Integration über Moscheen? – Eine etwas andere Kritik über den ersten moscheereport von Constantin Schreiber

Zunächst möchte ich Constantin Schreiber für seine Reportage moscheereport, deren erster Teil am 27. März 2017 im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, ausdrücklich loben. Insbesondere der erste Teil dieser ersten Sendung von insgesamt dreien, der die eigentliche Reportage umfasste, war aus meiner Sicht sehr gelungen. Sowohl die gewählten Sequenzen aus einer Freitagspredigt im al-Nour Moschee in Hamburg als auch die Fragen, die gegenüber dem Imam gestellt wurden, waren sehr gut platziert. Damit konnte der kurze Reportageteil einem deutschsprachigen Zuschauer einen relativ guten Eindruck hinterlassen, wie es in dieser für die meisten Europäer fremden Welt aussieht und um welche Inhalte es bei einer Freitagspredigt geht. Solche Eindrücke in weniger als sieben Minuten kompakt zu vermitteln, war meines Erachtens eine starke journalistische Leistung. Selbstverständlich wäre es besser gewesen, wenn nicht nur der Reportageteil sondern die gesamte Sendung etwas länger gedauert hätte.

Meine Hauptkritik gegenüber dieser Sendung richtet sich einzig gegen den zweiten Teil, als Constantin Schreiber sich im Studio mit einem geladenen Gast und einer zugeschalteten Professorin aus Frankfurt über den Reportageteil der Sendung unterhielt und Fragen stellte. Beim Studiogast handelte es sich um Daniel Abdin, dem Vorsitzenden der Schura in Hamburg, einer Organisation mit Verbindungen zum Millî Görüş und zur DITIB, und bei der zugeschalteten Professorin um Susanne Schröter, Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam in Frankfurt.

Bereits bei seiner Vorstellung der Gäste beging Constantin Schreiber meines Erachtens einen journalistischen Fehler. Obwohl die ausgestrahlte Freitagspredigt jene von der Hamburger al-Nur Moschee war und Daniel Abdin dem Hamburger SCHURA vorsteht, wurde die sich aufdrängende Frage nicht gestellt, ob zwischen dieser Moschee und dem Verband von Daniel Abdin eine Verbindung bestehen würde. Dies ist nämlich durchaus der Fall, was aus der Webseite der al-Nour Moschee hervorgeht. Die al-Nour Moschee ist Mitglied bei der SCHURA. Es wäre journalistisch nur korrekt gewesen, die Zuschauer darauf hinzuweisen, dass zwischen dem Studiogast und dieser Moschee eine unmittelbare Verbindung besteht. Dies wäre insbesondere nach den Eindrücken, die aus dem Reportageteil gewonnen werden konnte, notwendig gewesen.

Unangenehm überrascht war ich auch beim ersten Thema, das Constantin Schreiber ansprach. Es ging um die Frage, ob es gerecht sei, dass Frauen beim Freitagsgebet nicht dabei seien. Meine Kritik gegenüber diesem von Constantin Schreiber ausgewählten Themenbereich hat einerseits damit zu tun, weil sich nach dem Reportageteil ganz andere wesentlich wichtigere Fragen geradezu aufdrängten, die in der knappen Sendezeit nicht besprochen werden konnten. Auf diese werde ich ganz am Schluss eingehen. Andererseits ging es hier um eine Frage der islamischen Liturgie, die unmittelbar mit der Religionsausübung etwas zu tun hat, was meines Erachtens in dieser Form akzeptiert und respektiert werden muss. Die Alternative ist nämlich bei solchen Praktiken nicht mitzumachen, respektive sogar aus einer solchen Glaubensgemeinschaft auszutreten! Eine andere Möglichkeit sind freilich die gemischtgeschlechtlichen islamischen Gottesdienste, wenn möglich sogar mit einer Imamin an der Spitze des Gottesdienstes, was es ja auch schon gegeben hat und immer noch gibt. Es handelt sich hier jedoch nicht im Geringsten um Mainstream-Islam sondern um moderne Eigenkreationen des Islam der Beteiligten, was natürlich völlig zulässig ist. Diese von einigen wenigen praktizierten Religionspraxis, die doch sehr etwas Eigenwilliges darstellt, sollte meines Erachtens von Muslimen jedoch nicht wirklich verlangt werden, weil dies mit gesellschaftlichen Aspekten des Islam nichts zu tun hat und einzig die Liturgie betrifft. Im Übrigen ist die Nichtteilnahme von Musliminnen am Freitagsgebet wohl der unwichtigste Aspekt der islamischen Geschlechterdiskriminierung. Es gibt so viele wichtigere und relevantere Beispiele der Schlechterstellung der Frauen im Islam, dass man damit Bibliotheken füllen könnte.

