Gleichberechtigung im Islam?

Immer wieder behaupten Islamapologeten aber vor allem Islamapologetinnen in Fernsehsendungen und Artikeln, dass im Islam Frauen und Männer gleichberechtigt seien. Sie gehen manchmal so weit wie beispielsweise Khola Maryam Hübsch und geben an, dass Mohammed der erste Feminist gewesen sei. Nachfolgend möchte ich zunächst eine berühmte Stelle aus dem Koran, namentlich Sure 4:34, zitieren, welche die entsprechenden absurden Behauptungen sofort widerlegt, wonach der Scharia-Islam so etwas wie die Gleichberechtigung der Geschlechter kenne. Die Übersetzung stammt von Rudi Paret, die in Fachkreisen als die beste Koranübersetzung in deutscher Sprache gilt.

„Die Männer stehen über (qauwāmūn ʿalā) den Frauen, weil Gott sie (von Natur aus vor diesen) ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen?) gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und geben acht auf das, was (den Außenstehenden) verborgen ist, weil Gott (darauf) acht gibt (d.h. weil Gott darum besorgt ist, dass es nicht an die Öffentlichkeit kommt). Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie (wa-dribū-hunna)! Wenn Sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Im ersten Teil dieser Koranstelle wird klar die Überordnung des Mannes gegenüber der Frau festgelegt. Dies steht einerseits wortwörtlich dort und ferner entspricht diese Interpretation auch der Meinung der Tradition. Darüber hinaus – und das ist das Wichtigste – ist dies die praktizierte Realität in der islamischen Welt, was für alle Menschen, die in der Lage sind, objektiv zu denken, völlig offensichtlich ist. Der Schluss der vorzitierten Koranstelle sieht – so wie man dort nachlesen kann – ein Züchtigungsrecht des Mannes gegenüber seiner Frau vor. Dabei gibt es eine Kaskade von drei Stufen, was von gewissen Musliminnen und Muslimen als eine Art Errungenschaft empfunden wird. Zuerst soll die Frau ermahnt werden und nicht gleich geschlagen. Dann gibt es Sexentzug, was insbesondere für jene muslimische Frauen, die ohne eigene Einwilligung in einer Ehe leben müssen, eine enorme Strafe sein muss. Erst dann, wenn selbst das nicht gewirkt hat, dann soll geschlagen werden. Dazu gibt es übrigens Regeln. Man(n) schlägt seine Frau nicht einfach so, wie es einem gerade passt! Die Scharia gibt dazu nützliche Tipps, wie diese beiden Damen aus Australien in diesem Film mit viel Detailwissen darlegen. Auch andere Filme auf YouTube sagen darüber ähnliche Dinge. Der Mann soll mit einem kleinen Stecken schlagen, mit einem Tuch oder mit der flachen Hand jedoch nicht mit der Faust und vor allem niemals mit Verletzungsabsicht (weil man(n) sein “Eigentum” nicht zerstören sollte, ist schliesslich Gabe Gottes).

Nach Kenntnis dieser Koranstelle kann nicht wirklich behauptet werden, dass im Islam Frau und Mann gleichberechtigt seien. Dies widerspricht dem klaren Wortlaut des Koran und entsprechende Behauptungen sind nichts anderes als Taqiya, um den Islam vor Kritik von “Ungläubigen” zu verteidigen, ausser die Person, die solchen Unsinn ausspricht, hätte tatsächlich keine Ahnung vom Islam. Jedenfalls sollten solche Äusserungen nicht ernst genommen werden. Wer in Anbetracht dieser Koranstelle von Gleichberechtigung sprechen will, hat sicherlich nicht das gleiche Verständnis davon, was normalerweise unter diesem Begriff verstanden wird. Wer solchen Unsinn verbreitet wie, dass Mohammed der erste Feminist gewesen sei wie Khola Maryam Hübsch im oben verlinkten Artikel, unterscheidet sich nicht wirklich von Kellyanne Conways mit ihren “Alternative Facts“.

