“Ich glaube an Gleichberechtigung.” – Ein kontroverses Plakat für die ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“

Gestern hat ein mit mir über Facebook befreundeter Profifotograf, Markus Hibbeler, ein Foto eines Plakats der ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“ auf seine Facebook-Wall gepostet, das er wie folgt kommentierte: “Ich glaube an Gleichberechtigung”, sagt eine Frau, die ein Symbol trägt, das für genau das Gegenteil steht. Die Mehrheit der Muslimas hierzulande trägt übrigens kein Kopftuch. In vielen Ländern kämpfen Frauen unter Lebensgefahr gegen die Verschleierung, während der öffentlich-rechtliche Staatsfunk den Hidschab als Gleichberechtigung verkauft. (Foto: Holger Bloehte)“

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(Plakat der ARD-Themenwoche “Woran glaubst Du?”; Foto von Holger Bloehte)

Selbstverständlich kann ich den Ausführungen von Markus Hibbeler, dessen Ansichten ich sehr schätze, zu 100% beipflichten. Es gibt aus meiner Sicht jedoch noch einiges mehr zu diesem Plakat respektive über dessen Inhalt, Bedeutung und die darin enthaltenen Botschaften zu sagen, was Gegenstand des vorliegenden Blog-Artikels sein soll.

Auf dem Bild ist eine nach den Regeln der Scharia lebende orthodoxe Muslimin zu sehen, die ihr islamisches Kopftuch (hijab) in Ordnung bringt. Durch diese Handlung steht folglich vor allem der Umstand, dass diese Frau ein islamisches Kopftuch trägt, im Zentrum der Botschaft, die das Bild vermitteln soll. Diese Botschaft wird verstärkt, da mitten auf dem Bild in fetten Grossbuchstaben die Worte “Ich glaube” stehen, womit das islamische Kopftuch mit dem Glauben in einen funktionalen und unmittelbaren Zusammenhang gebracht wird. Damit wird das Tragen des islamischen Kopftuchs als unbedingt erforderlicher Bestandteil des Glaubens gerechtfertigt. Bereits diese Bildbotschaft ist insbesondere gegenüber nichtmuslimischen Zuschauern, die wenig bis keine Ahnung vom Islam haben, irreführend, zumal das islamische Kopftuch mit dem Glauben selbst nichts zu tun hat. Wenn das islamische Kopftuch für den muslimischen Glauben derart zentral wäre und ein unmittelbarer Zusammenhang dieses Kleidungsstücks zum Glauben bestünde, wären sämtliche Musliminnen, die kein Kopftuch tragen, Ungläubige (was von Schariamuslimen ja immer wieder behauptet wird). Das islamische Kopftuch hat mit dem Glauben an das Transzendente nichts zu tun und hat nicht die zentrale Bedeutung im Islam, wie dieses Bild es vermitteln möchte. Das islamische Kopftuch zielt allein darauf ab, die in einer islamischen Scharia-Gesellschaft zu geltende strenge Sexualmoral und die damit einhergehende Geschlechterapartheid durchzusetzen. Die Durchsetzung dieses gesellschaftspolitisch motivierten Verhaltens hat mit dem Glauben selbst, insbesondere mit dem Glauben an Gott, überhaupt nichts zu tun.

