Über die Rolle der Frau im Islam und ein grösseres Problem – unter Berücksichtigung eines Textes von al-Ghazali

Immer wieder behaupten Islamapologeten aber vor allem Islamapologetinnen in Fernsehsendungen, dass im Islam Frauen und Männer gleichberechtigt seien und Mohammed respektive der Islam die Frauen befreit habe. Auch moderne Musliminnen und Muslime versuchen den Islam ganz im Sinne der Gleichberechtigung der Geschlechter zu verstehen und zu interpretieren. Sie tun dies jedoch anders als die Islamapologeten auf eine ganz bewusste Art und Weise, indem sie bestimmte Inhalte des Islam nicht praktizieren. Solche Musliminnen und Muslime gibt es durchaus und ihre Zahl ist auch nicht gering. Für sie sind die europäische Aufklärung und der Humanismus die Grenze ihres Islam. Die Apologeten und Apologetinnen hingegen tun teilweise so, wie wenn selbst diese Dinge (ich meine damit die Aufklärung und den Humanismus) vom Islam erfunden worden wären und Frauen und Männer im Islam durchaus gleichberechtigt seien. Wenn dazu noch eine Kopftuchträgerin, die nach den Grundsätzen der Scharia lebt, solche Dinge vor laufender Kamera sagt, wird dies zu einer besonders absurden Szene, insbesondere wenn man etwas genauere Kenntnisse über den Islam hat.

Nachfolgend möchte ich zunächst die berühmte Stelle aus dem Koran, Sure 4:34, zitieren, die den Behauptungen der Islamapologeten und –apologetinnen klar widerspricht. Die Übersetzung stammt von Rudi Paret, womit gesagt werden kann, dass es gegenwärtig keine bessere Übersetzung ins Deutsche gibt als diese, dies natürlich im Sinne davon, wie der Koran von der Tradition verstanden wird und nicht nach Christoph Luxenberg.

„Die Männer stehen über (qauwāmūn ʿalā) den Frauen, weil Gott sie (von Natur aus vor diesen) ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen?) gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und geben acht auf das, was (den Außenstehenden) verborgen ist, weil Gott (darauf) acht gibt (d.h. weil Gott darum besorgt ist, dass es nicht an die Öffentlichkeit kommt). Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie (wa-dribū-hunna)! Wenn Sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Im ersten Teil dieser Koranstelle wird klar die Überordnung des Mannes gegenüber der Frau festgelegt. Dies steht einerseits wortwörtlich dort und ferner entspricht diese Interpretation auch der Meinung der Tradition. Darüber hinaus ist dies die praktizierte Realität in der islamischen Welt.

Der Schluss dieser Koranstelle sieht – so wie man nachlesen kann – ein Züchtigungsrecht des Mannes gegenüber seiner Frau vor. Dabei gibt es eine Kaskade von drei Stufen, was von gewissen Musliminnen und Muslimen als eine Art Errungenschaft empfunden wird respektive als etwas Modernes. Zuerst wird die Frau ermahnt und nicht gleich geschlagen. Dann gibt es Sexentzug (was für eine Strafe!). Erst, wenn selbst das nicht gewirkt hat, dann wird geschlagen! Dazu gibt es übrigens Regeln. Man(n) schlägt seine Frau nicht einfach so, wie es einem gerade passt. Die Scharia gibt dazu nützliche Tipps, wie diese beiden Damen aus Australien in diesem Film mit viel Detailwissen darlegen. Auch andere Filme auf YouTube sagen darüber ähnliche Dinge. Der Mann soll mit einem kleinen Stecken schlagen, mit einem Tuch oder mit der flachen Hand und nicht mit der Faust und vor allem niemals mit Verletzungsabsicht (weil man(n) ja sein Eigentum nicht zerstören sollte, ist schliesslich Gabe Gottes).

In Anbetracht dieser Koranstelle kann meines Erachtens nicht behauptet werden, dass im Islam Frau und Mann gleichberechtigt seien. Dies widerspricht dem klaren Wortlaut des Koran und entsprechende Behauptungen sind nichts anderes als Taqiya, um den Islam vor Kritik von Ungläubigen zu verteidigen, ausser die Person, die solchen Unsinn ausspricht, hätte tatsächlich keine Ahnung vom Islam. Jedenfalls sollten solche Äusserungen nicht ernst genommen werden. Der Überordnung des Mannes gegenüber der Frau folgt sein Züchtigungsrecht. Wer hier von Gleichberechtigung sprechen kann, hat sicherlich nicht das gleiche Verständnis davon, was normalerweise darunter verstanden wird.