Um es noch deutlicher zu machen, weshalb nach islamischer Vorstellung Frauen Männern untergeordnet sind, möchte ich aus dem Nasihat al Muluk (Ratgeber für Könige) des “grossen” islamischen Denkers al-Ghazali zitieren. Damit die Bedeutung und der Stellenwert dieses al-Ghazali im Islam von den Lesern eingeordnet werden kann, hier ein Auszug aus dem Wikipedia-Eintrag über diesen “Philosophen”:

„Abū Hāmid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazālī, kurz auch Alghazāli (arabisch أبو حامد محمد بن محمد الغزالي, DMG Abū Ḥāmid Muḥammad b. Muḥammad al-Ġazzālī; persisch ابو حامد محمد غزالی; lateinisch Algazel; geboren 1058 in Tūs bei Maschhad; gestorben am 19. Dezember 1111, mit dem ehrenden Beinamen Huddschat al-Islām, war ein persischer islamischer Theologe, Philosoph und Mystiker. Ghazali zählt bis heute zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islams. (…) Während er einerseits für den Untergang der Philosophie im islamischen Osten (im Gegensatz zum islamischen Spanien, wo sie aufblühte) verantwortlich gemacht wird, bewirkte er auf der anderen Seite eine Wiederbelebung der Theologie.“

Mit anderen Worten stellt das Werk Nasihat al Muluk etwas Ähnliches dar wie Il Principe (Der Fürst) von Machiavelli im Westen, wobei al-Ghazali in der islamischen Welt eine ähnliche Rolle spielt wie der bedeutende Denker der Renaissance. Jedenfalls ist dieser al-Ghazali so bedeutend, dass vier seiner Werke in die UNESCO-Sammlung repräsentativer Werke aufgenommen wurden, wobei ich fairerweise einräumen muss, dass Nasihat al Muluk nicht dazu gehört. In diesem Buch, in dem die perfekte Beschaffenheit von Königen und ihren Ratgebern anhand von Aphorismen und Anekdoten dargelegt wird, gibt es auch ein Kapitel über die Frauen. Das Kapitel heisst „Frauen und ihre guten und schlechten Seiten“. Das Buch kann übrigens hier auf Englisch gelesen werden. Das Kapitel über die Frauen fängt auf Seite 158 an und die Stelle, die ich mit meiner eigenen Übersetzung nachfolgend zitieren werde, befindet sich auf den Seiten 164 und 165. Ich kann meinen Lesern die Lektüre mindestens dieses einen Kapitels nur nahelegen.

„Was die unterschiedlichen Charakteristika anbelangt, mit denen Gott im Himmel Frauen bestraft hat, verhält sich die Angelegenheit folgendermassen:

Als Eva dem allmächtigen Gott nicht gehorchte und die Frucht vom Baum im Paradiese ass, die er ihr verboten hatte, hat der Herr, sei er gepriesen, Frauen mit 18 Dingen bestraft: (i) Menstruation; (ii) (die Strapazen) der Geburt; (iii) die Trennung von Mutter und Vater und Verheiratung mit einem Fremden; (iv) die Schwangerschaft (durch diesen Mann); (v) die Unfähigkeit, über sich selbst zu bestimmen (d.h. Bevormundung durch den Mann); (vi) einen kleineren Erbteil zu haben (als Männer); (vii) die Einklagbarkeit wegen Scheidung, aber die Unfähigkeit, selbst eine Scheidungsklage einzureichen; (viii) die Tatsache, dass es rechtlich zulässig ist, dass ein Mann vier Frauen haben kann, wohingegen Frauen nur einen Mann haben können; (ix) die Tatsache, dass sie im Haus eingesperrt (d.h. abgekapselt) wird; (x) das Gebot, im Haus den Kopf zu bedecken (damit meint Ghazali, dass Frauen selbst im eigenen Haus den Kopf bedecken müssen, wenn Fremde im Haus sind); (xi) die Tatsache, dass vor Gericht die Zeugenaussagen von zwei Frauen gegen die Zeugenaussage eines Mannes entgegengebracht werden können; (xii) die Tatsache, dass die Frau das Haus nicht verlassen darf, ohne dabei von einem nahen Verwandten begleitet zu werden; (xiii) die Tatsache, dass Männer an Freitags- und Feiertagsgebeten teilnehmen, wohingegen Frauen dies nicht tun; (xiv) der Ausschluss von Regierungsämtern und vom Richteramt; (xv) die Tatsache, dass von 1000 verdienstvollen Dingen, nur 1 Frauen zugerechnet werden kann, während Männern 999 verdienstvolle Dinge zugerechnet werden können; (xvi) die Tatsache, dass wenn Frauen verschwenderisch sind, ihnen am Tag der Auferstehung nur halb so viel Peinigung gegeben wird als dem Rest der muslimischen Gemeinschaft (mit anderen Worten werden Frauen pauschal bestraft); (xvii) die Tatsache, dass sie beim Versterben des Ehemannes eine Wartefrist von vier Monaten und zehn Tagen abwarten müssen, bevor sie sich wieder verheiraten; (xviii) die Tatsache, dass sie eine Wartefrist von drei Monaten und drei Menstruationsperioden abwarten müssen, bevor sie wieder heiraten dürfen.“