Besonders interessant beim beim graphischen Aufbau des Plakats ist auch die Fortsetzung des Satzes, der mit “Ich glaube” beginnt. Der zweite Satzteil “an die Gleichberechtigung”, ist nämlich in kleinerer und normaler Schrift (also nicht mehr mit fetter Schrift wie “Ich glaube”) wiedergegeben. Die Botschaft, die damit vermittelt wird, kann, soll und muss in zweifacher Hinsicht verstanden werden. Der Glaube steht einerseits über dem Gedanken der Gleichberechtigung und hat durch diese Schriftwahl einen wichtigeren Stellenwert als diese, insbesondere auch wegen des Bildes mit einer ihr Kopftuch zurecht richtenden Muslimin, die mit dieser Handlung der Strenge der Scharia folgt und dafür sorgt, dass man bloss kein Haar von ihr sieht. Der Islam respektive der Glaube steht mit dieser Schriftwahl über der verfassungsrechtlich garantierten Gleichberechtigung. Andererseits kann man bei genauerer Betrachtung dieses Plakats auch die Suggestion wahrnehmen, dass der Gedanke der Gleichberechtigung sogar Teil dieses Glaubens sei. Das Letztere wird durch den erklärenden Anschlusssatz verdeutlicht: “Glauben hat viele Gesichter”. Mit anderen Worten kann und soll  der Gedanke der Gleichberechtigung der Geschlechter auch über Alternativwege verwirklicht werden können, namentlich auch durch die Scharia. Dies bedeutet freilich, dass die Scharia angeblich nicht nur nicht im Widerspruch zu den Gedanken der Gleichberechtigung stünde. Gemäss dieser Ansicht, die nach Meinung des öffentlich-rechtlichen Senders mindestens vertretbar sein muss, zumal er keine Probleme damit hat, solche Botschaften zu verbreiten, kann die Gleichberechtigung sogar als Teil der Scharia betrachtet werden. Damit wird die Gleichberechtigung der Geschlechter zu einer Errungenschaft der Scharia und diese wird durch den Glauben verwirklicht, wobei der Glaube mit dem Tragen des islamischen Kopftuchs geradezu erfüllt wird, womit das Kopftuch angeblich ein zentraler Bestandteil dieses Glaubens sei. Gleichberechtigung ist damit angeblich allein eine Frage der Perspektive, wobei nach Ansicht der ARD-Redaktion offenbar auch die muslimische Perspektive gegenüber der Gleichberechtigung Achtung und Aufmerksamkeit verdient.

Solche bemerkenswerten Gedankengänge, die ich soeben beschrieben habe, könnten dem einen oder anderen aufmerksamen Leser meines Blogs bekannt vorkommen. In meinem letzten Blog-Artikel etwa hatte ich Nushin Atmaca vom Liberal-Islamischen Bund (LIB) zitiert, die angegeben hatte, dass Menschenrechte nicht als etwas “Externes” anzusehen seien, sondern als Bestandteil der Scharia. Ähnliche absurde Meinungen werden unter Anderem auch vom türkischen Prediger Fethullah Gülen vertreten,  der aus nicht nachvollziehbaren Gründen auch immer wieder als liberal bezeichnet wird. Er sieht zwischen den Wissenschaften und der Scharia keinen Widerspruch. Vielmehr würden gemäss seiner Ansicht sowohl der Koran als auch die Wissenschaften den Blick auf die identischen Dinge richten, nur mit zwei unterschiedlichen Feldstechern. Auch er ist einer von vielen Scharia befolgenden Muslimen, welche die Wissenschaften als Teil des Islam betrachten.

Wenn wir diese Positionen zusammenfassen, bedeutet dies, dass die grössten Errungenschaften des Westens nicht nur in keinem Widerspruch zur Scharia stehen sollen. Vielmehr seien diese gemäss diesem Weltbild Bestandteil von etwas wesentlich Grösserem, namentlich der Scharia!

Leider gibt es in westlichen Ländern, insbesondere in Deutschland, viele Menschen, die solchen Ansichten Toleranz und Verständnis entgegenbringen und diese als vertretbare Meinungen akzeptieren. Sie erkennen zwar (ich hoffe dies zumindest), dass der Wahrheitsgehalt solcher Angaben bei objektiver Betrachtung gleich Null ist. Wenn die Scharia mit vorgeblich anderen Mitteln und durch Alternativmethoden, namentlich durch islamische, zu vermeintlich gleichen Ergebnissen gelange wie wir, was unsere Errungenschaften wie Gleichberechtigung, Menschenrechte  und Naturwissenschaften anbelangt, soll dies nach Ansicht dieser schariatoleranten Europäer doch zulässig sein. Solange die Schariaanhänger unsere zentralen Errungenschaften hochhalten, was diese Muslime durch die  Inklusion dieser Dinge in die Scharia ja tun, wird dies als etwas Positives und damit Zulässiges betrachtet. Dies zumindest soll auch durch dieses Plakat von ARD vermittelt werden. Mindestens kommt die Botschaft bei mir so an. Das Problematische bei dieser schariatoleranten Haltung ist nicht bloss, dass man die offensichtliche Unwahrheit als eine vertretbare Meinung anerkennt. Die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Menschenrechte und die Wissenschaften sind erwiesenermassen keine Errungenschaften der Scharia, was meines Erachtens unstrittig sein sollte. Vielmehr blendet man durch die Billigung dieser Unwahrheit wichtige Tatsachen aus, die durchaus relevant wären, auf die ich nachfolgend einzeln eingehen möchte.

