unverhandelbaren Gepflogenheiten der hiesigen europäischen Gesellschaft anpassen oder die Konsequenzen tragen. Ultima ratio verbleibt ihnen die Möglichkeit, mit ihrer Familie in ein Land auszuwandern, wo die Scharia zur gesellschaftlichen Norm gehört, wo sie sich wohlfühlen können.

Überhaupt würde ein allgemeines Verbot des öffentlichen Tragens des islamischen Kopftuches und sämtlicher anderer Verschleierungsarten des Islam eine verdrängende Wirkung gegenüber den europäischen Scharia-Parallelgesellschaften haben, was meines Erachtens wünschenswert wäre, zumal mit der Vereitelung der Sexualmoral des Islam die Entstehung respektive die Fortdauer einer Scharia-Parallelgesellschaft wirksam verhindert werden kann. Ich kann ein Interesse Europas an der Existenz solcher vormittelalterlichen  Gesellschaftsstrukturen mit Frauendiskriminierung, Antisemitismus, Dschihadverherrlichung und anderen Unzulänglichkeiten auch nicht erkennen. Wenn jemand denkt, dass allfällige Einschränkungen der Scharia unmöglich seien, soll er oder sie sich doch bitte die Bilder der islamischen Welt zwischen den Jahren 1928 und 1979 anschauen, wie dies in der Facebook-Gruppe „Before Sharia Spoiled Everything“ gezeigt wird.

Ulus Platz

(Zwei junge Frauen am Ulus Platz in Ankara, Mitte Dreissigerjahre, nicht einmal 10 Jahre nach der Kleiderreform Atatürks, Bild aus der Facebook-Gruppe Before Sharia Spoiled Everything)

Wenn in einem Land wie der Türkei, in welchem ungefähr 98% der Bevölkerung aus Muslimen besteht, die gesellschaftspolitischen Regeln der Scharia verboten und der Islam auch puncto Kleidung eingeschränkt werden konnte, ist dies in Europa erst recht möglich. Von einer Diskriminierung kann hier nicht die Rede sein, nachdem Muslime selbst die Scharia eingeschränkt haben und dies immer noch tun, um ein Leben in der Moderne zu führen, wie dies vor allem im Zwanzigsten Jahrhundert noch an vielen Orten der muslimischen Welt möglich war. Ich jedenfalls möchte hier in Europa keine Scharia-Parallel- respektive Gegengesellschaften haben, die auf das Leben aller Menschen einen negativen Einfluss haben und damit nicht nur die Scharia-Muslime selbst betreffen. Meines Erachtens ist auch eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Gedanken unserer Grundrechte notwendig. Damit meine ich, dass Grundrechte, die uns das Zeitalter der Aufklärung übertragen hat, nicht für die Gewährleistung und Errichtung von Scharia-Gesellschaften in Europa missbraucht werden sollten. Europaweite Verfassungsänderungen und Islamgesetze, welche die Scharia einschränken und teilweise auch verbieten, sind meines Erachtens dringend notwendig.

Und natürlich muss der Islam entgegen dem Wunsch von Christine Lüders anders behandelt werden als andere Religionen und dies stellt sicher keine Diskriminierung dar. Immerhin finden in europäischen Kirchen, Synagogen sowie in buddhistischen und hinduistischen Tempeln  keine Kriegsverherrlichungsveranstaltungen statt, bei denen kleine Kinder in Tarnuniformen den Dschihad mimen. In Europa gibt es keine Kirchen, in denen für Krieg und Vernichtung von Andersgläubigen gepredigt und gebetet wird. Gewiss gibt es religiösen Extremismus in anderen Religionen. Im deutschsprachigen Raum sind wir aber weder vom extremen Buddhismus oder Hinduismus betroffen, noch haben wir hier in Europa rechtsextreme Juden wie den Rabin-Mörder Jigal Amir schon gar nicht ganze Gesellschaftsstrukturen, die aus solchen Leuten bestehen. Ohnehin würde es bei der Schaffung eines Islamgesetzes nicht darum gehen, pauschal Muslime zu diskriminieren. Vielmehr muss der Staat vorgeben, welcher Islam akzeptiert wird und welche Formen des Islam in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Mit der Schaffung solcher Islamgesetze ginge es folglich darum, bestimmte Praktiken der Scharia, die einerseits einen Zivilisationsbruch bedeuten und andererseits Grundrechte von Individuen sowie Grundprinzipien unseres Staatswesens verletzen, einzuschränken und stückweit auch zu verbieten. Dazu gehört sicherlich auch der Schutz von religionsunmündigen Minderjährigen vor einer Sexualisierung.

