Claudia Roth und ihr Einsatz für die nicht vorhandenen Grundrechte Erdogans

In der Bundesrepublik gilt in den drei Monaten vor den Wahlen in der jeweiligen Heimat ein Auftritts- und Wahlkampfverbot ausländischer Politiker. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth von den Grün*innen kritisiert dies. Diese Regel sei “kein Ausdruck starker Demokratie”. Sie hätte “darauf verzichtet.” Deutschland halte auch Auftritte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus, sagte sie den “Funke-Zeitungen“. Solange die Sicherheit gewährleistet sei, sollten Versammlungs- und Meinungsfreiheit “auch für Erdogan gelten”.

Claudia Roth irrt sich im Zusammenhang mit diesen Grundrechten, die angeblich Erdogan zustehen sollen und ihr Irrtum ist in Anbetracht ihrer Stellung als Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestages besonders peinlich.

Das internationale Recht erlaubt nämlich die Beschränkung der politischen Tätigkeit von Vertretern fremder Staaten. So hat das BVerfG in seinem Beschluss vom 8. März 2017 die Rahmenbedingungen präzisiert: „Staatsoberhäupter und Mitglieder ausländischer Regierungen haben weder von Verfassungs wegen noch nach einer allgemeinen Regel des Völkerrechts im Sinne von Art. 25 GG einen Anspruch auf Einreise in das Bundesgebiet und die Ausübung amtlicher Funktionen in Deutschland. Hierzu bedarf es der – ausdrücklichen oder konkludenten – Zustimmung der Bundesregierung, in deren Zuständigkeit für auswärtige Angelegenheiten eine solche Entscheidung gemäß Art. 32 Abs. 1 GG fällt.

Soweit ausländische Staatsoberhäupter oder Mitglieder ausländischer Regierungen in amtlicher Eigenschaft und unter Inanspruchnahme ihrer Amtsautorität in Deutschland auftreten, können sie sich nicht auf Grundrechte berufen. Denn bei einer Versagung der Zustimmung würde es sich nicht um eine Entscheidung eines deutschen Hoheitsträgers gegenüber einem ausländischen Bürger handeln, sondern um eine Entscheidung im Bereich der Außenpolitik, bei der sich die deutsche und die türkische Regierung auf der Grundlage des Prinzips der souveränen Gleichheit der Staaten (Art. 2 Nr. 1 der Charta der Vereinten Nationen) begegnen.

Mit anderen Worten beruft sich Claudia Roth zu Unrecht auf die nicht vorhandenen Grundrechte Erdogans. Erdogan ist – entgegen der unqualifizierten Auffassung Claudia Roths – kein Grundrechtsträger der von ihr angerufenen Freiheitsrechte und kann sich nicht auf die Grundrechte der freien Kommunikation berufen, wenn er in Deutschland auftreten will.

Eigentlich hatten die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages diese Erkenntnisse publiziert. Offensichtlich hat Claudia Roth die Publikation nicht gelesen oder nicht verstanden.

Spitzenpolitiker-der-Gruenen-in-Ankara

Claudia Roth & Erdogan

Claudia Roth und ihr Einsatz für die nicht vorhandenen Grundrechte Erdogans

Der historische Jesus und die Entstehung der Scharia

Gemäß vorherrschender Ansicht der historisch-kritischen Forschung (dazu nur ein Werk von vielen) kam der historische Jesus ca. im Jahre 4. v. Chr. wahrscheinlich in Nazareth auf die Welt. Seine Eltern, die möglicherweise durchaus Maria und Joseph hießen, hatten ihn auf die natürliche Art und Weise gezeugt, genauso wie die übrigen Kinder, die sie hatten. Über die Kindheit und Jugend Jesu ist nichts bekannt. In seinen späten Zwanzigern dürfte er sich den Jüngern des Johannes des Täufers angeschlossen haben, den er aber kurze Zeit später wieder verließ und sich „selbständig“ machte und Jünger um sich scharte.

Jesus dürfte mit Gleichnissen gepredigt haben und einige Gleichnisse im Neuen Testament könnten durchaus auf ihn zurückgehen. Zu seinen Haupttätigkeiten gehörten aber wohl auch Exorzismen und Handauflegungen. Zentral war aber seine Botschaft über die Ankunft der Gottesherrschaft nach einer Apokalypse, die nach seiner Ansicht unmittelbar bevorstand, womit er sich – wie wir alle wissen – ganz offensichtlich irrte. Er war aber dennoch fest davon überzeugt und sein Ziel war es, so viele Juden wie möglich zu retten. Ja, Juden, denn Jesus richtete seine Botschaft über die bevorstehende Gottesherrschaft ausschließlich an seine Glaubensgenossen und nicht an die gesamte Menschheit. Er forderte seine Jünger sogar explizit auf, Nichtjuden nicht aufzusuchen. Dabei war es für den historischen Jesus wohl auch wichtig, dass vor allem die Außenseiter und die Ausgestoßenen der Rettung bedurften, weshalb auch Frauen bei seiner Anhängerschaft eine erhebliche Rolle spielten.

Aber nochmals: Auch so war die Botschaft Jesu (aus seiner Sicht mindestens) nicht für alle Zeiten gedacht. Die Welt stand ja nach seiner Ansicht unmittelbar vor ihrem Untergang. Ohne diesen Kontext ist es unmöglich, den historischen Jesus auch nur ansatzweise zu verstehen.

Um das Jahr 30 n. Chr. dürfte der historische Jesus die Tempelaristokratie in Jerusalem herausgefordert haben. Daraufhin wurde Jesus ziemlich sicher von Pontius Pilatus verurteilt, der ihn kreuzigen ließ (die Taufe und die Kreuzigung sind die sichersten Lebensstationen von Jesus). Dabei dürfte der Prozess nicht allzu lange gedauert haben, schon gar nicht bei einem Pontius Pilatus, dessen besondere Grausamkeit aus anderen Quellen belegt ist. Sehr unwahrscheinlich ist es, dass der Jesus in einem Felsengrab bestattet wurde. Viel wahrscheinlicher ist, dass er nicht einmal verscharrt wurde, wie dies bei Gekreuzigten ansonsten der Fall war.

Kurze Zeit nach dem Kreuzestod Jesu entstand bei seinen Anhängern, deren Zahl sich zusehends vermehrte, der Glaube daran, dass er auferstanden sei. Dieser Auferstehungsglaube verdrängte immer mehr die tatsächliche Person aus dem Blickfeld. Selbst der früheste Autor des Neuen Testaments Paulus interessierte sich fast überhaupt nicht für den irdischen Jesus sondern vielmehr für den auferstandenen. In den später geschriebenen kanonischen vier Evangelien stand ebenfalls eine idealisierte Person im Vordergrund, die die Passion erdulden musste, der Kreuzesstod und die Auferstehung. Bemerkenswert dabei ist etwa, dass im früheren Markusevangelium Jesus durchaus noch ein Mensch ist, wogegen wir es beim späteren Johannesevangelium mit einem Gott zu tun haben.

Damit war das Christentum geboren. Es handelte sich dabei nicht etwa um die Religion von Jesus, der während seines ganzen Lebens Jude geblieben war. Auch war es nicht die von ihm gestiftete Religion. Vielmehr war es eine Religion über Jesus.

Nachdem die Teile des Neuen Testaments in unterschiedlichsten Regionen des Römischen Reiches mit unterschiedlichen Jesusvorstellungen verfasst worden waren, ging es mit einer Fragestellung weiter, die die christliche Welt für einige hundert Jahre beschäftigen sollte. Dabei sollten sich die klügsten Köpfe der damaligen Zeit mit der Frage beschäftigen, welche Natur Jesus hatte. War er Mensch? War er Gott? War er womöglich beides? Jedenfalls war die Frage nach der Natur Jesu während hunderten von Jahren die zentrale Frage im christlichen Glauben. Zwar wurde 325 n. Chr. das Konzil von Nicäa abgehalten, bei dem diese Frage autoritativ zugunsten der Trinitätslehre entschieden wurde. Doch war die Diskussion damit noch lange nicht abgeschlossen.

Diese aus heutuger Perspektive eigenartige Diskussion über die Natur Jesu, die weder etwas mit der historischen Figur etwas zu tun hatte noch sonst irgendwelche weltbewegende Erkenntnisse hervorbrachte, war sicherlich auch einer der wesentlichen Gründe für den geistigen Stillstand der christlichen Welt, der noch Jahrhunderte andauern sollte.