Es war die totalitäre Scharia, welche die arabisch-persische Hochkultur vernichtete, der wir die Überlieferung von vielen philosophischen und naturwissenschaftlichen Schriften der Antike aber auch eigene wissenschaftliche Erkenntnisse in den Bereichen der Mathematik, Astronomie, Optik, Medizin und in vielen anderen Disziplinen verdanken. Wenn jemand denkt, dass die angesprochenen arabischen respektive persischen Wissenschaftler streng nach der Scharia lebende orthodoxe Muslime waren, irrt sich. Bei einigen von ihnen muss selbst die Bezeichnung Muslim in Frage gestellt werden, weil diese Bezeichnung aus heutiger Perspektive irreführend wäre, zumal der Glaube dieser Menschen mit dem Glauben der heutigen Muslime wenig zu tun hat. Diese Hochkultur war keineswegs islamisch im heutigen Sinne, auch wenn dies immer wieder behauptet wird. Die Hadithe, welche die Verhaltensweisen und Befehle des Propheten beschreiben, welche die Muslime zu kopieren und befolgen haben, gab es zum Zeitpunkt der Hochblüte dieser Kultur noch nicht und insofern auch keinen Islam im heutigen Sinne.  Sie entstanden rund zweihundert Jahre nach den angeblichen Ereignissen um einen arabischen Propheten namens Mohammed. Mit dem Aufkommen und der Verbreitung der Hadithe und der damit einhergehenden Orthodoxie verschwand allmählich auch die Hochkultur. Für diesen Niedergang der arabisch-persischen Hochkultur im Osten steht insbesondere der Name Ghazali im Vordergrund, der einer der Hauptverantwortlichen für den Untergang dieser Zivilisation war. Somit hat die Scharia bereits in der Vergangenheit die Wissenschaften keineswegs gefördert, was deren Inklusion in den Islam eine Respektlosigkeit gegenüber den grossen arabischen und persischen Gelehrten bedeutet. Viele von ihren Werken wurden von Schariabrüdern sogar verbrannt.

Darüber hinaus ist es eine Binsenwahrheit, dass es um die Wissenschaften in der islamischen Welt auch heute nicht gut bestellt ist und damit die Scharia und die Wissenschaften in einem diametralen Widerspruch zueinander stehen. Ich möchte dazu nur auf das Beispiel der breiten Ablehnung der Evolutionstheorie in der islamischen Welt hinweisen. Das Problem dabei ist, dass es aus ganz objektiven Gründen nicht möglich ist, die Evolutionstheorie abzulehnen und gleichzeitig zu behaupten, dass die Scharia und die Wissenschaften nicht in einem Widerspruch zueinander stünden. Ohne Evolutionstheorie kann man als Biologe nämlich keine ernstzunehmende und moderne Genetikforschung betreiben und wenn man die Genetik vom Fachbereich Biologie ausklammern würde, könnten wir gleich damit aufhören, Biologie als eine Naturwissenschaft zu betrachten. Ich denke, dass ich nicht länger begründen muss, dass die modernen Wissenschaften keineswegs Teil von etwas angeblich wesentlich Grösserem, namentlich der Scharia, sind. Allein der katastrophale Zustand der Naturwissenschaften in muslimisch geprägten Ländern aber auch der Geisteswissenschaften, die nicht den Islam zum Gegenstand haben, sowie die allseits bekannte Wissenschaftsferne und Wissenschaftsfeindlichkeit der Schariagesellschaften sollten reichen, um aufzuzeigen, dass Wissenschaften und die Scharia keineswegs durch verschiedene Ferngläser auf das Gleiche blicken, so wie der angeblich “liberale” Fethullah Gülen dies behauptet.