Um es noch deutlicher zu machen, weshalb nach islamischer Vorstellung Frauen Männern untergeordnet sind, möchte ich aus dem Nasihat al Muluk (Ratgeber für Könige) des „grossen“ islamischen Denkers al-Ghazali zitieren. Damit die Bedeutung und der Stellenwert dieses al-Ghazali im Islam von den Lesern eingeordnet werden kann, möchte ich Wikipedia zitieren:

„Abū Hāmid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazālī, kurz auch Alghazāli (arabisch أبو حامد محمد بن محمد الغزالي, DMG Abū Ḥāmid Muḥammad b. Muḥammad al-Ġazzālī; persisch ابو حامد محمد غزالی; lateinisch Algazel; geboren 1058 in Tūs bei Maschhad; gestorben am 19. Dezember 1111[1]), mit dem ehrenden Beinamen Huddschat al-Islām, war ein persischer islamischer TheologePhilosoph und Mystiker.

Ghazali zählt bis heute zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islams. Ihm ist die Einführung der aristotelischen Logik und Syllogistik in die islamische Jurisprudenz und Theologie zu verdanken. In seiner Philosophie vertrat er gleichwohl einen religiös motivierten Skeptizismus, der die Wahrheiten des Glaubens und der Offenbarung mit den Mitteln des philosophischen Zweifels gegen den Wahrheitsanspruch der Philosophie verteidigt. Während er einerseits für den Untergang der Philosophie im islamischen Osten (im Gegensatz zum islamischen Spanien, wo sie aufblühte) verantwortlich gemacht wird, bewirkte er auf der anderen Seite eine Wiederbelebung der Theologie.“

Mit anderen Worten stellt das Werk Nasihat al Muluk etwas Ähnliches dar wie Il Principe (Der Fürst) von Machiavelli im Westen, wobei al-Ghazali in der islamischen Welt eine ähnliche Rolle spielt wie der bedeutende Denker der Renaissance. Jedenfalls ist al-Ghazali so bedeutend, dass vier seiner Werke in die UNESCO-Sammlung repräsentativer Werke aufgenommen wurde, wobei ich fairerweise einräumen muss, dass Nasihat al Muluk nicht dazu gehört.

In diesem Buch, in dem die perfekte Beschaffenheit von Königen und ihren Ratgebern anhand von Aphorismen und Anekdoten dargelegt wird, gibt es auch ein Kapitel über die Frauen. Das Kapitel heisst „Frauen und ihre guten und schlechten Seiten“. Das Buch kann übrigens hier auf Englisch gelesen werden. Das Kapitel über die Frauen fängt auf Seite 158 an und die Stelle, die ich mit meiner eigenen Übersetzung nachfolgend zitieren werde, befindet sich auf den Seiten 164 und 165. Ich kann meinen Lesern die Lektüre mindestens dieses Kapitels nur nahelegen.

„Was die unterschiedlichen Charakteristika anbelangt, mit denen Gott im Himmel Frauen bestraft hat, verhält sich die Angelegenheit folgendermassen:

Als Eva dem allmächtigen Gott nicht gehorchte und die Frucht vom Baum im Paradiese ass, die er ihr verboten hatte, hat der Herr, sei er gepriesen, Frauen mit 18 Dingen bestraft: (i) Menstruation; (ii) (die Strapazen) der Geburt; (iii) die Trennung von Mutter und Vater und Verheiratung mit einem Fremden; (iv) die Schwangerschaft (durch diesen Mann); (v) die Unfähigkeit, über sich selbst zu bestimmen (d.h. Bevormundung durch den Mann); (vi) einen kleineren Erbteil zu haben (als Männer); (vii) die Einklagbarkeit wegen Scheidung, aber die Unfähigkeit, selbst eine Scheidungsklage einzureichen; (viii) die Tatsache, dass es rechtlich zulässig ist, dass ein Mann vier Frauen haben kann, wohingegen Frauen nur einen Mann haben können; (ix) die Tatsache, dass sie im Haus eingesperrt (d.h. abgekapselt) wird; (x) das Gebot, im Haus den Kopf zu bedecken (damit meint Ghazali, dass Frauen selbst im eigenen Haus den Kopf bedecken müssen, wenn Fremde im Haus sind); (xi) die Tatsache, dass vor Gericht die Zeugenaussagen von zwei Frauen gegen die Zeugenaussage eines Mannes entgegengebracht werden können; (xii) die Tatsache, dass die Frau das nicht verlassen darf, ohne dabei von einem nahen Verwandten begleitet zu werden; (xiii) die Tatsache, dass Männer an Freitags- und Feiertagsgebeten teilnehmen, wohingegen Frauen dies nicht tun; (xiv) der Ausschluss von Regierungsämtern und vom Richteramt; (xv) die Tatsache, dass von 1000 verdienstvollen Dingen, nur 1 Frauen zugerechnet werden kann, während Männern 999 verdienstvolle Dinge zugerechnet werden können; (xvi) die Tatsache, dass wenn Frauen verschwenderisch sind, ihnen am Tag der Auferstehung nur halb soviel Peinigung gegeben wird als dem Resten der muslimischen Gemeinschaft (mit anderen Worten werden Frauen pauschal bestraft); (xvii) die Tatsache, dass sie beim Versterben des Ehemannes eine Wartefrist von vier Monaten und zehn Tagen abwarten müssen, bevor sie sich wieder verheiraten; (xviii) die Tatsache, dass sie eine Wartefrist von drei Monaten und drei Menstruationsperioden abwarten müssen, bevor sie wieder heiraten dürfen.“

Nach diesem Zitat möchte ich den Leser nochmals an Sure 4:34 erinnern, die ich oben wiedergegeben habe, welche die Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann festlegt. Hier zählt al-Ghazali eine Reihe von für Frauen unvorteilhaften Regeln des Islam auf, die den Muslimen bekannt sind und die aus dem Koran selbst stammen, soweit ich dies mindestens erkennen kann. Es gibt hunderte von anderen Regeln, die unvorteilhaft für Frauen sind, die in anderen Quellen des Islam zu finden sind, etwa in den Hadithen. Al-Ghazali konzentriert sich hier jedoch ausschliesslich auf koranische Inhalte. Er versteht diese Nachteile als eine Strafe für die schwere Sünde, welche nicht nur zur Vertreibung vom Paradies geführt habe. Vielmehr habe Gott mit diversen Dingen, die im Koran erwähnt sind, die Frauen bestrafen wollen. Daraus folgt ihre Schlechterstellung, was aus diesen Zeilen zu vernehmen ist.

Nach dem Gesagten möchte ich zunächst festhalten, dass es eine infame Lüge ist, wonach im Islam Frauen und Männer gleichberechtigt seien. Der Koran widerspricht dieser Behauptung und auch die Tradition, wie dies anhand des Beispiels von al-Ghazali, der höchste Autorität geniesst und sogar dem “Goldenen Zeitalter des Islam” zugerechnet wird, bestens ersichtlich ist. Die Behauptung, wonach im Islam Frauen und Männer gleichberechtigt seien, ist daher aus meiner Sicht nichts anderes als Taqiya, ausser die Person, die so etwas behauptet, hätte keine Ahnung vom Islam.

Obwohl die Stellung der Frau im Islam in Anbetracht dieser Zitate aus westlich-zivilisierter Perspektive als durchaus bedenklich eingestuft werden kann, verbirgt sich hinter dem al-Ghazali-Zitat noch etwas erheblich Bedenklicheres. Hier wird der islamische Syllogismus deutlich und zwar in seiner ganzen Pracht! Dieser existiert auf der ganzen Ebene des Islam und ist dessen Kernproblem, wobei dieses Problem sogar erheblicher ist als die islamische Frauendiskriminierung! Ich meine es!