* * *

In diesem historischen Kontext entstanden der Koran und die koranische Bewegung ca. im 6. Jahrhundert. Wichtig dabei ist, dass dies nicht mit dem Islam gleichzusetzen ist.

Eine Gruppe von Menschen, die durchaus einem urbanem Umfeld entstammte – womit der Entstehungsort des Koran keineswegs das heutige Saudi Arabien war sondern wohl eher das Zweistromland – war dabei entschieden gegen die Gleichsetzung Gottes mit Jesus, respektive gegen die Vorstellung über dessen angebliche Gottessohneigenschaft. Damit wehrten sich diese Menschen mit aller Vehemenz gegen die theologischen Fragestellungen und Vorstellungen der damaligen christlichen Welt über Jesus.

Sie verehrten zwar Jesus, sie glaubten daran, dass er Messias (Mesih) sei und sie sahen in ihm einen Propheten in der Tradition Abrahams. Den Glauben aber, wonach er Sohn Gottes sei, nach einem Kreuzestod (den sie ablehnten) auferstanden sei (was sie ebenfalls ablehnten), war für sie sogar eine Gotteslästerung. Diejenigen, die an so etwas glaubten, namentlich die Christen, nannten sie, „diejenigen, die irregehen“. So steht es in der allerersten Sure des Koran.

Der große Abwesende in der bisherigen Darstellung ist Mohammed. Der Grund dafür ist, weil es ihn zunächst als eigenständige Persönlichkeit noch gar nicht gab. Auch im Koran kommt der “Name” lediglich dreimal vor, wobei anzumerken ist, dass mohamad auch ein Gerundiv ist und so viel bedeutet wie „der zu preisende“. So übersetzt der Linguist Christoph Luxenberg das Wort mohamad. Es handelt sich dabei also nicht um einen Eigennamen sondern um einen religiösen Titel.

Gemäss glaubhafter Darstellung der neueren Islamforschung, die nicht der Darstellung der islamischen Tradition folgt, handelt es sich bei dieser zu preisenden Person ursprünglich um Jesus. Dies mag auf den ersten Blick erstaunen. Doch sprechen nebst Münzen und anderen Inschriften auf festem Grund sehr viele Gründe dafür. Für den Anfänger kann ich dazu das Buch Good Bye Mohammed von Norbert G. Pressburg empfehlen. Für Fortgeschrittene eignen sich die Bücher der Inarah Gruppe, insbesondere auch der Meilenstein in der neueren Islamforschung schlechthin: „Die syro-aramäische Lesart des Koran“ von Christoph Luxenberg.

Tatsache ist jedenfalls, dass im Koran fast nichts über das Leben und Wirken des arabischen Propheten Mohammed zu finden ist. Seine Lebensgeschichte ist vielmehr in der so genannten Sira zum ersten Mal zu finden. Bei der Sira handelt es sich um eine theologisch motivierte Prophetenbiographie. Die Tradition spricht dabei von Ibn Ishaqs Sira, die 150 Jahre nach Mohammeds Tod geschrieben worden sei. Die Existenz dieses Buches ist damit unbewiesen. Die beiden anderen Autoren, die von diesem Buch angeblich Teile übernommen hätten, Ibn Hisham und at-Tabari, lebten mehr als 200 Jahre nach dem angeblichen Tod des Propheten.

Nach Ansicht von Ignaz Goldziher, des Vaters der modernen Islamwissenschaften, handelt es sich bei der Sira um nichts anderes als um aneinandergereihtes Hadith-Material. Die so genannten Hadithe sind kleine Erzählungen, die eine Situation aus dem Leben des Propheten wiedergeben, in der er – vereinfacht ausgedrückt – etwas gesagt, etwas nicht gesagt, etwas getan oder etwas nicht getan hat. Die Hadithe selbst wurden ebenfalls rund zweihundert Jahre nach dem angeblichen Tod des Propheten niedergeschrieben und sind nach Goldzihers Meinung (und nach Ansicht der ernstzunehmenden Islamforscher) keine verlässlichen historischen Quellen und sind in ihrer Gesamtheit unglaubwürdig.

Das Spezielle nun ist, dass – wenn man der islamischen Überlieferung folgt – während zweihundert Jahren nach dem angeblichen Tod des Propheten niemand auf den Gedanken kam, die Hadithe niederzuschreiben. Dann waren sie plötzlich da, überliefert durch sichere Gewährsleute. Die Überlieferungskette mit diesen Gewährsleuten (Isnad) bildet dabei das „Echtheitszertifikat“. Wenn die Personen, die in der Überlieferungskette genannt werden, vertrauenswürdig sind, ist auch die Erzählung vertrauenswürdig. Dies zur Logik eines Hadith. Selbstverständlich können solche Darstellungen als historische Quelle über das angebliche Leben von Mohammed nicht ernst genommen werden, wenn man nach einem historischen Mohammed sucht, den es mindestens in der Form, wie sich ihn die Tradition vorstellt, wohl nie gegeben hat.

Damit ist die Person Mohammed in erster Linie das Produkt der Hadith-Literatur des 9. und 10. Jahrhunderts. Das bedeutet zugleich, dass damit die Glaubens- und Gesellschaftsvorstellungen jener Kultur in der damaligen Zeit wiedergegeben werden. Sowohl der örtliche als auch der zeitliche Kontext ist dabei wichtig. Es entstanden zehntausende von Hadithen, in denen von Lebenssituationen Mohammeds die Rede war. Einige davon wurden kanonisch, andere nicht. Damit entstand der Personenkult um Mohammed.

Seit der Verbreitung und Geltung dieses Personenkults an jenen Orten, wo einst die koranische Bewegung zuhause war, haben wir es mit dem Islam zu tun und zwar in dem Sinne, was auch heute unter dem Begriff Islam zu verstehen ist. Es ist die Geburtsstunde der Scharia und des damit verbundenen geistigen Stillstands der islamischen Welt.

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(Eröffnungs-Sure, d.h. die erste Sure des Koran, die sog. al-Fatiha; Aziz Efendi (d. 16 August 1934) – Muhittin Serin: Hattat Aziz Efendi; Quelle: Wikipedia)

Der historische Jesus und die Entstehung der Scharia

Über das Heiratsalter der Prophetengattin Ayesha – Ein islamkritischer Diskussionsbeitrag

Bevor ich mich dem Heiratsalter der Prophetengattin Ayesha, der Lieblingsfrau von Mohammed, zuwende, möchte ich vorausschicken, dass ich den Wahrheitsgehalt der entsprechenden Schilderungen in der islamischen Literatur anzweifle. Nach meinem Studium der wissenschaftlichen Publikationen der Inarah-Gruppe und Christoph Luxenbergs „Die syro-aramäische Lesart des Koran“ denke ich, dass Mohammed eine nachkoranische Schöpfung ist, den es mindestens in der detaillierten Beschreibung, wie die islamische Tradition und die ihr sklavisch folgenden „Islamwissenschaftler“ und weismachen wollen, nie gegeben hat. Man muss aber nicht bloss die in der Islamforschung als Minderheit zu betrachtende Inarah-Gruppe zurückgreifen, um die Historizität der Hadithe und der Sira anzuzweifeln, wo diese Geschichten über Mohammed, seine Taten, seine Sprüche und seine Unterlassungen zu finden sind, damit auch die Geschichten über Ayesha. Bereits der grosse Doyen der Islamwissenschaften, Ignaz Goldziher, hielt die Hadithe allesamt für nachkoranische Erfindungen.

Selbst wenn die Forscher der Inarah-Gruppe der Wahrheit näher sein dürften als die islamische Tradition, sind die entsprechenden Forschungsergebnisse in erster Linie von akademischem Interesse. Im praktizierten Islam spielen diese so gut wie überhaupt keine Rolle. Ich würde schätzen, dass nicht einmal 1% aller Muslime jemals von diesen Arbeiten etwas gehört hat. Selbst die an den westlichen Universitäten gelehrte traditionelle Islamwissenschaft geht überwiegend von der Authentizität der Hadith-Quellen aus. Jedenfalls entspricht es einer ausgesprochener Minderheitsmeinung, dass die Existenz von Mohammed und Ayesha – und damit eine Heirat zwischen ihnen – bestritten wird, so wie ich es tue. Da nahezu alle Menschen, die sich zum Islam bekennen, von der Authentizität dieser Personen ausgehen und in ihrer überwiegenden Mehrheit auch die Geschichten um sie als wahr einstufen, lohnt es sich, diese Sache aus der Nähe zu betrachten.