Ich komme zu den Menschenrechten, die gemäss Nushin Atmaca vom Liberal-Islamischen Bund (LIB) nicht als etwas “Externes” anzusehen seien, sondern als Bestandteil der Scharia. Mit dieser Auffassung steht sie im Einklang – man beachte dazu das nachfolgend Festgedruckte – mit den Verfassern der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam aus dem Jahr 1990, die als eine islamische Gegenversion zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahr 1948 niedergeschrieben wurde. Dort heisst es in der Präambel: “Die Mitglieder der Organisation der Islamischen Konferenz betonen die kulturelle und historische Rolle der islamischen Umma, die von Gott als die beste Nation geschaffen wurde und die der Menschheit eine universale und wohlausgewogene Zivilisation gebracht hat, in der zwischen dem Leben hier auf Erden und dem im Jenseits Harmonie besteht und in der Wissen mit Glauben einhergeht; und sie betonen die Rolle, die diese Umma bei der Führung der durch Konkurrenzstreben und Ideologien verwirrten Menschheit und bei der Lösung der ständigen Probleme dieser materialistischen Zivilisation übernehmen sollte; sie möchten ihren Beitrag zu dem Bemühen der Menschheit leisten, die Menschenrechte zu sichern, den Menschen vor Ausbeutung und Verfolgung zu schützen und seine Freiheit und sein Recht auf ein würdiges Leben in Einklang mit der islamischen Scharia zu bestätigen; (…) sie glauben, daß die grundlegenden Rechte und Freiheiten im Islam ein integraler Bestandteil der islamischen Religion sind und daß grundsätzlich niemand das Recht hat, sie ganz oder teilweise aufzuheben, sie zu verletzen oder zu mißachten, denn sie sind verbindliche Gebote Gottes, die in Gottes offenbarter Schrift enthalten und durch Seinen letzten Propheten überbracht worden sind, um die vorherigen göttlichen Botschaften zu vollenden. Ihre Einhaltung ist deshalb ein Akt der Verehrung Gottes und ihre Mißachtung oder Verletzung eine schreckliche Sünde, und deshalb ist jeder Mensch individuell dafür verantwortlich, sie einzuhalten – und die Umma trägt die Verantwortung für die Gemeinschaft.

Wenn man so wie Nushin Atmaca oder die Verfasser der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam der Ansicht folgt, dass die Menschenrechte Bestandteil der Scharia seien, kommt dabei eine Menschenrechtsordnung heraus, die mit Schariavorbehalten versehen ist, zumal eine solche Menschenrechtsordnung der Scharia logischerweise nicht widersprechen kann. Ansonsten könnte ja nicht behauptet werden, dass die Menschenrechte Bestandteil der Scharia seien, wie dies Nushin Atmaca tut. Hier einige Auszüge aus der Kairoer Erklärung, die eine solche Menschenrechtsordnung darstellt, die sich als integraler Bestandteil der Scharia betrachtet, wie aus der vorzitierten Präambel zu erkennen ist:

Das Leben ist ein Geschenk Gottes, und das Recht auf Leben wird jedem Menschen garantiert. Es ist die Pflicht des einzelnen, der Gesellschaft und der Staaten, dieses Recht vor Verletzung zu schützen, und es ist verboten, einem anderen das Leben zu nehmen, außer wenn die Scharia es verlangt (Art. 2, lit b).

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird garantiert. Jeder Staat ist verpflichtet, dieses Recht zu schützen, und es ist verboten, dieses Recht zu verletzen, außer wenn ein von der Scharia vorgeschriebener Grund vorliegt (Art. 2 lit. d).

In Einklang mit den Bestimmungen der Scharia haben beide Elternteile bestimmte Rechtsansprüche gegenüber ihren Kindern; und Verwandte haben Rechtsansprüche gegenüber ihren Nachkommen (Art. 7 lit. c).

Der Islam ist die Religion der reinen Wesensart. Es ist verboten, irgendeine Art von Druck auf einen Menschen auszuüben oder seine Armut oder Unwissenheit auszunutzen, um ihn zu einer anderen Religion oder zum Atheismus zu bekehren (Art. 10).

Jeder Mensch hat innerhalb des Rahmens der Scharia das Recht auf Freizügigkeit und freie Wahl seines Wohnortes, entweder innerhalb oder außerhalb seines Landes. Wer verfolgt wird, kann in einem anderen Land um Asyl ersuchen. Das Zufluchtsland garantiert seinen Schutz, bis er sich in Sicherheit befindet, es sei denn, sein Asyl beruht auf einer Tat, die nach der Scharia ein Verbrechen darstellt (Art. 12).