Daniel Abdin, der aufgrund der Unsinnigkeit der Frage zunächst einen verblüfften Eindruck machte, konnte sich sehr schnell fangen und wies auf die Tatsache hin, dass beim Hadsch Frauen und Männer gemeinsam beten würden, was mit dem Freitagsgebet natürlich nicht das Geringste zu tun hat. Immerhin konnte er damit seinen Auftrag als Islamapologet erfüllen und den Eindruck vermitteln, im Islam gebe es so etwas wie Geschlechterdiskriminierung gar nicht. Das sei ein Missverständnis (wie natürlich alles Negative im Islam auf Missverständnissen beruhen muss).

Erstaunt war ich über die Professorin, die den Umstand ebenfalls kritisierte wie Constantin Schreiber, dass Frauen beim Geschehen nicht teilnehmen könnten, wenn sie beim Freitagsgebet nicht dabei wären.

Wie gesagt: Aus den vorgenannten Gründen ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass gegenüber der Liturgie einer Religion Kritik entgegengebracht wird. Auch die Vestalinnen im alten Rom bestanden nur aus Frauen und zwar aus Jungfrauen. Es ist keine Geschlechterdiskriminierung, wenn es innerhalb der Liturgie einer Religion geschlechterspezifische Rollenzuweisungen gibt. Im Judentum haben beispielsweise Frauen bei der Sabbat-Liturgie eine ganz spezielle und nur ihnen zugewiesene Rolle. Wer mit solchen geschlechterspezifischen Rollenzuweisungen nicht leben will, kann die entsprechende Glaubensgemeinschaft verlassen und bei Bedarf sogar eigenwillige New Age Kreationen von diesen Religionen gründen. Es ist allerdings völlig illusorisch zu glauben, dass eine solche Kreation eines Tages den europäischen Mainstream Islam bilden würde. Vor allem sollte nicht der Eindruck entstehen, dass eine allfällige Imamausbildung in Deutschland etwas am Umstand ändern würde, dass Frauen bei der Freitagspredigt nicht dabei sind. Über die Imamausbildung in Deutschland wurde gleich anschliessend gesprochen.

Beim zweiten Thema der Studiodiskussion ging es zunächst um die Tatsache, dass der Imam, der die Freitagspredigt hielt, seit 14 Jahren in Deutschland lebte und praktisch kein Wort Deutsch sprach. Dieser Umstand wäre ein sehr guter Ansatz gewesen, wenn Constantin Schreiber die richtigen Fragen gestellt hätte. Auf diese Tatsache angesprochen wurden die fehlenden Deutschkenntnisse des Imams vom Islamapologeten Daniel Abdin erwartungsgemäss verharmlost. So gab er wahrheitswidrig an, dass die Religionssprache die Hochssprache sei und der Imam diese komplizierte Sprache nicht ins Deutsche übertragen könne. Man wünsche sich in Deutschland geborene, aufgewachsene und ausgebildete Imame. Das sei ein Mangel.

Dazu folgendes: Es gibt tatsächlich so etwas wie die arabische Hochsprache, die Arabiya genannt und vom gemeinen Volk unvollkommen beherrscht wird. Dann gibt es die arabische Umgangssprache Ammiya. Davon zu unterscheiden ist das Koranarabisch, was Daniel Abdin wohl meinte. Ungeachtet dessen hatte Constantin Schreiber mit dem Imam ohnehin kein Interview über koranische Inhalte oder islamische Theologie geführt, womit die Entschuldigung unbegründet war.

Daniel Abdin hatte das Gespräch damit allerdings geschickt umgelenkt und es ging nun um die Imamausbildung in Deutschland, ein Thema mit dem ein versöhnlicher Konsens unter allen Gesprächsbeteiligten hergestellt werden konnte. Prof. Susanne Schröter unterstützte die Bestrebungen, Imame in Deutschland auszubilden, auch im Hinblick auf die angekommenen Flüchtlinge. Sie gab dazu an, dass man mit der Imamausbildung in Deutschland eine wichtige integrative Funktion erfüllen würde, in denen Moscheen eine wichtige Rolle spielen würden. Sie bemängelte anschliessend, dass Imame ohne Deutschkenntnisse sich zu wenig in der Gesellschaft umschauen könnten und damit seien die Kenntnisse über die deutsche Gesellschaft nicht ausreichend.

