Über die Familienberatungspraxis von Diyanet und ihre Auswirkungen in Europa

Die türkische Journalistin Burcu Karakaş hat gestern auf DW Türkçe (Deutsche Welle Türkisch) einen erschütternden Artikel über Familienberatungsbüros in der Türkei geschrieben, die der türkischen Religionsbehörde Diyanet unterstellt sind. Diese Organisation ist in Deutschland unter dem Namen Ditib bekannt. Bis vor nicht allzu langer Zeit hatte sie denselben Namen auch in der Schweiz. Neuerdings heisst sie «İsviçre Türk Diyanet Vakfı», die von dieser selbst mit «Türkisch Islamische Stiftung» übersetzt wird. Man muss kein Türkisch können, um die Täuschungsabsicht hinter dieser Übersetzung zu erkennen.

Jedenfalls verfügt auch die Schweizer Sektion von Diyanet über ein Familienberatungsbüro, das sich an der Schwammedingerstrasse 102 in Zürich befindet und im Internet für seine «Dienstleistungen» Werbung macht. Angesichts der Tatsache, dass sämtliche Organisationen von Diyanet auf der Welt von der Zentrale in der Türkei gelenkt und verwaltet werden, kann man davon ausgehen, dass die Eheberatungspraxis der Organisation sich auch in Europa niederschlägt. Immerhin haben diese Beratungen eine gemeinsame Grundlage, namentlich die Scharia. Was die Scharia ist, kann in einem früheren Blogpost von mir nachgelesen werden.

Burcu Karakaş hat zusammen mit nicht genannten Mitarbeiterinnen mittels sogenannter «Mystery Calls» die Familienberatungsstellen von Diyanet getestet. Als sie Diyanet danach gefragt hat, über welches Profil die Berater in diesen Büros verfügen, bekam sie als Antwort, dass es sich dabei um Personen handle, die eine religiöse Hochschule besucht hätten, Experten in religiösen Dienstleistungen, Korankurslehrer oder Imam-Hatip-Schulabsolventen seien. In ihrem Artikel gibt die Journalistin an, dass solche Leute selbst in Frauenhäusern (!) aktiv seien.

Ich komme nun zurück auf die Testanrufe und deren Ergebnisse.

Einer Beraterin teilt die Testanruferin mit, dass sie sich überlege, sich wegen häuslicher Gewalt scheiden zu lassen und bittet diese um Rat. Daraufhin bekommt die Testanruferin die Bedeutung und die Wichtigkeit der «Geduld» (sabr) im Islam zu hören, dies im Lichte des «religiösen Wissens». Die Beraterin fährt wie folgt weiter: «Wenn das Ganze den Zustand der Unerträglichkeit erreicht hat, fragen Sie die Älteren um Rat. Allah hat in der Nisa Sure verfügt, dass eine Frau und ein Mann – jeweils unterstützt durch eine ältere Person – sich bemühen müssen, das Problem zu beheben. Die Jungen seien in der Lage, eine Ehe ganz leicht zu entzweien und wegzuschmeissen. Wir hingegen sagen, dass ihr euch bemühen müsst, gemeinsam mit den Älteren das Problem zu beheben.»

Beim nächsten Mystery Call gibt die Testanruferin gegenüber der Beraterin an, dass sie ein Opfer von Beleidigungen des Ehemannes sei. Weiter führt die Testerin gegenüber der Beraterin aus: «Er hat zwar seine Hand zum Schlag ausgeholt, hat aber noch nicht zugeschlagen. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass es dazukommen könnte». Die Beraterin gibt dazu an, dass die Frau sich fragen soll, was die Gründe der häuslichen Gewalt sein könnten und fügt Folgendes hinzu: «Fragen Sie ihn mit einer geeigneten Sprache nach dem Grund. Das, was Sie erzählen, ist nicht so eine grosse Sache und Sie können das Problem lösen, indem Sie mit ihm sprechen. Sie könnten ihm beispielsweise Speisen zum Abendessen vorbereiten, die er gerne hat. Während Sie mit ihm gemeinsam Tee trinken, können Sie mit ihm ganz ruhig sprechen.»

