Wie mich Rot-Grün davon überzeugt hat, weiterhin auf Atomkraft zu setzen

Wenn ich die Zeit unmittelbar nach der Katastrophe von Fukushima ausklammere, in welcher ich meine positive Haltung gegenüber der friedlichen Nutzung der Kernenergie grundlegend in Frage gestellt habe, war ich solange ich zurückdenken kann, deren Befürworter. Auch das Unglück von Tschernobyl konnte meine diesbezügliche Meinung nicht ändern, als es aktuell war. „Was hat ein völlig ungeschützter und vernachlässigter Kernreaktor in einer Fabrikhalle in der Ukraine mit den hohen Sicherheitsstandards von Schweizer Kernkraftwerken zu tun?“, dachte ich damals. Als aber eine hochentwickelte High-Tech-Nation wie Japan von einer Nuklearkatastrophe betroffen war, musste dies Grund genug sein, um meine Positionen zu hinterfragen. Der Hauptgrund, weshalb ich früher ein Kernenergiebefürworter war und nach einem kurzen Intermezzo wieder bin, liegt darin, dass ich die Energie-Abhängigkeit von Schurkenstaaten, erst recht von islamistischen Regimes, auf ein Minimum beschränken wollte und immer noch will. Andererseits dachte ich nach Fukushima, was ein solches Unglück für die kleine Schweiz bedeuten würde. Wohin würden wir alle hingehen, wenn beispielsweise meine Heimat über Jahrzehnte hinweg radioaktiv verseucht wäre?

Ich denke, dass die Herangehensweise an diese Frage sehr wesentlich davon abhängt, ob ein solches Szenario realistisch ist und ob man dabei von einem echten Risiko sprechen muss. Da ich kein Fachmann in diesem Gebiet bin und derartige Fragen nicht selbständig beurteilen kann, geht es nicht anders als, dass ich mich auf die Beurteilungen und Verhaltensweisen anderer verlassen muss. Dazu gehört etwa die tendenziell sicherheitsverliebte Haltung der Schweizer im Allgemeinen mit ihrer weltweit bekannten Versicherungsbranche. Jedenfalls kenne ich kein anderes Land, welches auf Sicherheitsvorschriften, Ausbildung und Gefahrvermeidung so viel Wert legt wie die Schweiz. Selbstverständlich ist der Umgang mit Kernenergie davon nicht ausgenommen. Hinzu kam aber auch das Verhalten der bisherigen Kernkraftgegner, was das eigentliche Thema meines heutigen Blogs ist. Wie sieht dieses Verhalten namentlich bei den Sozialdemokraten und bei den Grünen aus?

Die überwiegende Mehrheit der Grünen und Sozialdemokraten in Europa steht hinter dem sogenannten Atom Deal mit dem Iran aus dem Jahr 2015, der entgegen weit verbreiteter Annahme kein völkerrechtlicher Vertrag ist, wie es in diesem Artikel erklärt wird. Mit diesem Deal haben Obama, die EU und insbesondere die europäischen Linken die globale Sicherheitslage massiv gefährdet, was ihnen in ihrer selbstgerechten Haltung kaum bewusst ist. Nicht nur entwickelt der Iran, der das UN-Mitglied Israel ständig mit Auslöschung bedroht, weiterhin Raketensysteme, die dafür ausgedacht sind, um Kernwaffen einzusetzen. Das Geld, das wegen dieses Deals und Aufhebung des Embargos nun wieder in die Taschen des Mullah Regimes fließt, ermöglicht es ihm, an verschiedenen Orten der Welt Stellvertreterkriege zu führen oder islamistischen Terror zu finanzieren, wie etwa im Bürgerkrieg in Yemen, in Libanon, wo der Hezbollah massiv erstarkt ist, oder in Syrien, wo sich iranische Einheiten auf einen Krieg mit Israel vorbereiten und Stellung beziehen. Selbst in Venezuela sollen sich gerüchteweise iranische Einheiten befinden. Die wirtschaftlich am Boden liegende „Islamische Republik“, die ihre säkularen und religiösen Minderheiten und erst recht Frauen unterdrückt und sich diese Kriege nun leisten kann, war damals von Obama, von der EU und von den europäischen Linken in der allerletzten Sekunde gerettet worden.