Mit diesen abschliessenden Worten der Professorin war die Sendung dann leider bereits zu Ende. Auf diese möchte ich nachfolgend etwas vertiefter eingehen.

Es ist eine Illusion und ein schwerwiegender Fehler, wenn man Moscheen oder dem Islam eine integrative Funktion einräumen will, wie dies von Prof. Susanne Schröter postuliert wurde. Eine Integration in den Westen über den Islam oder über Moscheen hat es nie gegeben und wird es nie geben. Das hat mit dem Islam selbst zu tun.

Islam bedeutet nämlich das pure Gegenteil von Integration, was bereits aus der Eröffnungssure des Koran, der al-Fatiha, deutlich wird, die ähnlich wie das christliche Vaterunser das islamische Hauptgebet bildet und vom Gläubigen, der sämtliche fünf Gebete des Tages verrichtet, täglich insgesamt 17x wiederholt wird. Die entsprechende Stelle (die 6. und 7. Ayat der Sure, die insgesamt 7 Ayat lang ist) lautet übersetzt wie folgt:

„Führe uns den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht (den Weg) derer, die D(ein)em Zorn verfallen sind und irregehen!“

Diejenigen, die irregehen, sind nach unumstrittener Auffassung, die Christen. Unumstritten ist dies deshalb, weil dies nicht nur aus sämtlichen anderen Quellen des Islam hervorgeht. Vielmehr sagt es der Koran selbst. Ich verweise hier lediglich auf Sure 5:72 ff. Kurz zusammengefasst folgen die Christen deshalb einer Irrlehre, weil sie an die Trinitätslehre und an die Gottessohneigenschaft Jesu glauben. Das ist übrigens der Grund, weshalb Jesus im Koran immer wieder als Isa Ben Maryam (Jesus, Sohn der Maria) bezeichnet wird. Damit soll verdeutlicht werden, dass Jesus Sohn eines Menschen ist und nicht Gottes Sohn, wie die Christen ihn bezeichnen. Mit anderen Worten wird den Christen nichts anderes als Häresie vorgeworfen.

Auch diejenigen, die Gottes Zorn erregt haben sollen, sind klar definiert. Es handelt sich dabei um die Juden, was ebenfalls nicht bloss aus den ausserkoranischen Quellen sondern auch aus dem Koran selbst hervorgeht. Ich verweise lediglich auf Sure 2:87-90. Die Juden seien deshalb dem Zorn Gottes verfallen, weil sie ihm gefrevelt hätten. Damit wird beispielsweise die Anbetung des Goldenen Kalbes angesprochen. Sie hätten damit Gottes Gebote missachtet (1. Gebot: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben). Darüber hinaus würden die Juden Propheten ermorden, womit aber nicht Jesus gemeint ist, weil die Muslime nicht an die Kreuzigung Jesu glauben. Es sind andere Propheten gemeint. Mord ist aus islamischer Sicht eine schwere Sünde. Prophetenmord ist eine erhebliche Steigerung davon. Darüber hinaus wird der Zorn Gottes mit der angeblichen Thorafälschung der Juden begründet. Die Juden hätten nach islamischer Vorstellung Mohammed aus der Thora entfernt, der in ihrer Schrift angekündigt gewesen sei. Da dieser in der Thora fehlt, wird dies als Schriftfälschung und ebenfalls als eine schwere Sünde verstanden.

Der Koran sagt sehr eindeutig, wie mit Christen und Juden (mindestens) umzugehen ist. In Sure 5:51 heisst es doch sehr klar und deutlich:

“Ihr, die ihr glaubt! Nehmt euch die Juden und Christen nicht zu Freunden! Sie sind einander Freunde. Wer von euch sich ihnen anschließt, der gehört zu ihnen. Siehe, Gott leitet die Frevler nicht recht.”