Jeder hat das Recht, den Erfolg seiner wissenschaftlichen, literarischen, künstlerischen oder technischen Arbeit zu genießen und die sich daraus herleitenden moralischen und materiellen Interessen zu schützen, vorausgesetzt, daß die Werke nicht den Grundsätzen der Scharia widersprechen (Art. 16).

Über Verbrechen oder Strafen wird ausschließlich nach den Bestimmungen der Scharia entschieden (Art. 19 lit. d).

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, soweit er damit nicht die Grundsätze der Scharia verletzt (Art. 22 lit. a).

Information ist lebensnotwendig für die Gesellschaft. Sie darf jedoch nicht dafür eingesetzt und mißbraucht werden, die Heiligkeit und Würde der Propheten zu verletzen, die moralischen und ethischen Werte auszuhöhlen und die Gesellschaft zu entzweien, sie zu korrumpieren, ihr zu schaden oder ihren Glauben zu schwächen (Art. 22 lit. c).

Jeder Mensch hat das Recht, sich direkt oder indirekt an der Verwaltung der Staatsangelegenheiten in seinem Land zu beteiligen. Er hat auch das Recht, in Einklang mit den Bestimmungen der Scharia ein öffentliches Amt zu bekleiden (Art. 23 lit. b).

Alle Rechte und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt wurden, unterstehen der islamischen Scharia (Art. 24).

Die islamische Scharia ist die einzig zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung (Art. 25).

Nach diesen Auszügen aus der Kairoer Erklärung für Menschenrechte im Islam sollte es meines Erachtens auch für Nichtjuristen offensichtlich sein, dass damit die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aber auch unsere freiheitlichen europäischen Grundrechtsordnungen erheblich verwässert respektive relativiert würden, wenn man diese als Massstab nehmen würde. Wer wie Nushin Atmaca die Menschenrechte als Bestandteil der Scharia sieht, nimmt diese Verwässerung und Relativierung ganz bewusst in Kauf. Diese Folgegedanken werden von ihr zwar nicht ausgesprochen. Sie ergeben sich aber aus den Gesetzen der Logik. Wenn die Menschenrechte Bestandteil der Scharia wären, wären in dieser Menschenrechtsordnung Widersprüche zur Scharia nicht möglich. So sieht es auch die Kairoer Erklärung. Die Angabe von Nushin Atmaca, wonach die Menschenrechte ein Bestandteil der Scharia seien, ist folglich nicht nur unzutreffend und sogar glatt gelogen, weil diese vielmehr Ausfluss der Europäischen Aufklärung sind und mit der Scharia nicht das Geringste zu tun haben. Vielmehr stellt ihre Inklusion der Menschenrechte in ihr Schariasystem eine gefährliche Relativierung und Verwässerung unserer Grundrechte und unserer freiheitlichen Rechtsordnung dar.

Sehr ähnliche Gedanken und Botschaften werden mit dem Kopftuchträgerin-Plakat der ARD vermittelt. Die Gleichberechtigung stehe nicht im Widerspruch zur Scharia oder zum islamischen Kopftuch. Das sei bloss ein Vorurteil und nur vermeintlich so. Vielmehr sei die Gleichberechtigung der Geschlechter sogar ein Grundgedanke des Islam, was mit dem Tragen des islamischen Kopftuchs angeblich sogar zum Ausdruck komme. Das sind die Botschaften, die mindestens bei mir ankommen. Insbesondere junge Schariamusliminnen verbreiten oft solche Botschaften, beispielsweise auch, dass die Kleidungsvorschriften des Islam Frauen befreien würden, weil sie damit nicht mehr als Sexobjekte betrachtet würden. Solche Frauen behaupten zudem des öfteren, dass der Islam – allen voran Mohammed – die Frauen befreit habe. Er sei der erste Feminist. Ich habe das wirklich auch schon gehört! Dann geben sie in Fernsehsendungen an, zu denen sie eingeladen werden, dass das islamische Kopftuch sogar ein Zeichen der Emanzipation sei. Auch diese sei im Übrigen eine islamische Erfindung.