Nach diesem Zitat möchte ich nochmals an Sure 4:34 erinnern, die ich oben wiedergegeben habe, welche die Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann festlegt. Oben zählt al-Ghazali eine Reihe von für Frauen unvorteilhaften Regeln des Islam auf, die gläubigen Muslimen bekannt sind, weil sie aus dem Koran selbst stammen. Es gibt hunderte von anderen Regeln, die unvorteilhaft für Frauen sind, die in anderen Quellen der Scharia zu finden sind, etwa in den Hadithen. Al-Ghazali konzentriert sich hier jedoch ausschliesslich auf koranische Inhalte. Er versteht diese Nachteile als eine Gottesstrafe für die schwere Sünde, welche nicht nur zur Vertreibung vom Paradies geführt habe. Vielmehr habe Gott mit diversen Dingen, die im Koran erwähnt sind, die Frauen bestrafen wollen. Daraus folgt ihre Schlechterstellung, was aus diesen Zeilen zu vernehmen ist.

Obwohl die Stellung der Frau im Islam bei näherer Betrachtung dieser Aufzählung  als durchaus bedenklich eingestuft werden kann, verbirgt sich hinter dem al-Ghazali-Zitat noch etwas erheblich Bedenklicheres. Hier wird der islamische Syllogismus deutlich und zwar in seiner ganzen Pracht. Dieser Syllogismus ist im Islam allgegenwärtig und dieses Kernproblem ist sogar erheblicher als die islamische Frauendiskriminierung. Das funktioniert ungefähr so: Das, was im Koran steht, ist nach islamischer Vorstellung, das unmittelbare Wort Gottes und ist in jeder Hinsicht perfekt. Es ist so perfekt, dass selbst Mohammed in dessen Schatten steht. Das Wort Gottes ist aus dieser Perspektive betrachtet so perfekt wie ein mathematisches oder physikalisches Naturgesetz, das gegeben und unumstösslich ist wie das  1 + 1 = 2. Mit anderen Worten fängt jedes Denken im Islam unter der Prämisse der Wahrheit koranischer Inhalte an, die wie Naturgesetze gelten. Damit sind die Benachteiligungen der Frauen, die al-Ghazali aufgezählt hat, Naturgesetze, die auch zusammengefasst einen göttlichen und naturgesetzlichen tieferen Sinn haben. Selbstverständlich ist dieser tiefere Sinn auch in Sure 4:34 zu finden.