Als allererstes möchte ich darauf hinweisen, dass die Geschichten um Mohammed und Ayesha nicht aus dem Koran stammen. Der Koran ist aus islamischer Sicht das unmittelbar vom Gott ausgesprochene Wort und ist daher in direkter Rede verfasst. Was die Welt von Mohammed und Ayesha und ihrer Geschichte zu wissen glaubt, stammt aus den Hadithen und der Sira (kanonische Prophetenbiographie; Teil der Scharia), die rund zweihundert Jahre nach der Niederschrift des Koran verfasst wurden, wobei die islamische Tradition von einer mündlichen Überlieferung bis zum Zeitpunkt der Niederschrift ausgeht, was von moderneren Islamforschern bestritten wird (unter Anderem von solchen aus der Inarah-Gruppe).

Im Zusammenhang mit dem Heiratsalter von Ayesha möchte ich zunächst die im sunnitischen Islam wohl heiligste Hadith-Quelle Sahih Bukhari zitieren. Sahih ist im Übrigen die höchste Vertrauenswürdigkeitsstufe eines Hadith, womit ich die Bedeutung dieser Quelle unterstreichen möchte. Besonders hervorheben möchte ich, dass es sich bei dieser Quelle um Mainstream-Islam handelt und nicht etwa um „Extremismus“ oder etwas Marginales.

Narrated Aisha (diese Links verweisen direkt auf islamische Online-Quellen mit den entsprechenden Fundstellen und beinhalten auch Vorgaben für die Scharia-Praxis):

The Prophet engaged me when I was a girl of six (years). We went to Medina and stayed at the home of Bani-al-Harith bin Khazraj. Then I got ill and my hair fell down. Later on my hair grew (again) and my mother, Um Ruman, came to me while I was playing in a swing with some of my girl friends. She called me, and I went to her, not knowing what she wanted to do to me. She caught me by the hand and made me stand at the door of the house. I was breathless then, and when my breathing became Allright, she took some water and rubbed my face and head with it. Then she took me into the house. There in the house I saw some Ansari women who said, “Best wishes and Allah’s Blessing and a good luck.” Then she entrusted me to them and they prepared me (for the marriage). Unexpectedly Allah’s Apostle came to me in the forenoon and my mother handed me over to him, and at that time I was a girl of nine years of age.

Narrated `Aisha:

that the Prophet married her when she was six years old and he consummated his marriage when she was nine years old, and then she remained with him for nine years (i.e., till his death).

Narrated Hisham’s father:

Khadija died three years before the Prophet departed to Medina. He stayed there for two years or so and then he married `Aisha when she was a girl of six years of age, and he consumed that marriage when she was nine years old.

Hier eine weitere Quelle (Abu Dawud), die sahih ist.

Narrated ‘Aishah:

The Messenger of Allah married me when I was seven years old. The narrator Sulaiman said: or Six years. He had intercourse with me when I was nine years old.

Hier eine Stelle aus Sahih Muslim, der wohl wichtigsten Hadith-Sammlung, die im sunnitischen Islam an Heiligkeit nur von Sahih Bukhari übertroffen wird, dies aber nur ganz knapp.

‘A’isha (Allah be pleased with her) reported:

Allah’s Messenger married me when I was six years old, and I was admitted to his house at the age of nine. She further said: We went to Medina and I had an attack of fever for a month, and my hair had come down to the earlobes. Umm Ruman (my mother) came to me and I was at that time on a swing along with my playmates. She called me loudly and I went to her and I did not know what she had wanted of me. She took hold of my hand and took me to the door, and I was saying: Ha, ha (as if I was gasping), until the agitation of my heart was over. She took me to a house, where had gathered the women of the Ansar. They all blessed me and wished me good luck and said: May you have share in good. She (my mother) entrusted me to them. They washed my head and embellished me and nothing frightened me. Allah’s Messenger (, may peace be upon him) came there in the morning, and I was entrusted to him.

Es gibt noch viele weitere Hadith-Stellen, die diese Geschichte beschreiben, aus wichtigen und aus weniger wichtigen Hadith-Sammlungen. Im Ergebnis sagen sie in ihrer überwiegenden Mehrheit alle das Gleiche aus. Massgeblich ist allerdings in erster Linie nicht diese Mehrheit sondern die Autorität, die den jeweiligen Schriften zukommt. Ich habe oben nur aus denjenigen Sammlungen zitiert, denen die höchste Autorität zukommt. Übrigens haben die Schiiten teilweise andere Hadith-Quellen. Auch in diesen anderen Quellen dürfte Ayesha vorkommen. Obwohl ich den schiitischen Islam zu wenig gut kenne, kann ich aufgrund Medienberichten über den Iran ausschliessen, dass Ayesha in den entsprechenden Quellen älter ist.

Wenn man diesen Quellen folgt, die wie eingangs erwähnt keinen Anspruch auf Historizität erheben können, bedeutet dies, dass diese Ehe ungefähr im Jahr 620 n. Chr. geschlossen wurde, als Mohammed 50 und Ayesha 6 Jahre alt waren. Zu diesem Zeitpunkt hat sich Ayesha noch nicht in die Obhut von Mohammed begeben. Zuvor hatte sie auch noch mit ihren Freundinnen gespielt. 3 Jahre später, ca. im Jahr 623 n. Chr. hat Mohammed (53) mit Ayesha (9) die Ehe vollzogen, d.h. zum ersten Mal mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt. Ayesha blieb danach 9 Jahre mit Mohammed, bis dieser verstarb.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass einer westlich zivilisierten Leserin und einem westlich zivilisierten Leser des 21. Jahrhunderts die Haare zu Berge stehen, wenn sie oder er von sexuellen Handlungen eines Ü50ers mit einem Mädchen erfährt, das sich altersgemäss noch nicht einmal in der Pubertät befindet. Da der Schutz von Kindern – insbesondere auch der Schutz ihrer physischen, psychischen und sexuellen Integrität – höchste gesellschaftliche und rechtliche Priorität geniesst, kann ich niemandem verübeln, wenn er bei Einschätzung und Wertung dieser Geschichte den Begriff „Pädophilie“ verwendet.

Ich würde meine Leser hier aber gerne besänftigen, insbesondere auch solche, die beim Lesen dieser Zeilen als erstes an Pädophilie gedacht haben. Da davon auszugehen ist, dass sich diese Geschichten nie ereignet haben, gibt es auch keine real existierende Person, der man derartige Untaten zurechnen kann. Darüber hinaus hätten sich diese Dinge – wenn überhaupt – vor über 1000 Jahren ereignet. Seither wurden millionenfach real existierende Mädchen auf der Grundlage dieser Geschichte sexuell missbraucht. Diese namenlosen Opfer sollten uns meines Erachtens mehr bekümmern als Ayesha, deren Existenz nicht gesichert ist. Es geht mir in diesem Blog-Artikel ohnehin nicht darum, die Phantasiefigur Mohammed als alten Pädophilen zu entlarven und ihn mit Schimpf und Schande zu überziehen, wie es viele andere Autoren tun, die sich als Islamkritiker bezeichnen. Vielmehr möchte ich dem Leser zeigen, nachdem ich die Grundlagen dieser Geschichte geliefert habe, wie Muslime mit dieser Story umgehen, insbesondere die heutigen Muslime. Das ist meines Erachtens wesentlich spannender und vor allem gesellschaftlich relevant.

Zunächst gibt es eine sehr erhebliche Zahl von Muslimen weltweit, die dieses Verhalten ihres Propheten mehr oder weniger eins zu eins kopieren (so wie es der Koran in Sure 33:21 vorschreibt) und kleine Mädchen heiraten, die sich teilweise nicht einmal in der Pubertät befinden und mit ihnen den Geschlechtsverkehr vollziehen. Aus dem Sahih Muslim Hadith, den ich oben zitiert habe, leiten Scharia-Muslime etwa die Befugnis des Vaters ab, für seine minderjährige Tochter eine Ehe zu arrangieren. Diese Leute haben überhaupt keine Probleme oder Skrupel, wenn sie diese Geschichte vernehmen. Für sie ist hier alles im grünen Bereich.

