Frohe Weihnachten, Frau Annette Widmann-Mauz!

Die deutsche Integrationsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) hat gemäß einer Meldung der Bild-Zeitung wie so viele Menschen in dieser Zeit Weihnachtskarten verschickt. Auf der Karte seien zwar Weihnachtsmannmützen, Baumschmuck und Engel mit Heiligenschein zu sehen; aber das Wort Weihnachten würde fehlen, so die Zeitung heute Morgen.

Auf der Karte, die eben keine Weihnachtskarte sein darf (oder nur ein kleines Bisschen), steht:

„Egal woran Sie glauben … wir wünschen Ihnen eine besinnliche Zeit und einen guten Start ins neue Jahr.“

Vielen dürfte es ähnlich wie dem Bild-Journalisten ergangen sein und sie dürften sich hauptsächlich darüber aufgeregt haben, weil das Wort Weihnachten auf der Karte fehlt. Wenn man sich über diese Bücklingshaltung, mit der die eigene Kultur verleugnet wird, was wir in den letzten Jahren leider immer wieder beobachten konnten, echauffiert, ist dies meines Erachtens durchaus nachvollziehbar. Darauf möchte ich hier allerdings nicht eingehen. Ich persönlich finde in erster Linie die unglaubliche Dummheit, die aus dieser Weihnachtskarte hervorgeht und das Nichtbemerken von eklatanten Widersprüchen, in die sich Widmann-Mauz verstrickt, wesentlich bedenklicher.

Die erste Frage, die sich stellt ist, weshalb man Weihnachtskarten respektive Silvesterkarten überhaupt an Menschen verschickt, die diese Feste dezidiert nicht feiern wollen und man diese Haltung um jeden Preis respektieren will. Wenn jemand Weihnachten und Silvesterfeierlichkeiten aus religiösen Gründen ablehnt, diese Feste nicht feiert, diese Tage so begeht wie jeden anderen Tag, „braucht“ diese Person doch eine solche Karte nicht!

Dann dieses „Egal woran sie glauben!“

Ist das wirklich so egal, woran man glaubt? Und weshalb nimmt Widmann-Mauz an, dass jeder Mensch an irgendeinen „Gott“ glaubt, weil diese Aussage die Atheisten ausschliesst? Item.

Religionen schließen sich ferner oft nicht nur gegenseitig aus. Teilweise besteht ihr Entstehungsgrund überhaupt darin, dass eine andere Gruppe von Menschen Gott auf eine „falsche“ Art und Weise lobpreist und alternative Glaubensbedürfnisse entstehen. Der Islam ist eine solche Religion, weil der Hauptgrund seiner Entstehung darin besteht, dass aus islamischer Sicht bei Christen und Juden eine Falschgläubigkeit und sogar Schriftverfälschung vorlag und Gott korrigierend eingreifen musste. Diese Gedanken sind sogar im islamischen Hauptgebet al-Fatiha (erste Sure des Koran) vorhanden. Gerne verweise ich hinsichtlich dieser Themen auf einen früheren Aufsatz.

Offenbar ist es also überhaupt nicht egal, woran man glaubt! Mindestens für den muslimischen Adressaten scheint diese Frage selbst nach dem Verständnis von Widmann-Mauz überhaupt nicht egal zu sein. Wenn der Glaube wirklich so egal wäre, würde es auch keinen Anlass für die Annahme geben, dass der Adressat dieser Karte aufgrund des Wortes „Weihnachten“ beleidigt sein könnte. Den Respekt, den Widmann-Mauz gegenüber den Scharia-Muslimen entgegenbringt, würden diese übrigens niemals entgegnen und schon gar nicht mit einem „Egal woran du glaubst“, weil es eben nicht egal ist. Das dürfte selbst Widmann-Mauz bemerkt haben, weil sie gerade deswegen bestimmte Begriffe vermeidet.

Dann kommt ein weiterer Widerspruch. Weshalb wünscht sie Scharia-Muslimen eine „besinnliche Zeit“? Weshalb sollte jemand, der Weihnachten überhaupt nicht feiert, dem Silvester aus religiösen Gründen im besten Fall egal ist, sich im schlimmsten Fall über den „heidnischen Brauch“ aufregt, eine „besinnliche Zeit“ haben?

