Wie freiwillig ist das freiwillige Tragen des islamischen Kopftuchs?

Nachdem ich mich bereits einmal sehr ausführlich zum islamischen Kopftuch geäussert habe, möchte ich meinen ersten Blog-Artikel in diesem Jahr einem besonderen Aspekt dieses Themas widmen. Es soll im Nachfolgenden um die Frage nach der Freiwilligkeit des Tragens des islamischen Kopftuchs und anderer Verhüllungsformen des orthodoxen Islams gehen. Diese angebliche Freiwilligkeit ist bei Diskussionen unter Europäern sehr oft das schlagende Argument schlechthin, das sich jeweils ungefähr so anhört: «Ja, wissen Sie… Ich bin zwar auch kein Fan vom islamischen Kopftuch, aber solange eine Frau das freiwillig macht, darf und soll man sie nicht davon abhalten wollen!» Selbstverständlich könnte dem entgegengehalten werden, dass das politische Statement des islamischen Kopftuchs und die damit zum Ausdruck kommende Sexualmoral mit Geschlechterapartheid ohnehin völlig inakzeptabel sei und die Freiwilligkeit daher nicht wirklich eine Rolle spiele. Ich möchte es aber bei diesem einen Gegenargument nicht belassen, weil die meisten regressiven Linken dem entgegenhalten würden, dass diese Sexualmoral zulässig sein muss, solange sie auf freiwilliger Basis erfolge. Deshalb möchte ich genau auf diesen Punkt eingehen, namentlich auf die Freiwilligkeit selbst. Was bedeutet eigentlich «freiwillig»? Ist das Tragen des islamischen Kopftuches denn wirklich freiwillig?

Meines Erachtens können wir die angebliche Freiwilligkeit des Hijab-Tragens daran messen, wenn wir betrachten, was geschieht, wenn eine Frau oder eine Vielzahl von Frauen den Hijab nicht mehr tragen wollen. Wie wir wissen, ist dies in vielen Staaten dieser Erde überhaupt keine Option, womit wir es mindestens in diesen Fällen wohl unstrittig nicht mit Freiwilligkeit zu tun haben. Dann gibt es muslimisch geprägte Staaten, wo eine gesetztliche Pflicht zur Verschleierung zwar nicht besteht, aber der gesellschaftliche Druck so gross ist, dass etwas anderes nicht zur Debatte steht wie beispielsweise Ägypten. Und dann kennen wir den Umgang mit Frauen in Europa, die den Hijab ablegen. Regelmässig werden solche Frauen bedroht und beschimpft. Meines Erachtens kann daher kaum bestritten werden, dass solche Dinge enorm einschüchternd wirken, so dass eine Frau auf einen solchen Schritt lieber verzichtet und es erst gar nicht wagt, das islamische Kopftuch oder den Niqab abzulegen.

Tatsache ist, dass die islamische Orthodoxie kein Ding der Freiwilligkeit ist und meines Erachtens sollten wir beim Gebrauch des Freiwilligkeitsbegriffs ohnehin etwas sorgsamer sein. Immerhin ist in diesem Wort der sogenannte «freie Wille» versteckt, mit anderen Worten die Fähigkeit und die Freiheit, in Eigenverantwortung Entscheidungen treffen zu können und die Konsequenzen dieser Entscheidungen zu tragen. Um freien Willen zu haben, braucht es einerseits eine gewisse Reife (Urteils- und Handlungsfähigkeit) und vor allem darf es keinerlei Zwang geben. Ansonsten ist etwas nicht wirklich freiwillig.

Wenn eine Frau, die das Kopftuch ablegt, im besten Fall von Eltern, Verwandten und Freundeskreis gemobbt und gemieden  und im schlimmsten Fall verletzt oder sogar umgebracht wird, kann nicht wirklich von Freiwilligkeit die Rede sein. Und das ist genau der wichtige Unterschied, wenn wir von freiwilligen Entscheidungen im Bereiche der Religion sprechen. Ein gewöhnlicher Westeuropäer mit christlichen Wurzeln kann in aller Regel problemlos zu einer anderen christlichen Denomination oder zu einer anderen Religion wechseln und selbstverständlich auch ganz auf Religion verzichten, ohne dass dies gesellschaftliche, familiäre oder gar lebensbedrohliche Konsequenzen für ihn hätte. Eine Scharia-Muslimin hingegen, die das islamische Kopftuch angeblich freiwillig trägt, kann dieses nicht einfach so von einem Tag auf den anderen ablegen. Wer glaubt, dass dies mindestens in Europa  möglich sei, lebt vermutlich in einem anderen Jahrzehnt.

Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte und deshalb möchte ich den Lesern meines Blogs abschliessend einige Fotos zeigen, die ich neulich auf einer türkischen Webseite gefunden habe. Die Fotos zeigen eine Hijab-Party («Kapanma partisi») an einer Grundschule in der Türkei, bei der die Kinder sich verschleiern und diesen Anlass feiern. Wörtlich bedeutet «kapanmak» (Verb) übrigens passenderweise «sich verschliessen» und somit würde die wörtliche Übersetzung dieses Anlasses «Die Party des Sich-Verschliessens» lauten. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

In diesem Kontext bedeuten die nachfolgenden Fotos, dass sich die Kinder hier zum ersten Mal aber auch für die Zukunft verschleiern, d.h. von nun an «Tesettür» tragen werden, also ein Kopftuch und in der Regel ein Mantel oder etwas in dieser Art, sprich einen Hijab.

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Auf den Tafeln steht: «Gott sei Dank habe ich mich verschleiert»; «Ich habe es getan, weil es Gottes Befehl ist»; «Glück ist ein gutes Geschäft»; eine andere Variante von «Gott sei Dank habe ich mich verschleiert»; «Los, verschleiere dich auch»; «Ich habe mich verschleiert, ich bin glücklich»; «Hoffentlich (inschallah) wird euch dies ebenfalls zuteil werden»; «Auch ich habe mich nun verschleiert»

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Auf dem «Bilderrahmen» steht «Wir sind glücklich mit Tesettür»

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Auch wenn diese Bilder vermutlich zunächst schockierend wirken, kann ich meinen Lesern versichern, dass die Hirnwäsche, die auf diesen drei Bildern dokumentiert wird, noch eine harmlose ja sogar eine liebevolle Variante der Kinderverschleierung darstellt. In aller Regel findet für so etwas keine Party statt. Vielmehr kommt die Mutter im Auftrag des Vaters eines schönen Tages zur Tochter und gibt den Befehl durch, dass sie sich von nun an verschleiern müsse. So sieht die «Freiwilligkeit» des Kopftuchs in den meisten Fällen faktisch aus.

Natürlich bedeutet das noch lange nicht, dass sich alle Musliminnen, die sich an diesem einen Tag in ihrem Leben verschleierten und seither verschleiert geblieben sind, unterdrückt fühlen. Der Hijab ist für viele dieser Frauen seit jenem schicksalshaften Tag ein Teil ihres Lebens, den sie oft auch akzeptiert haben und der seither irgendwie zu ihnen gehört. Doch das bedeutet wiederum nicht, dass wir es vorliegend mit «Freiwilligkeit» zu tun haben, weil sofern etwas wirklich freiwillig sein soll, eine echte Option bestehen muss, genau das Gegenteil zu tun, namentlich das Kopftuch abzulegen, was die wenigsten Frauen, die das islamische Kopftuch tragen, tun können.

Wie freiwillig ist das freiwillige Tragen des islamischen Kopftuchs?

3 thoughts on “Wie freiwillig ist das freiwillige Tragen des islamischen Kopftuchs?

  1. Wyssmann says:

    Logisch gesehen könnte eine Frau auch mangels Alternativen sich freiwillig verschleiern, wenn sie nun gerade das so wollte. Die Frage nach der Freiwilligkeit stellt sich allerdings schon früher, also da, wo der Wille zur Verschleierung durch das Umfeld in der Kindheit geformt wird. Man spricht nicht umsonst von Gehirnwäsche! Und wer würde einem Gehirngewaschenen freien Willen unterstellen?!?

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  2. Gritt Kutscher says:

    In gewisser Weise ist die angebliche Freiwilligkeit des Verschleierns vergleichbar mit dem Tragen des Pionierhalstuchs oder des FDJ-Hemdes. Als Kind, das gerade in die Schule gekommen war, waren die meisten von uns stolz, nun endlich groß zu sein und ein Halstuch mit schicker Pionierbluse tragen zu dürfen. Als Viertklässler wollte man bald zu denen gehören, die anstelle des blauen das rote Halstuch tragen. Und irgendwie war man Ende der 7.Klasse, so cool wie man war, froh, endlich zu den Erwachsenen zu gehören, denen das Privileg des FDJ-Hemdes zugetan war.
    So funktioniert Indoktrinierung über Emotionen.

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  3. Wolfgang Bartels says:

    Wo bitte steht im Koran etwas von Verschleiern ?
    Es steht lediglich das die Frauen züchtig ihre Reize verdecken sollen.
    Mit Reize waren Geschlechtsteile gemeint.
    Erst im achtzehnten JH unter Sultan Abdülhamid kam das Kopftuch.
    Und je weniger Haut die Frauen zeigten desto notgeiler wurden die Männer und erhitzten sich schon an kleinsten Stückchen bloser Haut.
    Was in westlich orientierten Ländern normal ist, zerstörten schwanzgesteuerte geistig benachteiligte Abbilder ihres Gottes im islamischen Kulturkreis.
    Wie sagte der Mörder von Maria Ladenburger in Freiburg so schön wöhrend des Prozesses da er den ganzen Aufwand nicht verstand “Es war doch NUR eine Frau”
    Genau aus diesem Grund gehört der Islam in westlichen Ländern verboten und Muslime strikt ausgewiesen.

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