Die 1005 Palastzimmer des Kalifen Recep I.

Sicherlich hat sich der eine oder der andere Leser auch schon die Frage gestellt, wozu der türkische Diktator Erdoğan die vielen Zimmer in seinem illegal errichteten Palast in Ankara benötigt. In den westlichen Medien gab es dazu meines Wissens nie Meldungen. Vielmehr wurde darüber – so weit ich mich daran erinnern kann – nur im Zusammenhang von Erdoğans Grössenwahn berichtet, weil das Bauwerk auch mit der hohen Zahl der Zimmer grösser und mächtiger daherkommt als die meisten Präsidentschaftssitze anderer Staaten. Eine weitergehende Bedeutung hat man der Angelegenheit jedoch nicht beigemessen.

Anlässlich einer AKP-Veranstaltung in Kanada im Jahr 2015, worüber die Zeitung Cumhuriyet erst im Januar 2017 berichtete, hat ein Kolumnenjournalist der islamistischen Zeitung Yeni Akit, Abdurrahman Dilipak, erklärt, wozu diese 1005 Zimmer gut seien. Erdoğan werde beim Wechsel zum Präsidialsystem sich zum Kalifen ausrufen und werde überall auf der Welt Vertreter seines Kalifats haben. Diese Zimmer würden dann als Vertretungen dieser in die Welt hinausgeschickten Kalifatsdelegationen benutzt werden.

Abdurrahman Dilipalak präzisierte dabei, welche muslimischen Bevölkerungen er meinte, die ihre Vertretungen haben würden. Wo immer sich auf der Welt eine muslimische Bevölkerung befinde, d.h. im Rahmen eines „ottomanischen Völkerbundes“, dort würde es solche Kalifatsdelegationen geben. Mit anderen Worten geht es darum, dass das Kalifat unter Recep I. auch eine Kalifatsvertretung in Deutschland haben dürfte, weil auch in Deutschland Teile dieses „ottomanischen Völkerbundes“ leben, die Erdoğan als Kalifen anerkennen würden. Dabei meine ich insbesondere die AKP-Anhängerschaft in Deutschland.

Jeder, der die Auffassung vertritt, man müsse Wahlkampfauftritte von AKP-Politikern in Europa zulassen, weil dies zu unserer Debattenkultur gehöre, muss sich nach dem Gesagten den Vorwurf gefallen lassen, dass er damit die Entstehung eines ottomanischen Kalifats begünstigt. Wie man mit dem Umstand umgehen will, dass bei einer Ausrufung eines ottomanischen Kalifats Millionen von Kalifatsanhängern in Europa leben werden, ist dann eine weitere Frage.

Ach übrigens…

Recep I. sprach am vergangenen Freitag von Überraschungen für den Westen, auf die sich dieser nach der Abstimmung vom 16. April 2017 gefasst machen könne. Wer diesen Text gelesen hat, wird vielleicht etwas weniger überrascht sein.

Ak_Saray_-_Presidential_Palace_Ankara_2014_002

Die 1005 Palastzimmer des Kalifen Recep I.

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