Das Neo-Osmanentum der AKP-Islamisten und die Janitscharen

Immer wieder sehe ich in den Medien, dass türkische Nationalislamisten das untergegangene Osmanische Reich verherrlichen und dabei insbesondere eine grosse Affinität gegenüber den Janitscharen haben, die einmal einen wesentlichen Teil der osmanischen Armee bildeten und mit ihrer Kriegsführung insbesondere auch bei Europäern grosse Furcht auslösten. Man sieht diese neuen Janitscharen an Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten. So gibt man ihnen auch eine Bühne bei den Gedenkfeierlichkeiten zum 15. Juli, wenn sich türkische Islamisten an den gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 erinnern. Auch Erdoğan ist ein grosser Fan der Janitscharen. In der Regel handelt es sich bei diesen als Janitscharen verkleideten Leuten um sogenannte Mehter takımı (Musikkapellen der Janitscharenarmee), die Marschmusik spielen. Es gibt solche sogar in Deutschland, die für bestimmte Anlässe engagiert werden können. Manchmal ziehen diese auch durch deutsche Strassen und stiften bei der einheimischen Bevölkerung grosse Verwirrung und lösen Irritationen aus.

Als Janitscharen verkleidete Türken bei einer Gedenkveranstaltung des 15. Juli in Gaziantep, Türkei
Als Janitscharen verkleidete Türken in Deutschland
Pseudo-Janitscharen in Düsseldorf

Aus meiner Sicht gibt es kaum etwas absurderes, wenn man das Türkentum und den türkischen Nationalismus mit den Janitscharen verherrlicht, wenn man bedenkt, wer die Janitscharen waren. Wikipedia schreibt über sie richtigerweise Folgendes: «Die ersten Janitscharen-Einheiten umfassten noch Kriegsgefangene und Sklaven. Ab 1438 wurden systematisch Knaben unterworfener christlicher Völker zwangsrekrutiert (so genannte Knabenlese), wobei hauptsächlich vom Balkan – vor allem aus Serbien und Bosnien – stammende Jungen ausgewählt und zur Erziehung, Ausbildung und Zwangsislamisierung in das Osmanische Reich gebracht wurden. Üblicherweise wurde jeder 40. Junge im Alter zwischen 7 und 14 ausgewählt, die Anzahl wurde aber je nach Bedarf geändert. Außer Christenknaben aus Serbien und Bosnien wurden auch Albaner, Armenier, Bulgaren, Georgier, Griechen, Kroaten, Polen, Rumänen, Südrussen, Ukrainer und Ungarn rekrutiert.

Janitscharen wurden unter strikter Disziplin und harter Arbeit in acemi-oğlan-Schulen ausgebildet, wo sie dem Zölibat unterworfen waren und islamisiert wurden. Im Gegensatz zu freien Moslems durften sie nur einen Schnurrbart und keinen Vollbart tragen. Die Janitscharen gehörten als Armee dem Sultan und wurden so erzogen, dass sie das Korps als ihre Heimat und Familie und den Sultan als ihren Vater anerkannten. Nur diejenigen, die sich als stark genug herausstellten, verdienten sich den Rang eines echten Janitscharen im Alter von 24 bis 25 Jahren. Das Eigentum verstorbener Mitglieder ging auf das Regiment über.»

Mit anderen Worten waren die historischen Janitscharen alles andere als türkisch, sondern viel mehr entweder Sklaven oder Halbfreie, die aus Europa stammten, die der osmanische Staat an die Front schickte, weil die eigenen Leute für diese Arbeit viel zu schade waren. Man kann – wenn man so will – von “Kanonenfutter ausländischer Herkunft” sprechen. Das ist ungefähr gleich absurd wenn nicht gar bescheuert, wenn ein englischer Faschist und White Supremacist sich als nepalesischer Gurkha verkleidet, um die angebliche “Überlegenheit der englischen Rasse” in den Himmel zu loben, oder wenn deutsche Neonazis an ein Klezmermusik-Konzert gehen, dabei ihre Bäuche mit gefiltem Fisch füllen und dazu koscheren Wein saufen, um sich dabei so richtig Deutsch und “arisch” zu fühlen.

Das Neo-Osmanentum der AKP-Islamisten und die Janitscharen

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