* * *

Scharia-Verbot wirkt!

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Am 9. August 1935 berichtete die türkische Zeitung Cumhuriyet, dass in Konya die Verschleierung verboten wurde. Für die Umsetzung des Verbots wurde eine Frist bis 15. September 1935 gewährt.

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Bereits im Jahr 1936 sahen die Frauen in Konya so aus.

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… und so im Jahr 1968.

Konya ist heute eine Hochburg der AKP (ca. 75% der Wahlbevölkerung).

 

Das islamische Kopftuch – Ein religiöses Symbol?

FDP-Kandidatin Aygül Kılıç – Ein antisemitischer Facebook-Beitrag wirft Fragen auf

Die FDP Neumünster hat eine Kopftuch tragende Scharia-Muslimin namens Aygül Kılıç als Kandidatin für die bevorstehenden Kommunalwahlen aufgestellt. Gegen diese Kandidatur gab es teilweise heftige Kritik, wobei diese umgehend als „rechts“ bezeichnet wurde. Man verwies auf die Religionsfreiheit von Frau Kılıç und unterstellte den Kritikern Rassismus und Vorurteile.

Nun ist ein Facebook-Post aufgetaucht, den Frau Kılıç im Jahr 2014 kommentarlos geteilt hat. Es handelt sich um einen Post des Users mit dem falschen Namen Mehmet Akif Ersoy [Name des Schöpfers der türkischen Nationalhymne]. Damit die Deutschen, die der türkischen Sprache nicht mächtig sind und über diese Kandidatur diskutieren, sehen können, welche Werte diese Dame auch vertritt, möchte ich den Post, den sie geteilt hat, übersetzen. Die Übersetzung erfolgt wörtlich, wobei in den eckigen Klammern Erklärungen vorzufinden sind, weil sich Türkisch oft sehr schwierig wörtlich übersetzen lässt.

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„EINIGE WORTE, DIE UNS VON DEN JUDEN VERERBT WURDEN

WENN ICH ES VESTANDEN HÄTTE, SOLL ICH ARABER WERDEN [türkische Redewendung ähnlich wie „Ich verstehe nur Ägypten“ oder „Ich verstehe nur Bahnhof“]. Weil unser Efendi [gemeint ist der Prophet Mohammed] s.a.v. [islamische Formel, die man verwendet, wenn man über den Propheten spricht oder seinen Namen erwähnt] ein Araber ist, haben sie ihn über das Arabertum beleidigt und haben ihren Hass zum Ausdruck gebracht [wörtlich: Hass gekotzt]. Das haben die Juden gesagt [das stammt von den Juden], aber auch wir haben es im Unbewussten gesagt.

KARA FATMA [Großer Totenkäfer; wörtlich „Schwarze Fatma“]. Sie haben um die weißgesichtige Fatima [gemeint ist die jüngste Tochter des Propheten Mohammed], deren Gesicht mit Licht übersät ist [„nur yüzlü“ bedeutet wörtlich „lichtgesichtig“] und weil sie den Hidschab respektive weil sie den dunklen Nikab trägt, zu beleidigen, einem Käfer den Namen „Kara Fatma“ gegeben und wir [damit sind die Muslime gemeint] haben das Gleiche unwissend [hier wird das Wort „cahil“ verwendet, über das ich einen längeren Aufsatz geschrieben habe] nochmals gesagt.

KAKA [türkisches Wort für Scheiße, so wie auch in vielen anderen Sprachen] Ein grosser Heerführer und ein grosser Begleiter des Propheten Mohammed Kaka [so hiess offenbar ein Begleiter des Propheten], den die Juden am meisten hassen. Wenn die Juden ihre Kinder auf die Toilette bringen, haben sie, indem sie gegen den Sankt Kaka ihren Hass auskotzten, das, was ihre Kinder produzieren, Kaka genannt. Und wir haben es – ohne es zu erkunden – auch Kaka [d.h. Scheiße] genannt.

LASST UNS VORSICHTIG UND UMSICHTIG SEIN! LASSEN WIR UNS NICHT AUF DIE SPIELE DER JUDEN EIN!“

Nach dem Gesagten stellt sich die Frage, ob FDP Neumünster den triefenden Antisemitismus ihrer Kandidatin, der hier zum Ausdruck kam, auch mit der Religionsfreiheit oder gar mit der Meinungsfreiheit verteidigen will.

 

FDP-Kandidatin Aygül Kılıç – Ein antisemitischer Facebook-Beitrag wirft Fragen auf