Muss Weihnachten überhaupt immer eine besinnliche Zeit sein? Ich bin Atheist, was die meisten meiner Leser bemerkt haben dürften. Dennoch „feiere“ ich, seit ich in Europa lebe, Weihnachten und dies obwohl ich nicht einmal christliche Wurzeln habe. Auch andere Menschen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis, die sich nicht zur Jungfrauengeburt zu Bethlehem bekennen, feiern Weihnachten, haben einen geschmückten Baum, machen Geschenke, trinken Glühwein an den Weihnachtsmärkten und singen sogar Weihnachtslieder. Für mich persönlich bedeutet Weihnachten beispielsweise, dass ich mir wie jedes Jahr Filme wie It’s a Wonderful Life oder „Meet me in St. Louis“ anschaue, die weihnachtlich geschmückte Stadt bewundere, in der ich wohne und mit Freunden, Familie und Bekannten überdurchschnittlich gut esse und trinke. Ist Weihnachten für mich deshalb aber eine „besinnliche Zeit“? Nein, wirklich nicht. Eine sinnliche Zeit vielleicht, weil die Gerüche und die Bilder, die man vernimmt, durchaus die Sinne anregen. Aber eine besinnliche Einkehr findet bei mir zumindest nicht statt, da ich kein spiritueller Mensch bin.

Mit ihren Neujahrswünschen gegenüber Scharia-Muslimen, die sie nicht beleidigen möchte, macht Widmann-Mauz einen weiteren Denkfehler. Menschen, die sich aus muslimischen Gründen über Weihnachten echauffieren, halten auch nichts von der Tatsache, dass der Jahreswechsel in irgendeiner Form gefeiert wird. Ganz im Gegenteil! Hinzu kommt, dass gemäß islamischer Zeitrechnung gar kein Jahreswechsel stattfindet, den man übrigens so oder so nicht feiern würde. Der Jahreswechsel – sei es im Sinne des christlichen Kalenders, sei es im Sinne des islamischen Kalenders – ist für Scharia-Muslime weder Anlass, besinnlich zu werden noch irgendetwas zu feiern. Daher ergibt auch dieser Wunsch, sofern er gegenüber Scharia-Muslimen geäußert wird, überhaupt keinen Sinn.

Die politische Absicht von Widmann-Mauz mit dieser Karte ist klar: Sie will um jeden Preis die gesellschaftliche Inklusion von Scharia-Muslimen. Diese sollen möglichst umfassend an der Gesellschaft und an staatlichen Leistungen teilnehmen und sollen immer einbezogen werden. Gleichzeitig sollen sie aber auch den Anspruch haben, sich in eine muslimische Parallelgesellschaft zurückzuziehen, wo die Regeln der Scharia gelten und ein gesellschaftlicher Umgang mit anderen Gruppierungen kaum oder überhaupt nicht stattfindet. Und dieser Anspruch, in einer muslimischen Parallelgesellschaft zu leben, soll durch Grundrechte geschützt werden. Und genau darin besteht der Widerspruch: Eine Inklusion von Menschen, die aus ideologischen Gründen die Inklusion, gleichberechtigte Koexistenz und ein freiheitliches Staats- und Gesellschaftsverständnis ablehnen und mit dem von der europäischen Aufklärung geprägten Toleranzgedanken nichts anfangen können, kann nur misslingen.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten, Frau Widmann-Mauz!

Mit ihrer Karte, welche die vollständige Inklusion beabsichtigt, konnten Sie niemanden inkludieren! Weder die Scharia-Muslime, die Sie nicht beleidigen wollten, weil diesen solche Karten ohnehin egal sind, noch diejenigen, an die Sie ohnehin nicht gedacht haben, weil sie damit beschäftigt waren, um einen möglichst politisch-korrekten Auftritt vor den Scharia-Muslimen zu haben.

Noel

Frohe Weihnachten, Frau Annette Widmann-Mauz!

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