Weiter will die Testanruferin wissen, was sie tun soll, wenn der Ehemann tatsächlich Gewalt anwendet und bekommt die folgende Antwort: «Wenn er zuschlägt, zeigen Sie keine Reaktion. Entfernen Sie sich vom Ort, wo die Gewalt stattgefunden hat. Ziehen Sie sich in Ihr Zimmer zurück. Versuchen Sie die Sache unter den Teppich zu kehren, indem Sie ihm sagen «Ich mache es genauso, wie du es dir wünschst». Aber kommen Sie auf das Thema zurück, wenn die Umstände es erlauben. Sprechen Sie mit ihm nicht in einer beschuldigenden Sprache. Sagen Sie ihm «Ich wusste es nicht, wie du es dir wünschst. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich es so gemacht, wie du wolltest» oder etwas in dieser Art.» Die Frage, ob man allenfalls die Polizei verständigen soll, wird wie folgt beantwortet: «Nein, Probleme dieser Art könnt ihr lösen, inschallah. Mögen Sie Allah anvertraut sein!»

Bei einem anderen Anruf ist die beratende Person ein Mann, der die Gründe, weshalb die Testperson vorgeblich häusliche Gewalt erfahren habe, in Frage stellt: «Was ist der Grund dafür, dass der Ehemann häusliche Gewalt anwendet? Was sind die Erwartungen eines Mannes gegenüber seiner Gattin? Das ist ein lächelndes Gesicht, wenn er am Abend nach Hause kommt und dass sein Essen zubereitet ist. Wenn du alles unternimmst, was du kannst und es nützt dennoch nichts, kann es dafür andere Gründe geben. Kann es sein, dass er eine Beziehung zu einer anderen Frau hat?»

Daraufhin fährt die Testanruferin fort: «Manchmal zieht er mir an den Haaren. Ich habe Angst. Soll ich die Polizei rufen?» Die Antwort: «Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie sich an die Polizei wenden. Sie können sich zwar an die Polizei wenden, wenn der Zustand erreicht ist, dass Sie es nicht mehr aushalten. Allerdings sollten Sie wissen, dass die Polizei in der Regel gegenüber dem Mann verfügt, dass er sich während drei bis fünf Monaten von der ehelichen Wohnung fernhalten soll. Deshalb müssen Sie, bevor Sie sich an die Polizei wenden, einen Lösungsweg suchen. Kann es sein, dass Sie es sind, die sich schlecht verhält?»

Nach diesen Worten will der Berater wissen, was für eine Person der Ehemann unter dem Gesichtspunkt des Glaubens sei und fährt wie folgt weiter: «Verrichten Sie das rituelle Gebet? Und Ihr Mann? Sie sollten sich anstrengen, das rituelle Gebet fünfmal am Tag zu verrichten. Lesen Sie aus dem Koran. Wenn Sie sich anstrengen, ihr islamisch geführtes Leben auf die richtige Bahn zu lenken, wird das Problem – inschallah – gelöst.»

Wie ich oben ausgeführt habe, ist die Grundlage dieser Beratungen die Scharia. Von besonderer Bedeutung ist Sure 4, Vers 34, die auch immer wieder auf deutschsprachigen Webseiten von Moscheegemeinden auftaucht:

„Die Männer stehen über (qauwāmūn ʿalā) den Frauen, weil Gott sie (von Natur aus vor diesen) ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen?) gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und geben acht auf das, was (den Außenstehenden) verborgen ist, weil Gott (darauf) acht gibt (d.h. weil Gott darum besorgt ist, dass es nicht an die Öffentlichkeit kommt). Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie (wa-dribū-hunna)! Wenn Sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Immer wieder rechtfertigen Scharia-Muslime diese Koranstelle mit dem Hinweis, dass insbesondere Nichtmuslime diese missverstehen würden. Das Schlagen sei lediglich «symbolisch», was an und für sich schon schlimm genug wäre, weil auch bei einem «symbolischen» Schlagen eine Frau in ihrer Würde verletzt und herabgesetzt wird. Die Angabe ist dennoch falsch, wenn nicht gar glatt gelogen und man kann diese Lüge durchaus als Taqiya bezeichnen, d.h. eine von Allah erlaubte Lüge, um den Islam – hier insbesondere vor den ungläubigen Europäern – in Schutz zu nehmen. Diese könnten ja auf «falsche» Gedanken kommen.