Dann gibt es ebenfalls eine sehr grosse Zahl von Muslimen, die diese Geschichte nicht wirklich kennt. Ich kann dem Leser versichern, dass es Millionen solcher Muslime gibt. Dabei handelt es sich vor allem um Muslime, die kein Arabisch sprechen. Diese kennen weder den Koran noch die Hadithe wirklich gut und kennen den Islam in erster Linie aus den Schilderungen des Imams. Wenn dieser solche Inhalte in seine Predigt nie einschliesst und nie darüber spricht, können diese gläubigen Muslime die entsprechenden Geschichten auch nicht kennen. Viele Muslime aus dieser Gruppe würden die Angaben in den Hadithen umgehend bestreiten, sofern sie von einem Nichtmuslim darauf angesprochen würden. Die klassische Antworten dürften dem Leser bekannt vorkommen: „Das ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Du hast etwas missverstanden. Der Prophet war die Güte in Person und hätte so etwas nie gemacht. Das kann nicht sein!“ Es gibt auch liberale (aber gläubige) Theologen, die diese Inhalte bestreiten würden. Vor Jahren habe ich auf YouTube mehrere Aussagen solcher (türkischer) Theologen gehört, die ich heute leider nicht mehr finden konnte und daher keine Quellen anbieten kann. Ich kann mich aber sehr gut an die Argumentationen erinnern. Zum einen wurden dabei gewisse Hadithe als Fälschungen identifiziert, insbesondere solche, die nahelegen, dass Ayesha bei ihrer Verheiratung 6 und bei ihrer Entjungferung 9 gewesen sei. Das könne nicht sein, weil ein Kind in diesem Alter sterben oder sich zumindest schwer verletzen würde, wenn man mit ihm Geschlechtsverkehr haben würde. So etwas würde man Mohammed, der die Güte in Person gewesen sei, niemals zutrauen. Ayesha muss deshalb 18 gewesen sein, als Mohammed mit ihr geschlafen habe. Ich habe auch schon einen Theologen gehört, der auf der Grundlage der Hadithe versucht hat zu beweisen, dass Ayesha 18 gewesen sein muss, als Mohammed mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt habe. So etwas gibt es, respektive gab es. Neuere Videos in türkischer Sprache, die ich gesehen habe, sind unmissverständlich auf der Linie der Hadithe. Selbstverständlich kann man den liberalen Theologen  hoch anrechnen, dass sie versuchen, den Islam in die zivilisierte Welt des 21. Jahrhunderts zu holen. Das Problem bei dieser apologetischen Haltung ist jedoch, dass sie theologisch auf höchst wackligen Füssen steht. Die Autorität der Hadithe, die oben zitiert wurden, ist erdrückend. Eine theologische Gegenposition ist kaum haltbar, sofern man die Autorität dieser Hadithe anerkennt.

Damit komme ich zu einer dritten kleineren Gruppe von Muslimen. Diese lehnen die Hadithe und ihre Autorität vollumfänglich ab. Eine Untergruppe dieser Gruppe sind solche Muslime, die nebst den Hadithen auch die medinischen Suren des Koran ablehnen. Für diese sind nur die früheren mekkanischen Suren massgeblich, die sich mehr auf Glaubensinhalte konzentriert als die medinischen, die politischer sind. Diese Haltung ist überaus spannend. Das Problem dabei ist, dass viele Suren des Koran, insbesondere auch viele mekkanische, erst durch die Hadithe verständlich werden, die den Zusammenhang der Offenbarung wiedergeben. Ohne Hadithe ist die Interpretation eines erheblichen Teils des Korans nahezu unmöglich. Die Alternative, die diesen Leuten verbleibt, ist aus meiner Sicht die Übersetzungsergebnisse von Christoph Luxenberg, der auch dunkle Suren des Korans übersetzen konnte.

Dann gibt es eine kleine Gruppe von Muslimen, wie beispielsweise die Aleviten, die nicht nach der Scharia leben und bei denen Mann und Frau gleichberechtigt sind. Das Heiratsalter Ayeshas gehört nicht in ihr spirituelles Weltbild.

Und als letztes gibt es eine sehr grosse Gruppe von Muslimen, die diese Eigenschaft nur deshalb haben, weil ihre Eltern und ihre Grosseltern als Muslime geboren wurden. Sie lehnen ganz bewusst die Scharia ab und damit auch deren Regeln über das Verheiraten junger Mädchen. Diese Muslime unterscheiden sich überhaupt nicht von Westeuropäern hinsichtlich ihrer Werte, insbesondere wenn es um Kindsmissbrauch geht. Wenn überhaupt erleben solche Muslime den Islam in einem höchstprivaten Bereich oder im Rahmen von hohen Feiertagen, bei denen sie die obligaten Verwandtenbesuche unternehmen und aus Respekt die Alten begrüssen, die religiöser sind. Die Rede ist von säkularen Muslimen, die völlig unauffällig und bestens integriert in westlichen Gesellschaften leben.

Es stellt sich nun die Frage, wie wir mit Muslimen, die in Europa leben und dieser Geschichte über einen wohl nie stattgefundenen Kindsmissbrauch eine positive oder rechtfertigende Haltung entgegenbringen, umgehen sollten.

Meine Ansichten darüber sind recht strikt und auch apodiktisch. Diese Leute haben keinen Platz in Europa. Kindsmissbrauch lässt sich niemals rechtfertigen oder entschuldigen und kann auch aus der Position der Religionsfreiheit heraus nicht entschuldigt werden. Der Schutz von Kindern und ihre sexuelle Unversehrtheit gehen solchen archaischen Traditionen in jeder Hinsicht vor. Alles andere würde einen Zivilisationsbruch bedeuten. Wir Europäer dürfen rechtfertigenden Positionen unter keinen Umständen Toleranz entgegenbringen, insbesondere auch keine Ehen anerkennen, die unter Missachtung der Partnerwahlfreiheit mit Minderjährigen geschlossen wurden. Jemand, der Kindsmissbrauch mit der Religion rechtfertigt, kann sich niemals in unsere westliche Gesellschaft integrieren.

Mohammed_and_his_wife_Aisha_freeing_the_daughter_of_a_tribal_chief._From_the_Siyer-i_Nebi

(Mohammed und Aischa. Miniatur aus dem Siyer-i Nebi, 1388; Quelle: wikipedia)

Über das Heiratsalter der Prophetengattin Ayesha – Ein islamkritischer Diskussionsbeitrag

Das islamische Kopftuch – Ein religiöses Symbol?

Anfangs April erwog die nordrhein-westfälische Regierung – sicherlich auch inspiriert durch die jüngsten Entwicklungen in Österreich – ein Kopftuchverbot für junge Mädchen unter 14 Jahren. Der Integrationsminister des Bundeslandes, Joachim Stamp von der FDP, äußerte sich gegenüber den Medien, dass religionsunmündige Kinder nicht dazu gedrängt werden dürfen, ein Kopftuch zu tragen. Daher soll ein Verbot geprüft werden. Einige Tage später meldete sich unter vielen auch die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, zu Wort und warnte in ihrer Erklärung insbesondere vor „Verboten einzelner religiöser Symbole“. Wer das muslimische Kopftuch an Schulen verbieten wolle, löse damit keine Integrationsprobleme, sondern trage vielmehr dazu bei, dass sich Schülerinnen ausgegrenzt fühlen würden, meinte sie zum Vorhaben. Darüber hinaus sei eine solche „Spezialgesetzgebung“ auch verfassungsrechtlich problematisch, da Religionen somit ungleich behandelt würden.

Das islamische Kopftuch stellt entgegen der Ansicht von Christine Lüders kein religiöses Symbol dar, was natürlich auch für alle anderen islamischen Verschleierungsarten zutrifft. Lüders ist natürlich nicht allein mit ihrer falschen und völlig unqualifizierten Auffassung, was allerdings in Anbetracht ihrer Funktion in ihrem besonderen Fall doch etwas bedenklich ist. Jemand, der sich mit Diskriminierungsfragen auseinandersetzt, sollte sich jedoch etwas besser mit dem Islam auskennen und nicht Dinge behaupten, die nicht stimmen. Die Frage, die ich damit als erstes beantworten möchte ist, was unter einem Symbol und einem religiösen Symbol zu verstehen ist.