Wer hat’s erfunden? Die Muslime natürlich. Man kommt sich bei solchen Fernsehbildern vor wie in der Ricola-Werbung. Nur stimmt die Antwort nicht. Die Muslime haben diese Dinge nicht erfunden und sie waren nie Teil oder Bestandteil der Scharia.

Nein, der Islam hat die Gleichberechtigung der Geschlechter weder erfunden, noch beinhaltet sie ansatzweise irgendwelche Inhalte, die für die Emanzipation der Frau sprechen. Das Gegenteil trifft zu. Eine Muslimin kann sich beispielsweise nicht so ohne weiteres von ihrem muslimischen Mann scheiden lassen, was der muslimische Mann mit einer Einfachheit kann, die einen staunen lässt. Er muss einen Satz dreimal wiederholen und Sekunden später ist er von seiner Frau geschieden. Eine Frau hat nicht den gleichen Erbteil wie ein Mann. Ihrer Zeugenaussage wird nur der halbe Beweiswert gegenüber einer Zeugenaussage eines  Mannes zugebilligt. Einem Vater steht nach der Scharia das Recht zu, seine minderjährige Tochter zu verheiraten. Eine muslimische Frau steht nicht einmal im Glauben auf der gleichen Stufe wie ein muslimischer Mann, obwohl immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Vor Gott seien Mann und Frau gleich. Das stimmt nicht. So ist die Freitagspredigt nur für die Männer eine Pflicht. Wenn eine Frau ebenfalls den Wunsch hätte, der Predigt zu folgen, gibt es für sie in den meisten Moscheen keinen Platz. Wenn ein muslimischer Mann zu einem “Märtyrer” wird, werden ihm gemäss Scharia die berühmten 72 Jungfrauen  zugesprochen, die nach jedem Geschlechtsverkehr wieder zu Jungfrauen werden, um gleich nochmals entjungfert zu werden. Die Belohnung einer Frau hingegen ist, dass sie auch im Jenseits bei ihrem Ehemann verbleiben darf (während sich dieser vermutlich mit den 72 Jungfrauen vergnügt). Wenn man von der Benachteiligung der Frau im Islam spricht, sollte auch nicht vergessen werden, dass auch die strengen Kleidervorschriften des Islam, die auf diesem Plakat der ARD thematisiert werden, in erster Linie Frauen treffen und nicht Männer. Zwar treffen auch Männer gewisse Regeln der Sittlichkeit. Diese können aber mit denjenigen, welche Frauen zu befolgen haben, nicht verglichen werden. Mit anderen Worten trifft es überhaupt nicht zu, dass die Frau im Islam mit dem Mann gleichberechtigt sei. Das ist sie ganz klar nicht, nicht einmal in Bereichen, die ausschliesslich den Glauben betreffen. Allein die Tatsache, wie es um die Gleichberechtigung der Geschlechter in muslimisch geprägten Ländern steht, dürfte die absurde Behauptung, wonach Scharia-Islam Gleichberechtigung bedeute, auch ohne diese Angaben widerlegt haben.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Blog-Artikel verdeutlichen konnte, dass die Toleranz gegenüber islamischen Unwahrheiten, wonach die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Menschenrechte, die Wissenschaften und viele andere westliche Errungenschaften Bestandteil oder Teil der Scharia respektive des Islam darstellen, fehl am Platz ist. Dabei geht es nicht ausschliesslich darum, dass die Akzeptanz dieser Unwahrheiten, die man als “Ausdruck der Religions- und Meinungsfreiheit” wahrnimmt, einen Verrat gegenüber unseren Errungenschaften darstellt. Das wäre vielleicht noch zu verkraften. Vielmehr relativiert und verwässert diese unkritische Zulassung einer Inklusion unserer Werte in die Scharia, die von Scharia-Muslimen als etwas Grösseres verstanden wird, genau diese Werte. Dass ein deutscher öffentlich-rechtlicher Sender sich instrumentalisieren lässt, solche Unwahrheiten zu verbreiten, die dazu noch unsere Errungenschaften wie die Gleichberechtigung der Geschlechter relativieren und damit gefährden, ist ein Skandal sondergleichen.

“Ich glaube an Gleichberechtigung.” – Ein kontroverses Plakat für die ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“

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