Als Rechtsanwalt habe ich während vieler Jahre türkische Frauen beraten und vertreten, die massivste häusliche Gewalt erfahren hatten und immer wieder mit der islamischen Praxis bei ehelichen Konflikten konfrontiert wurden, die oben skiziert ist. Dass Ältere gefragt werden, um zu schlichten, dass die Polizei nicht verständigt werden darf, familiärer Druck auf Frauen, damit diese ihre Anzeigen zurückziehen und viele andere Dinge, die oben beschrieben sind, existieren auch in der Schweiz. Ich habe Fälle erlebt, bei denen Männer ihre hochschwangere Frauen in den Magen traten und die Opfer dies nicht zur Anzeige bringen konnten oder Frauen Opfer von jahrelangen Vergewaltigungen wurden und gegen ihren Willen auch anal penetriert wurden. Die vaginalen Vergewaltigungen hatten diese nicht angezeigt und ausgehalten, ertrugen aber die analen Penetrationen nicht nur aufgrund des Schmerzes sondern auch aus religiösen Gründen nicht, weil diese sexuelle Praxis im Islam nicht erlaubt ist. Ich habe schon Frauen, die in der Ehe sowohl vaginal als auch anal vergewaltigt wurden, ins Spital begleitet und diese sowohl in Straf- als auch in Zivilverfahren unterstützt, beraten und vertreten. Die überwiegende Mehrheit dieser Frauen haben ihre Anzeigen auf Druck der Älteren “zurückgezogen”. Zwar kann man eine Anzeige wegen Vergewaltigung in der Ehe nicht zurückziehen, weil es sich dabei um ein Offizialdelikt handelt. Sofern jedoch das Opfer bei einem solchen Strafverfahren keine Aussagen mehr macht oder anfängt zu lügen, weil die Älteren dies geraten haben, ist eine Verurteilung des Ehemannes nichts anderes als eine Illusion, weshalb Staatsanwälte aber auch Staatsanwältinnen die Verfahren einstellten. Aufgrund meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es nicht wirklich eine Rolle spielt, ob eine Vergewaltigung in der Ehe ein Offizialdelikt ist oder nicht. Wenn ein unter Druck gesetztes Opfer damit anfängt, das Strafverfahren zu sabotieren, kann man sich das Ganze ans Bein streichen. Jedenfalls ist es für die Verteidigung ein leichtes Spiel, um in solchen Fällen für den Mandanten einen Freispruch zu erwirken.

Falls jemand wirklich noch annehmen sollte, dass die in diesem Blogpost beschriebene Praxis «nur» die Türkei betreffen würde, irrt er oder sie sich ganz gewaltig. Andererseits muss in Anbetracht dieser Probleme ganz grundsätzlich festgestellt werden, dass Ditib in Deutschland und Diyanet in der Schweiz eine Art Staat im Staate darstellen, was soviel heisst wie, dass diese Staaten ihre Souveränitätsrechte aufgrund einer falsch verstandenen Toleranz aufgegeben haben. Ich halte dies für unzulässig und für verfassungswidrig. Für mein Land, die Schweiz, kann ich diesbezüglich auf unsere Bundesverfassung verweisen. Artikel 8 Absatz 3 der Schweizerischen Bundesverfassung besagt:

«Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.»

Die von unserer Bundesverfassung vorgesehene Gleichberechtigung der Geschlechter stellt kein Exklusivrecht für Schweizerinnen und Schweizer dar. Sie gilt für alle Bewohner dieses Landes, womit sie in einem diametralen Widerspruch zur Scharia steht, die sich ganz klar gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter ausspricht, was aus der vorzitierten Sure 4, Vers 34 zu entnehmen ist («Die Männer stehen über den Frauen») und sogar ein Züchtigungsrecht des Ehemannes vorsieht, wobei Männer von diesem «Recht» regelmässig auch Gebrauch machen. Die tatsächliche Gleichstellung in der Familie, wie dies unser Grundgesetz verlangt, wird damit nicht nur nicht gewährleistet. Sie wird geradezu sabotiert, vor allem wenn man «Familienberatungsstellen» wie jene in Zürich, einfach so toleriert, ohne sich dabei die Frage zu stellen, was dort angeboten wird und ob die Praxis eines solchen Büros allenfalls dem vorzitierten Verfassungsauftrag widersprechen könnte. Die Scharia kann niemals Massstab für eine gleichberechtigte Ehe sein, weil sie diesem Gedanken entgegengesetzt ist und Organisationen, die eine Familienberatung auf der Grundlage der Scharia anbieten, haben auf dem Staatsgebiet der Schweizerischen Eidgenossenschaft rein gar nichts verloren.

Es ist längst an der Zeit, dass Organisationen wie Ditib oder Diyanet verboten, ihre Büros und ihre Moscheen geschlossen und ihre Funktionäre ausgewiesen werden. Natürlich wird auch dieser Aufruf, den ich seit Jahren immer wieder wiederhole, ungehört bleiben. Ich allerdings werde niemals müde werden, diese Vereinigungen zu demaskieren, sie zu delegitimieren und darauf hinzuweisen, was sie sind: Ein Staat im Staate auf der Grundlage der Scharia, sprich einer totalitären, menschenverachtenden, frauendiskriminierenden und unterirdisch primitiven Ideologie, die bekämpft werden muss.

Über die Familienberatungspraxis von Diyanet und ihre Auswirkungen in Europa

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s