Ein Symbol ist – wenn man sich an eine möglichst genaue Definition heranwagt – ein Zeichen, das einen tieferen Sinn vermittelt; ein anderer Ausdruck dafür ist Sinnbild. Mit einem religiösen Symbol werden Kerngedanken von Religionen bildlich ausgedrückt, die regelmäßig einen tieferen Sinn haben, der in einer Religion enthalten ist. Auch Zahlen können Symbolcharakter haben, natürlich auch in einer Religion wie die Zahl 3 im Christentum. Christliche Symbole im engeren Sinne sind etwa das Kreuz, welches die Christen an die Passion Jesu erinnert oder die eucharistischen Fische. Die meisten Leser kennen sicherlich auch den Davidstern der Juden, der die Beziehung zwischen Menschen und Gott symbolisiert oder die Menora. Bekannt ist sicherlich auch das achtspeichige Rad des Dharma im Buddhismus und Hinduismus, was wir von der Nationalflagge von Indien kennen sollten. Weniger bekannt sind das achtzackige Stern der Bahai oder das Khanda-Emblem der Sikhs, die ebenfalls religiöse Symbole darstellen.

Der Islam hingegen kennt keine eigentlichen religiösen Symbole, die zumindest mit den vorgenannten religiösen Symbolen vergleichbar wären. Entgegen weitverbreiteter Ansicht ist selbst der Hilal, der muslimische Sichelmond, den wir von zahlreichen Flaggen muslimisch geprägter Länder kennen, kein religiöses Symbol. Dieser Sichelmond wird bekanntlich oft begleitet von einem fünfzackigen Stern. Gemäß Überlieferung gehen beide Symbole auf die vorislamische Zeit zurück. Eine islamische Bedeutung haben sie damit schon deshalb nicht und vor allem haben sie auch keine Grundlage in der Scharia. Das Fehlen eines eigentlichen religiösen Symbols im Islam hat vor allem damit zu tun, dass im Islam nicht Symbole sondern vor allem das von Gott unmittelbar ausgesprochene Wort als heilig gilt und das ist in erster Linie die Schrift, namentlich der Koran. Was damit in die Nähe eines religiösen Symbols kommen könnte, sind islamische Kalligraphien, die einzelne religiöse Ausdrücke oder Kernaussagen beinhalten wie beispielsweise das Maschallah oder das Basmala. Wenn man so will, sind kunstvolle Kalligraphien von solchen Sprüchen mindestens etwas Ähnliches wie religiöse Symbole. Die Verschleierungsformen des Islam hingegen kommen nicht einmal in die Nähe eines religiösen Symbols. Ich möchte dafür gleich den „Beweis“ liefern. Wer danach immer noch behauptet, dass die Verschleierungsformen des Islam religiöse Symbole darstellen, dem kann ich auch nicht weiterhelfen.

Sicherlich haben die Leserinnen und die Leser meines Blogs auch schon Touristinnen aus der Golfregion oder Saudi Arabien beobachtet, wie sie in europäischen Städten Shopping im grossen Stil betrieben. Gewiss haben sich auch einige gefragt, was diese Frauen, die auch in Europa den Nikab oder teilweise sogar die Burka tragen, mit so vielen Kleidern machen, die sie hier einkaufen, die ganz offensichtlich nicht schariakonform sind. Die Antwort sollte nur teilweise erstaunen. Entweder tragen sie diese Kleidung im privaten Rahmen in der Familie, in erster Linie vorbestimmt für die Augen des Ehemannes; oder sie organisieren unter Freundinnen Modeschauen, wie dies neulich in einer Dokumentation des Schweizer Fernsehens erwähnt wurde. Mit anderen Worten tragen diese Frauen sowohl in Europa als auch in ihren Heimatländern in der Öffentlichkeit den Nikab oder sogar die Burka. In der Familie oder unter Freundinnen tragen sie jedoch Design-Kleidung ohne jeden islamischen Bezug und vor allem sogar ohne Kopftuch.

Die Fragen, die man sich nun stellen sollte sind, weshalb sich Scharia-Musliminnen nur gegenüber einer Gesellschaft verschleiern, in der sich Männer befinden, die mit ihnen nicht in einem näheren Verwandtschaftsverhältnis stehen, gegenüber einer rein weiblichen Gesellschaft hingegen nicht, wenn das islamische Kopftuch tatsächlich ein religiöses Symbol darstellen sollte. Weshalb soll die Angehörige einer Religion ihre religiöse Identität, die sie mit dem angeblichen religiösen Symbol „islamisches Kopftuch“ ausdrücken will, nur gegenüber dem Angehörigen eines Geschlechts offenbaren wollen aber nicht auch gegenüber dem anderen? Oder anders ausgedrückt: Weshalb soll nur ich als Mann mit einem angeblichen religiösen Symbol einer Religion konfrontiert werden aber nicht eine Gruppe von Frauen? Weshalb hat eine verschleierte Scharia-Muslimin kein Bedürfnis, ihre muslimische Religion mittels Kopftuch oder Nikab auch in einer reinen Frauengesellschaft zu offenbaren, wenn das islamische Kopftuch tatsächlich einen religiösen Symbolcharakter haben soll? Wer soll überhaupt durch das angebliche Symbol angesprochen werden, zumal Symbole regelmäßig eine Botschaft beinhalten? Nur Männer?

Wenn man sich diese Dinge durchdenkt, wird deutlich, dass die Verschleierungsarten des Islam überhaupt keinen religiösen Symbolcharakter haben. Vielmehr hilft die Verschleierung, die gesellschaftsregulierenden und politisch motivierten Vorschriften der Scharia zu erfüllen, namentlich jene von Sure 24:31, die von Scharia-Muslimen wie folgt übersetzt und verstanden wird:

„Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten, ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer dem, was (sonst) sichtbar ist. Und sie sollen ihre Kopftücher auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen (Geschlechts)trieb (mehr) haben, den Kindern, die auf die Blöße der Frauen (noch) nicht aufmerksam geworden sind. Und sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit (nicht) bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verborgen tragen. Wendet euch alle reumütig Allah zu, ihr Gläubigen, auf daß es euch wohl ergehen möge!“

Mit anderen Worten geht es hier um die Erfüllung der islamischen Sexualmoral im Sinne der Scharia, wobei das islamische Kopftuch nur diese funktionale Bedeutung hat, bei der es darum geht, eine Frau für „fremde Männer“ möglichst unsichtbar zu machen. Je nach Verschleierungsart ist das freilich unterschiedlich stark ausgeprägt. Gemäss dieser Sexualmoral ist ein offenes gesellschaftliches Zusammenleben zwischen Frauen und Männern, die nicht näher miteinander verwandt sind, nicht oder nur eingeschränkt vorgesehen. Die Verschleierung soll wie viele andere Vorschriften der Scharia Frauen und Männer gesellschaftlich trennen, damit keine sündigen Gedanken entstehen oder sogar noch „schlimmere Dinge“. Dass es ausschliesslich um die Erfüllung dieser archaischen Sexualmoral geht, wird aus jenem Teil der Koranstelle deutlich, wo von Kindern die Rede ist, die noch zu klein sind, um auf die Blöße (!) einer Frau aufmerksam zu werden oder von Männern, die keinen Geschlechtstrieb mehr besitzen wie beispielsweise Eunuchen, die sich in der Gegenwart von unverschleierten Frauen aufhalten dürfen. Mit einem religiösen Symbol kann man solche Inhalte nicht in einen Zusammenhang bringen.

Es ist daher geradezu pervers, kleine Mädchen zum Gegenstand einer solchen Sexualmoral zu machen, wie dies mittlerweile in Europa des 21. Jahrhunderts geschieht, was vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre, aber dank dem Scharia-Appeasement und Kulturrelativismus von Leuten wie Christine Lüders leider möglich wurde. Noch perverser ist es, dass sie dabei sogar von einer angeblichen „Diskriminierung“ spricht, wenn kleine religionsunmündige Mädchen vor dieser unterirdisch primitiven und archaischen Sexualisierung bewahrt werden sollen. Besonders beschämend ist dabei, dass Christine Lüders eine Frau ist und nur schon deshalb kleine Mädchen vor dieser ekelerregenden Sexualmoral schützen sollte statt diese kulturrelativistisch zu verharmlosen und ihre Bekämpfung als angebliche „Diskriminierung“ zu brandmarken. Auch die Angabe von Christine Lüders, wonach Schülerinnen, die von einem Kopftuchverbot betroffen wären, ausgegrenzt fühlen würden, ist völlig haltlos. Bei einem Verbot müssen die Schülerinnen sich fügen, sich den unverhandelbaren Gepflogenheiten der hiesigen europäischen Gesellschaft anpassen oder die Konsequenzen tragen. Ultima ratio verbleibt ihnen die Möglichkeit, mit ihrer Familie in ein Land auszuwandern, wo die Scharia zur gesellschaftlichen Norm gehört, wo sie sich wohlfühlen können.