Das funktioniert ungefähr so: Das, was im Koran steht, ist nach islamischer Vorstellung, das unmittelbare Wort Gottes und ist in jeder Hinsicht perfekt. Es ist so perfekt, dass selbst Mohammed in dessen Schatten steht. Das Wort Gottes ist aus dieser Perspektive betrachtet so perfekt wie ein mathematisches oder physikalisches Naturgesetz, das gegeben und unumstösslich ist wie unser 1 + 1 = 2. Mit anderen Worten fängt jedes Argumentieren im Islam unter der Prämisse der Wahrheit koranischer Inhalte an, die wie Naturgesetze gelten. Damit sind die Benachteiligungen der Frauen, die al-Ghazali aufgezählt hat, Naturgesetze, die auch zusammengefasst einen göttlichen und naturgesetzlichen tieferen Sinn haben. Selbstverständlich ist dieser tiefere Sinn auch in Sure 4:34 zu finden. Da jede Argumentation einer Person, die diesen Prämissen folgt, sich von unseren Prämissen unterscheidet, besteht wenig Hoffnung, dass man sich mit einem solchen Menschen in gesellschaftlicher Hinsicht einigen respektive auf gedanklicher Ebene finden könnte. Das möchte ich wie folgt verdeutlichen, sofern dies bestritten werden sollte.

In unseren westlich-zivilisierten europäischen Gesellschaften sind Frauen und Männer gleichberechtigt und die islamischen Vorstellungen stehen unseren Werten diametral entgegen. Unsere Prämissen in diesem Zusammenhang kommen nicht aus der absoluten Wahrheit eines göttlichen Buches heraus, dessen Inhalte wie Naturgesetze gelten. Vielmehr bestimmen Objektivität und Rationalismus unser Denken und Handeln und zwar in jedem Lebensbereich. Als westlich-zivilisierte Menschen, die mit diesen Eigenschaften ausgestattet sind, können wir  – um beim Beispiel zu bleiben – durchaus feststellen, dass zwischen Frauen und Männer gewisse Unterschiede bestehen, die eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen. So müssen Schwangere bei der Erfüllung ihrer Arbeitspflicht besonders geschützt werden. Aus ganz unterschiedlichen, objektiv nachvollziehbaren und gut überlegten Gründen gibt es so etwas wie den Mutterschaftsurlaub. Es gibt objektive Gründe dafür, weshalb die Militärdienstpflicht in den meisten Staaten nur für Männer obligatorisch ist. Beim sportlichen Wettkampf sind Frauen und Männer aufgrund unterschiedlicher körperlicher Stärke getrennt.

Überlegungen wie jene im Koran oder die Art und Weise, wie im Islam Schlussfolgerungen gezogen werden, wie dies der grosse islamische Gelehrte al-Ghazali tut, sind uns in jeder Hinsicht fremd. Einerseits, weil sie objektiv betrachtet frauenverachtend sind und krass dem Gleichberechtigungsgedanken widersprechen und andererseits ein Denkmuster beinhalten, das für ein Leben in Europa völlig untauglich ist. Bei diesem Absolutheitsgrad ist nämlich auch staatliches Recht der Wahrheit des Koran untergeordnet und jede andere gesellschaftliche Regel. Vor allem ist diese Prämisse der Wahrheit des Koran hinderlich für das objektive Denken, was in unserer Gesellschaft überlebensnotwendig ist.

Wie ich vorhin ausgeführt habe, stellt dieses Denkmuster, das dem Rationalismus und dem objektiven Denken feindlich gesinnt ist, weitaus das grössere Problem im Islam dar als die Geschlechterdiskriminierung. Es ist eines der Hauptgründe, weshalb sich die islamische Welt nicht entwickeln könnte und in ihrer Entwicklung auch im 21. Jahrhundert stagniert. Ohne eine Emanzipation aus diesem Absolutheitsgedanken des Koran werden sich jedenfalls Muslime niemals weiterentwickeln und sich in Europa auch niemals integrieren können.

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Über die Rolle der Frau im Islam und ein grösseres Problem – unter Berücksichtigung eines Textes von al-Ghazali

One thought on “Über die Rolle der Frau im Islam und ein grösseres Problem – unter Berücksichtigung eines Textes von al-Ghazali

  1. Jürgen Winter says:

    Der Fairness halber sollte man aber klarstellen, dass diese unterschiedliche Behandlung von Männern und Frauen auch im Katholizismus üblich war bzw. ist und nur durch Luther und spätere lange Kämpfe der “Blaustrümpfe” u. a. verändert wurde.

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