Da jede Argumentation einer Person, die diesen Prämissen folgt, sich von unserer Denkweise unterscheidet, besteht wenig Hoffnung, dass man sich mit einem solchen Menschen in gesellschaftlicher Hinsicht einigen respektive auf gedanklicher Ebene finden könnte. In unseren europäischen Gesellschaften sind Frauen und Männer gleichberechtigt und die islamischen Vorstellungen stehen diesen Werten diametral entgegen. Unsere Regeln und Vorstellungen in diesem Zusammenhang kommen nicht aus der absoluten Wahrheit eines göttlichen Buches heraus, dessen Inhalte wie Naturgesetze gelten. Vielmehr bestimmen Objektivität und Rationalismus unser Denken und Handeln und zwar in jedem Lebensbereich. Als zivilisierte Menschen, die mit diesen Eigenschaften ausgestattet sind, können wir  – um beim Beispiel zu bleiben – durchaus feststellen, dass zwischen Frauen und Männer gewisse Unterschiede bestehen, die eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen. So müssen Schwangere bei der Erfüllung ihrer Arbeitspflicht besonders geschützt werden. Aus ganz unterschiedlichen, objektiv nachvollziehbaren und gut überlegten Gründen gibt es so etwas wie den Mutterschaftsurlaub. Es gibt objektive Gründe dafür, weshalb die Militärdienstpflicht in den meisten Staaten nur für Männer obligatorisch ist. Beim sportlichen Wettkampf sind Frauen und Männer aufgrund unterschiedlicher körperlicher Stärke getrennt. Überlegungen wie jene im Koran oder die Art und Weise, wie im Islam Schlussfolgerungen gezogen werden, wie dies der angeblich “grosse” islamische Gelehrte al-Ghazali tut, sind uns in jeder Hinsicht fremd. Einerseits, weil sie objektiv betrachtet frauenverachtend sind und krass dem Gleichberechtigungsgedanken widersprechen und andererseits ein Denkmuster beinhalten, das für ein Leben in Europa völlig untauglich ist. Bei diesem Absolutheitsgrad ist nämlich auch staatliches Recht der Wahrheit des Koran untergeordnet und jede andere gesellschaftliche Regel. Vor allem ist diese Prämisse der Wahrheit des Koran hinderlich für das objektive Denken, was in unserer Gesellschaft überlebensnotwendig ist. Wie ich vorhin ausgeführt habe, stellt dieses Denkmuster, das dem Rationalismus und dem objektiven Denken feindlich gesinnt ist, weitaus das grössere Problem im Islam dar als die Geschlechterdiskriminierung. Es ist eines der Hauptgründe, weshalb sich die islamische Welt nicht entwickeln konnte. Ohne eine Emanzipation aus diesem Absolutheitsgedanken des Koran werden sich jedenfalls Muslime niemals weiterentwickeln und sich in Europa auch niemals integrieren können.

Um die eingangs gestellte Frage hier am Schluss zu beantworten: Nein, der Islam hat die Gleichberechtigung der Geschlechter weder erfunden, noch beinhaltet sie ansatzweise irgendwelche Inhalte, die für die Emanzipation der Frau sprechen. Eine muslimische Frau steht nicht einmal im Glauben auf der gleichen Stufe wie ein muslimischer Mann, obwohl immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Vor Gott seien Mann und Frau gleich. Das stimmt nicht. So ist die Freitagspredigt nur für die Männer eine Pflicht. Wenn eine Frau ebenfalls den Wunsch hätte, der Predigt zu folgen, gibt es für sie in den meisten Moscheen keinen Platz. Selbst im Jenseits, wo es für die Muslime nach islamischer Vorstellung ja so viel besser werden soll, geht die schreiende Ungerechtigkeit weiter: Wenn ein muslimischer Mann zu einem “Märtyrer” wird, werden ihm gemäss Scharia die berühmten 72 Jungfrauen zugesprochen, die nach jedem Geschlechtsverkehr wieder zu Jungfrauen werden, um gleich nochmals vom gleichen “Märtyrer” entjungfert zu werden. Die Belohnung einer guten Muslimin hingegen ist, dass sie auch im Jenseits bei ihrem Ehemann verbleiben darf (während sich dieser wohl gleichzeitig mit den 72 Jungfrauen vergnügt).

reefer (1)

Gleichberechtigung im Islam?

2 thoughts on “Gleichberechtigung im Islam?

  1. Wie immer sehr interessant geschrieben. Doch an einem Punkt will ich widersprechen. Auch Europa kannte dieses Denkmuster, dass die Frauen minderwertig sind. Ich empfehle hier den Hexenhammer von Jakob Sprenger und Heinrich Institoris. Die blutige Inquisition ist ein lebendiges Beispiel dafür. Erst Friedrich Spee von Langenfeld konnte mit seiner Cautio Criminalis den Hexenprozessen entgegentreten und Europa vom mittelalterlichen Denken in ein vernunftsmäßiges Denken katapultieren. Dies hatte jahrhundertelang gedauert. Nur der Aufklärungen haben wir es zu verdanken, dass wir heute vernunftbegabte Menschen sind, männlich und weiblich, jeder nach seinen Gaben und jeder mit denselben Rechten ausgestattet. Da der Islam dem Christentum 650 Jahre hinterherhinkt, haben die Moslems ja noch Zeit, ihren Syllogismus zu überwinden und allgemeine Menschenrechte zu akzeptieren

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