Überhaupt würde ein allgemeines Verbot des öffentlichen Tragens des islamischen Kopftuches und sämtlicher anderer Verschleierungsarten des Islam eine verdrängende Wirkung gegenüber den europäischen Scharia-Parallelgesellschaften haben, was meines Erachtens wünschenswert wäre, zumal mit der Vereitelung der Sexualmoral des Islam die Entstehung respektive die Fortdauer einer Scharia-Parallelgesellschaft wirksam verhindert werden kann. Ich kann ein Interesse Europas an der Existenz solcher vormittelalterlichen  Gesellschaftsstrukturen mit Frauendiskriminierung, Antisemitismus, Dschihadverherrlichung und anderen Unzulänglichkeiten auch nicht erkennen. Wenn jemand denkt, dass allfällige Einschränkungen der Scharia unmöglich seien, soll er oder sie sich doch bitte die Bilder der islamischen Welt zwischen den Jahren 1928 und 1979 anschauen, wie dies in der Facebook-Gruppe „Before Sharia Spoiled Everything“ gezeigt wird.

Ulus Platz

(Zwei junge Frauen am Ulus Platz in Ankara, Mitte Dreissigerjahre, nicht einmal 10 Jahre nach der Kleiderreform Atatürks, Bild aus der Facebook-Gruppe Before Sharia Spoiled Everything)

Wenn in einem Land wie der Türkei, in welchem ungefähr 98% der Bevölkerung aus Muslimen besteht, die gesellschaftspolitischen Regeln der Scharia verboten und der Islam auch puncto Kleidung eingeschränkt werden konnte, ist dies in Europa erst recht möglich. Von einer Diskriminierung kann hier nicht die Rede sein, nachdem Muslime selbst die Scharia eingeschränkt haben und dies immer noch tun, um ein Leben in der Moderne zu führen, wie dies vor allem im Zwanzigsten Jahrhundert noch an vielen Orten der muslimischen Welt möglich war. Ich jedenfalls möchte hier in Europa keine Scharia-Parallel- respektive Gegengesellschaften haben, die auf das Leben aller Menschen einen negativen Einfluss haben und damit nicht nur die Scharia-Muslime selbst betreffen. Meines Erachtens ist auch eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Gedanken unserer Grundrechte notwendig. Damit meine ich, dass Grundrechte, die uns das Zeitalter der Aufklärung übertragen hat, nicht für die Gewährleistung und Errichtung von Scharia-Gesellschaften in Europa missbraucht werden sollten. Europaweite Verfassungsänderungen und Islamgesetze, welche die Scharia einschränken und teilweise auch verbieten, sind meines Erachtens dringend notwendig.

Und natürlich muss der Islam entgegen dem Wunsch von Christine Lüders anders behandelt werden als andere Religionen und dies stellt sicher keine Diskriminierung dar. Immerhin finden in europäischen Kirchen, Synagogen sowie in buddhistischen und hinduistischen Tempeln  keine Kriegsverherrlichungsveranstaltungen statt, bei denen kleine Kinder in Tarnuniformen den Dschihad mimen. In Europa gibt es keine Kirchen, in denen für Krieg und Vernichtung von Andersgläubigen gepredigt und gebetet wird. Gewiss gibt es religiösen Extremismus in anderen Religionen. Im deutschsprachigen Raum sind wir aber weder vom extremen Buddhismus oder Hinduismus betroffen, noch haben wir hier in Europa rechtsextreme Juden wie den Rabin-Mörder Jigal Amir schon gar nicht ganze Gesellschaftsstrukturen, die aus solchen Leuten bestehen. Ohnehin würde es bei der Schaffung eines Islamgesetzes nicht darum gehen, pauschal Muslime zu diskriminieren. Vielmehr muss der Staat vorgeben, welcher Islam akzeptiert wird und welche Formen des Islam in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Mit der Schaffung solcher Islamgesetze ginge es folglich darum, bestimmte Praktiken der Scharia, die einerseits einen Zivilisationsbruch bedeuten und andererseits Grundrechte von Individuen sowie Grundprinzipien unseres Staatswesens verletzen, einzuschränken und stückweit auch zu verbieten. Dazu gehört sicherlich auch der Schutz von religionsunmündigen Minderjährigen vor einer Sexualisierung.

* * *

Scharia-Verbot wirkt!

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Am 9. August 1935 berichtete die türkische Zeitung Cumhuriyet, dass in Konya die Verschleierung verboten wurde. Für die Umsetzung des Verbots wurde eine Frist bis 15. September 1935 gewährt.

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Bereits im Jahr 1936 sahen die Frauen in Konya so aus.

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… und so im Jahr 1968.

Konya ist heute eine Hochburg der AKP (ca. 75% der Wahlbevölkerung).

 

Das islamische Kopftuch – Ein religiöses Symbol?

FDP-Kandidatin Aygül Kılıç – Ein antisemitischer Facebook-Beitrag wirft Fragen auf

Die FDP Neumünster hat eine Kopftuch tragende Scharia-Muslimin namens Aygül Kılıç als Kandidatin für die bevorstehenden Kommunalwahlen aufgestellt. Gegen diese Kandidatur gab es teilweise heftige Kritik, wobei diese umgehend als „rechts“ bezeichnet wurde. Man verwies auf die Religionsfreiheit von Frau Kılıç und unterstellte den Kritikern Rassismus und Vorurteile.

Nun ist ein Facebook-Post aufgetaucht, den Frau Kılıç im Jahr 2014 kommentarlos geteilt hat. Es handelt sich um einen Post des Users mit dem falschen Namen Mehmet Akif Ersoy [Name des Schöpfers der türkischen Nationalhymne]. Damit die Deutschen, die der türkischen Sprache nicht mächtig sind und über diese Kandidatur diskutieren, sehen können, welche Werte diese Dame auch vertritt, möchte ich den Post, den sie geteilt hat, übersetzen. Die Übersetzung erfolgt wörtlich, wobei in den eckigen Klammern Erklärungen vorzufinden sind, weil sich Türkisch oft sehr schwierig wörtlich übersetzen lässt.

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„EINIGE WORTE, DIE UNS VON DEN JUDEN VERERBT WURDEN

WENN ICH ES VESTANDEN HÄTTE, SOLL ICH ARABER WERDEN [türkische Redewendung ähnlich wie „Ich verstehe nur Ägypten“ oder „Ich verstehe nur Bahnhof“]. Weil unser Efendi [gemeint ist der Prophet Mohammed] s.a.v. [islamische Formel, die man verwendet, wenn man über den Propheten spricht oder seinen Namen erwähnt] ein Araber ist, haben sie ihn über das Arabertum beleidigt und haben ihren Hass zum Ausdruck gebracht [wörtlich: Hass gekotzt]. Das haben die Juden gesagt [das stammt von den Juden], aber auch wir haben es im Unbewussten gesagt.

KARA FATMA [Großer Totenkäfer; wörtlich „Schwarze Fatma“]. Sie haben um die weißgesichtige Fatima [gemeint ist die jüngste Tochter des Propheten Mohammed], deren Gesicht mit Licht übersät ist [„nur yüzlü“ bedeutet wörtlich „lichtgesichtig“] und weil sie den Hidschab respektive weil sie den dunklen Nikab trägt, zu beleidigen, einem Käfer den Namen „Kara Fatma“ gegeben und wir [damit sind die Muslime gemeint] haben das Gleiche unwissend [hier wird das Wort „cahil“ verwendet, über das ich einen längeren Aufsatz geschrieben habe] nochmals gesagt.

KAKA [türkisches Wort für Scheiße, so wie auch in vielen anderen Sprachen] Ein grosser Heerführer und ein grosser Begleiter des Propheten Mohammed Kaka [so hiess offenbar ein Begleiter des Propheten], den die Juden am meisten hassen. Wenn die Juden ihre Kinder auf die Toilette bringen, haben sie, indem sie gegen den Sankt Kaka ihren Hass auskotzten, das, was ihre Kinder produzieren, Kaka genannt. Und wir haben es – ohne es zu erkunden – auch Kaka [d.h. Scheiße] genannt.