Natürlich würden die Linken all dies bestreiten und im Atom Deal ganz im Gegenteil so etwas wie Friedenssicherung erkennen. Ich lasse ihnen diese Meinung. Was die Linken allerdings kaum abstreiten können, ist der Umstand, dass der Iran zunächst einmal kaum auf Atomkraft angewiesen ist und nicht wirklich ein Energieproblem hat, erst recht, wenn man in Betracht zieht, dass der Iran im Jahr 2011 der viertgrösste Förderer von Erdgas sowie viertgrösster Förderer von Erdöl war. Noch problematischer ist die Haltung der Linken, wenn man auf ihre Forderungen in Europa blickt, wo sie seit Jahrzehnten die Abschaltung der Atomkraftwerke fordern.

Wie ist es möglich, eine solche Haltung zu haben und den Iranern die vorgeblich friedliche Nutzung von Atomenergie zu gestatten, was aus linker Perspektive problematisch genug sein sollte? Wie lässt sich so eine Haltung gegenüber einem Land rechtfertigen, welches nun wirklich kein Energieproblem hat? Und vor allem: Weshalb gibt es keine Sicherheitsbedenken hinsichtlich der angeblich friedlichen Nutzung von Kernkraft bei einem Land, welches als eines der bekanntesten Erdbebengebiete der Welt gilt, wo regelmässig Hunderte oder sogar Zehntausende Menschen sterben? Das letzte Erdbeben im Iran war übrigens erst kürzlich, namentlich am 25. November 2018 und kostete über 700 Menschen das Leben. Zuvor gab es grössere Erdbeben wie etwa in den Jahren 1990, 2003, 2005, 2012 und 2017, um die zeitlich nächsten zu nennen. Die Linken wollen also trotz dieser Gegebenheiten und trotz der Tatsache, dass sich die Technologie der Iraner mitnichten mit derjenigen von westlichen Ländern vergleichen lässt, den Iranern die Kernenergie zubilligen.

Man kann diese Haltung meines Erachtens einerseits nur damit begründen, dass die Linken insgeheim  Rassisten sein müssen und ihnen das Leben von Millionen von Iranerinnen und Iranern und den Bewohnern von allenfalls betroffenen Nachbarländern völlig egal ist, wenn es im Iran zu einer Kernkatastrophe kommen sollte. Die zweite Möglichkeit, die ich für sehr viel wahrscheinlicher halte ist, dass sie in der Nutzung von Kernkraft durch den technologisch rückständigeren Iran trotz des Umstandes, dass es sich um ein Erdbebengebiet handelt, kein ernsthaftes Risiko erkennen.

Angesichts dieser Tatsachen kann ich die Stimmen der Warner aus dem rot-grünen Lager vor der friedlichen Nutzung der Kernenergie überhaupt nicht mehr ernst nehmen. Ganz im Gegenteil offenbart diese Haltung der (ehemaligen?) Kernkraftskeptiker, dass das Risiko vernachlässigbar klein ist und wir weiterhin auf Atomkraft setzen sollten, um von Mullahs, Scheichs und anderen autoritären Herrschern, weitestgehend unabhängig zu sein. Rot-Grüne Politik hat mich damit für einmal überzeugt.

18584240_303

Federica Mogherini ist eine der Hauptverantwortlichen für den Abschluss des Atom Deals aus dem Kreis der europäischen Linken, hier in Wien (2015)

Wie mich Rot-Grün davon überzeugt hat, weiterhin auf Atomkraft zu setzen

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s