Mit anderen Worten verlangt der Islam einerseits im islamischen Hauptgebet aber auch an anderen Stellen wie im vorgenannten Ayat eine klare Abgrenzung von Muslimen von den Nichtmuslimen. Man soll nicht so werden wie sie, wobei diesen andersgläubigen Menschen dazu noch aus muslimischer Sicht sippenhaftmässig sehr schlechte Eigenschaften nachgesagt werden, die bei einem gläubigen Muslim Abscheu erregen müssten. Darüber hinaus sollen Muslime keine christlichen und jüdischen Freunde haben.

Meines Erachtens ist es unter dieser gegebenen theologischen Konstellation schleierhaft, wie der Islam oder Moscheen, die ihrer Funktion entsprechend solche Inhalte verbreiten, zur Integration von muslimischen Migranten beitragen sollen. Ich sehe auch nicht, was eine Imamausbildung in Deutschland an diesen unumstösslichen theologischen Tatsachen ändern könnte, wie dies von den Diskussionsteilnehmern in der Sendung gewünscht wurde. Auch ein in Deutschland ausgebildeter Imam dürfte kaum das Gegenteil davon predigen, was im Koran steht.

Tatsache ist und bleibt, dass der Islam, sofern er orthodox gelebt wird, ganz klar ein Integrationsverhinderer ist und damit auch die Moscheen, die den orthodoxen Islam predigen, womit ich praktisch alle Moscheen meine. Die wenigen Ausnahmen sind nicht repräsentativ. Ich habe in der vorliegenden Darstellung lediglich zwei Koranverse genannt. Es gibt weitere solche Inhalte, die sich auch ausserhalb des Korans befinden, die ebenfalls verbindlich sind und nichts anderes aussagen. Auf gut Deutsch sagen sie immer wieder das Gleiche, wobei auch Steigerungen möglich sind: „Muslim, grenze dich von den Christen und den Juden ab und nimm dir aus ihrem Kreis keine Freunde!“

Die Tatsache, dass dies gelebter islamischer Praxis entspricht, wird aus der Tatsache deutlich, dass die Integration von muslimischen Migranten im deutschsprachigen Raum im erheblichen Masse gescheitert ist. Dies wurde aber auch aufgrund der Eindrücke im ersten Teil der Reportage von Constantin Schreiber für alle offensichtlich: Ein Imam, der sich seit 14 Jahren in Deutschland aufhält und nahezu kein Wort Deutsch spricht, hat diese Vorgaben des Korans und anderer islamischer Schriften bestens befolgt. Bei ihm hat so etwas wie Integration nicht einmal ansatzweise stattgefunden, wobei alles andere aufgrund der klaren Vorgaben des Islam eine Überraschung gewesen wäre.

Der grösste Mangel der Sendung war, dass Constantin Schreiber auf einen Aspekt der Reportage nur ungenügend einging, dies wohl in Unkenntnis der islamischen Vorgaben über den Umgang mit den Andersgläubgen (oder er hat diese Frage bewusst vermieden). Im Interview mit Constantin Schreiber gab nämlich genau dieser überhaupt nicht integrierte Imam an, dass er die Themen seiner Predigten aus Bereichen herausnehme, welche die Muslime beschäftigen würden. Es gehe um gesellschaftliche Themen wie etwa um das Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen.

Genau hier hätte Constantin Schreiber weiterbohren müssen.

Was kann von einem nichtintegrierten Imam, der sich seit 14 Jahren in Deutschland aufhält und praktisch kein Deutsch spricht, erwartet werden, das er über das Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen sagen könnte? Die fehlenden Sprachkenntnisse dieses Mannes und seine komplett gescheiterte Integration müssten meines Erachtens auch ohne vertiefte Kenntnisse des Islam die Vermutung nahelegen, dass der Imam in seinen Predigten die Gläubigen kaum zu Handlungsweisen aufruft, die integrativ wirken können. Genau hier müsste nämlich deutlich werden, dass eine Integration über den Islam und damit über Moscheen an einem unüberbrückbaren Widerspruch leidet.

Trotz dieser Mängel dieser leider viel zu kurzen Sendung, bei der aufgrund dieses Umstands eine fachgerechte Vertiefung nicht möglich war, bin ich Constantin Schreiber für seine Reportage dankbar, weil er wie eingangs erwähnt, dem deutschsprachigen Fernsehpublikum einen Einblick in diese Welt gewährte, die vielen Menschen immer noch sehr fremd ist.

Grimmepreis_2016_003

(Der deutsche Journalist Constantin Schreiber; aufgenommen im Rahmen der Verleihung des Grimme-Preises 2016. Quelle: wikipedia)

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