LASST UNS VORSICHTIG UND UMSICHTIG SEIN! LASSEN WIR UNS NICHT AUF DIE SPIELE DER JUDEN EIN!“

Nach dem Gesagten stellt sich die Frage, ob FDP Neumünster den triefenden Antisemitismus ihrer Kandidatin, der hier zum Ausdruck kam, auch mit der Religionsfreiheit oder gar mit der Meinungsfreiheit verteidigen will.

 

FDP-Kandidatin Aygül Kılıç – Ein antisemitischer Facebook-Beitrag wirft Fragen auf

Bibel und Koran – Weshalb eine Gegenüberstellung nicht statthaft ist

Immer wieder stoße ich sowohl in den Printmedien als auch im Internet auf Artikel und Interviews, in welchen die Bibel dem Koran gegenübergestellt wird. Bei diesen Texten respektive Interviews, die teilweise auch ganz spontan auf der Strasse mit Passanten durchgeführt werden, handelt es sich regelmäßig um eine moderne Form von Whataboutism, dessen Zweck darin besteht, dem Europäer aufzuzeigen, dass in der Bibel weitaus die bedenklicheren Gewaltpassagen respektive Inhalte vorzufinden sind als im Koran. Damit sollen einerseits problematisch erscheinende koranische Inhalte relativiert werden und andererseits soll der Islam vor vermeintlich unverhältnismässiger Kritik respektive Vorurteilen geschützt werden. Um dies zu erreichen, hält man dem Menschen aus dem Westen gewissermaßen den Spiegel vor die Nase, indem man ihm aus „seiner“ Bibel zitiert, welche die meisten freilich nur ungenügend kennen, erst recht nicht solche grauenhaften Inhalte. Meistens müssen Leser oder Interviewpartner erraten, ob eine grauenvolle respektive Abscheu erregende Textstelle koranisch oder biblisch ist, wobei die haarsträubendsten meistens biblisch sind, was ein säkular lebender europäischer Normalbürger, der nicht so bibelfest ist wie eine Angela Merkel, nicht auf Anhieb erkennen kann und die Passage meistens fälschlicherweise dem Koran zuordnet. Genau das ist freilich die Absicht des Interviewers. Solche provozierten Fehler sollen bewirken, dass man als Europäer vermeintliche Vorurteile gegenüber dem Islam bei sich entdeckt, diese als solche anerkennt, Schuldgefühle bekommt und die vermeintlichen Vorurteile beseitigt. Das erzieherische Ziel solcher Artikel und Interviews soll damit die Erkenntnis sein, dass der Islam keineswegs schlechter ist als das im Westen wesentlich bekanntere Christentum und Judentum. Mehr noch: Aufgrund der zitierten Stellen soll stückweit sogar der Eindruck entstehen, dass das Gegenteil davon zutrifft.

Wer als Journalist oder Islam-Apologet solche Vergleiche aufstellt, mag sich vielleicht mehrfach hingesetzt haben, um den ganzen Koran von der ersten Seite an bis zum Schluss durchzulesen, um womöglich auch die entsprechenden Gewaltpassagen tatsächlich vorzufinden, die unstrittig vorhanden sind. Zum islamischen Kanon gehört allerdings nicht nur der Koran sondern vielmehr etwa auch die Hadithe (Sprüche und Taten des Propheten) sowie die Sira (fromme Prophetenbiographie). Deren komplette Nichtberücksichtigung macht solche Vergleiche von Vornherein untauglich, zumal sie einen wesentlichen Teil des orthodoxen Islam ausmachen. Gerne möchte ich dies nachfolgend etwas näher erläutern.

Der Koran gilt gemäß islamischer Tradition, wie ich dies schon mehrfach in anderen Artikeln dargelegt habe, als das von Gott unmittelbar gesprochene Wort, das den Menschen über den Propheten Mohammed offenbart worden sei. Deshalb ist er vornehmlich in direkter Rede verfasst, wobei der Sprechende nach islamischem Verständnis Allah (das arabische Wort für Gott) höchstpersönlich ist. Über die Person von Mohammed erfährt man vom Koran, wenn man die Interpretation von koranischen Inhalten über die Hadithe und die Sira vollständig weglässt, nichts. Man kann damit gewissermaßen sagen, dass die Person Mohammed, die im Islam eine derart zentrale Rolle spielt, ausschließlich von den Hadithen und von der Sira gezeichnet wird. Es ist daher auch nicht erstaunlich, dass das Wort „mohammad“ im Koran nur viermal vorkommt (Suren 3:144; 33:40; 47:2; 48:29), wobei die entsprechenden Stellen auch mit „der zu preisende“ (Gerundiv) übersetzt werden können, wie Christoph Luxenberg dies tut und unter diesem Begriff eine ganz andere Person versteht, namentlich Jesus, was bei einer von den Hadithen und der Sira losgelösten Betrachtung des Korantextes möglich ist. Selbst wenn man diese Passagen mit dem Eigennamen Mohammed übersetzen sollte, wie die Tradition dies tut, sagen sie nichts über die Person Mohammed aus, namentlich über dessen Biographie oder Charaktereigenschaften. Wie er gelebt hat, was er für ein Mensch war, Informationen über seine Familie, seine Gewohnheiten etc. kann man damit im Koran vergeblich suchen, insbesondere wenn man keine unterstützende Literatur wie die Hadithe und die Sira, die rund zweihundert Jahre nach dem Koran schriftlich niedergelegt wurden, beizieht, um den Korantext zu interpretieren. Selbst der Ort, wo er zunächst gelebt haben soll, namentlich Mekka, wird im Koran nicht ein einziges Mal erwähnt. Es ist von Baka die Rede, was die Tradition kritiklos als Mekka übersetzt. Zusammengefasst bedeutet dies damit, dass die Verfasser der vorerwähnten Artikel und Interviews in ihren Vergleich die Person Mohammed überhaupt nicht einbeziehen, weil alles, was über ihn und dessen Charaktereigenschaften erzählt wird, über andere kanonische Schriften vermittelt wird und nicht über den Koran. Damit haben wir es bei diesen Bibel-Koran-Vergleichen stets mit einem Islam ohne Mohammed zu tun! Das ist insofern nicht irrelevant, weil der Koran in Sure 3:32 den Muslimen befiehlt, den Geboten von Allah aber auch denjenigen des Gesandten von Allah zu folgen, worunter gläubige Muslime Mohammed verstehen. Darüber hinaus sollen Gläubige ihn zum Vorbild nehmen (Sure 33:21), was so viel heisst wie, dass sie sein Verhalten möglichst nachahmen respektive kopieren sollen. Damit sollen Muslime der sogenannten Sunna des Propheten folgen, was einen wesentlichen Teil des orthodoxen Islam ausmacht, wobei Muslime diese Inhalte vor allem aus den Hadithen entnehmen.

Bereits schon aufgrund der Tatsache, dass die angesprochenen Interviews und Artikel die Hadithe und die Sira und damit auch den Propheten Mohammed in den Vergleich mit der Bibel nicht einbeziehen, sind sie aus meiner Sicht für nichts zu gebrauchen. Es gibt aber einen noch erheblicheren Grund, weshalb solche Vergleiche schlicht und einfach nicht redlich sind. Es geht dabei um die Frage, wie Religionsgemeinschaften mit den problematischen Passagen in ihren Schriften, die durchaus vorhanden sind, heute im Jahr 2018 umgehen. Wie sieht ihre heutige Praxis aus? Wie werden diese Texte aktuell verstanden und umgesetzt? Genau hier liegt nämlich der springende Punkt!

Es ist unstrittig, dass beispielsweise die Steinigung im Alten Testament durchaus als Strafe vorgesehen ist, teilweise auch für „Straftatbestände“, die heute vom Strafrecht nicht einmal mehr erfasst werden, wie etwa für Ungehorsam gegenüber den Eltern oder Ehebruch. Im Judentum wurde diese archaische und als barbarisch zu bezeichnende Form der Bestrafung allerdings schon seit dem Altertum nicht mehr eingesetzt und seit frühesten Zeiten von einflussreichen Rabbinern sehr heftig kritisiert. Wenn man von Lynchmorden absieht, hat es Steinigungen in Europa auch im christlichen Kontext schon seit dem Frühmittelalter keine mehr gegeben. Es ist damit nicht statthaft, auf die Steinigungen im Alten Testament hinzuweisen und diese mit der Steinigung im Islam zu vergleichen, zumal diese sowohl im jüdischen als auch im christlichen Kontext seit Jahrhunderten keine Rolle mehr gespielt haben, wohingegen im Islam die Steinigung zur heute noch gelebten islamischen Praxis gehört. Sie ist in einigen islamisch geprägten Ländern staatliches Recht und wird, obwohl sie gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verstößt (Verbot grausamer Strafen gemäß Art. 5), vollstreckt, auch von Ländern, die UN-Mitglieder sind.

Es gibt auch andere – zugegebenermaßen haarsträubende – Stellen im Alten Testament, die von religionskritischen Personen immer wieder gerne zitiert werden, beispielsweise diese hier aus dem 5. Buch Mose (Deut 28, 29):

„Wenn ein Mann dabei ertappt wird, dass er ein unberührtes Mädchen vergewaltigt, muss er dem Vater des Mädchens 50 Silberstücke geben. Er muss das Mädchen zur Frau nehmen, weil er es entjungfert hat; er darf es zeitlebens nie mehr wegschicken.“

Auch diesbezüglich sollten keine Zweifel darüber bestehen, dass diese absurde Regelung keinerlei aktuelle Bedeutung mehr hat, natürlich auch nicht in Israel, obwohl das Judentum das israelische Staatswesen durchaus noch beeinflusst. Der Fall des früheren israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav, der wegen Vergewaltigung und anderen Sexualstraftaten verurteilt wurde, zeigt in aller Deutlichkeit, dass die vorhin zitierte biblische Vorgehensweise in Israel des 21. Jahrhunderts überhaupt keine Rolle spielt, nicht einmal bei einem Staatspräsidenten, der während er noch im Amt war, mit der Strafverfolgung des israelischen Rechtsstaates konfrontiert war. Ähnliches lässt sich im islamischen Kontext nicht wirklich sagen. Ganz im Gegenteil bewirkt die Scharia mit ihren frauendiskriminierenden Inhalten heute noch, dass ein Vergewaltigungsopfer zum Täter und der männliche Täter zum Opfer gemacht wird. Man denke dabei nur an den Fall der bedauernswerten Reyhaneh Jabbari im Iran, die gehängt wurde. Das Ganze hat freilich damit zu tun, dass sich der Scharia-Islam bei einer Vergewaltigung mehr dafür interessiert, dass dabei außerehelicher Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, was im Sinne der Scharia bestraft werden muss und nicht für das, was zivilisierte Staaten an einer Vergewaltigung ungerecht finden und weshalb sie diesen Straftatbestand in ihren Strafgesetzen haben.

Natürlich gibt es problematische biblische Inhalte nicht ausschließlich im Alten Testament. Wenn man den im Neuen Testament durchaus vorzufindenden Antisemitismus mit dem Antisemitismus im Islam vergleicht, der in allen Quellen der Scharia vorkommt, wie ich in einem anderen Artikel ausführlich erläutert habe, sollte man nicht außer Acht lassen, dass der biblische Antisemitismus mindestens heute und in unseren Breitengraden in keiner Kirche gepredigt und gefördert wird. Es gibt heute keine christlichen Geistlichen in Europa, die in ihren Kirchen gegen Juden oder gegen andere Religionsgemeinschaften hetzen. Das lässt sich mit dem Antisemitismus im Islam und dessen Bedeutung in der aktuellen islamischen Praxis überhaupt nicht vergleichen. Überall auf der Welt wird in Moscheen gegen Juden aber auch gegen Christen, Hindus und Atheisten gehetzt, übrigens auch in Europa. In keiner europäischen Kirche im 21. Jahrhundert wird für einen heiligen Krieg gebetet, wohingegen gerade neulich in Ditib-Moscheen in der Bundesrepublik für den Dschihad in Syrien gebetet wurde.

Was in den Gegenüberstellungen des Koran mit der Bibel damit unberücksichtigt bleibt, namentlich die Person Mohammed und dessen Charaktereigenschaften sowie die völlige Ausklammerung der aktuell gelebten oder eben nicht gelebten Praxis im Zusammenhang mit den problematischen Textstellen, weist meines Erachtens just auf die Kernprobleme hin, die wir in Europa aktuell mit dem Islam haben. Das bedeutet, dass sich die Verfasser und Urheber solcher Artikel und Interviews genau damit nicht befassen wollen, was meines Erachtens nicht hinnehmbar ist. Mit diesen Gedanken, die ich etwas näher erläutern will, möchte ich meinen heutigen Blog abschließen.

Der Prophet des Islam, Mohammed, ob er nun tatsächlich gelebt hat oder nicht, kann meines Erachtens unmöglich ein nachzuahmendes Vorbild in Europa sein. Sein gesamter Lifestyle, sein Gesellschaftsverständnis, seine Werte, insbesondere sein Umgang mit Frauen, mit Andersgläubigen und Andersdenkenden, sein polygamer Lebenswandel, seine Minderjährigenheirat, seine Tipps bei Vornahme von weiblichen Genitalverstümmelungen, seine Tötungsbefehle und ähnliche archaische Handlungsweisen, die über ihn mittels Hadithe und Sira vermittelt werden, können und dürfen in Europa des 21. Jahrhunderts keinen Maßstab bilden, nach dem eine Person sein Leben führt. Da ich anders als Hamad Abdel-Samad nicht davon überzeugt bin, dass es die Person Mohammed jemals gab und eher davon ausgehe, dass es sich dabei um eine nachkoranische Erfindung handelt, die auf der Grundlage der wesentlich später entstandenen Hadithe und der Sira gezeichnet wurde, möchte ich ihn anders als er nicht psychologisieren respektive pathologisieren. Völlig unabhängig davon, ob es Mohammed gab oder nicht, denke ich allerdings nicht, dass Menschen gewisse höchst problematische Eigenschaften dieses Mannes nachahmen sollten, die über die Hadithe und die Sira vermittelt wurden. Überhaupt müssen Muslime zwingend eklektizistisch mit ihrer Religion umgehen, wenn sie in Europa leben wollen und ihren muslimischen Werten neue europäische Werte hinzufügen. Sie müssen dabei ganz bewusst bestimmte Inhalte ihrer Religion ablehnen und diese aufgrund höher einzustufenden Werten nicht praktizieren. Die überwiegende Mehrheit der praktizierenden Juden und Christen in Europa – man könnte sogar sagen, dass es beinahe alle sind – lebt genau nach diesem Maßstab, versteht namentlich die problematischen Inhalte der Bibel in einem historischen Kontext und steht diesen sogar kritisch gegenüber. Niemand lobt die Genozide im Alten Testament, die für die meisten modernen Menschen ohnehin nur noch eine allegorische Bedeutung haben. Diese kritische Haltung ist nicht nur in der säkular geprägten europäischen Gesellschaften sondern vielmehr auch selbst bei den obersten Vertretern der Glaubensgemeinschaften vorzufinden. Man denke dabei nur an Papst Johannes Paul II., dessen selbstkritischen Umgang mit dem katholischen Antisemitismus und seine Bestrebungen für die Versöhnung seiner Kirche mit dem Judentum. Ein solches bewusstes Weglassen von Glaubensinhalten, die in den islamischen Schriften vorkommen und eine bewusste ablehnende Haltung ihnen gegenüber, ist in islamischen Gesellschaften bei weitem nicht so ausgeprägt wie in jüdischen und christlichen. Während westlich zivilisierte Staaten die Grenzen der Religion in den Werten des Humanismus, Rationalismus, Menschenrechten, Demokratie, und Rechtsstaatlichkeit erkennen, haben islamische Staaten den Menschenrechten mit ihrer Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam sogar einen Scharia-Vorbehalt vorangesetzt. Eine solche Haltung dürfen wir Europäer jedenfalls hier in Europa unter keinen Umständen akzeptieren, auch nicht aufgrund eines fehlgeleiteten Religionsfreiheitsverständnisses. Ganz im Gegenteil müssen wir insbesondere von den Muslimen, die nicht in der Lage sind, sich eklektizistisch zu verhalten und neue europäische Werte anzunehmen, genau diese Haltung einfordern.

1969

Eine Busfahrt in Istanbul des Jahres 1969, als die Türkei weitestgehend schariafrei war und der islamische Glaube eklektizistisch ausgelebt wurde. Genau dies ermöglichte das ungezwungene Beisammensein von Frauen und Männern in Freiheit wie auf diesem Bild.

Bibel und Koran – Weshalb eine Gegenüberstellung nicht statthaft ist