Die Rede Erdoğans in Sakarya vom 16. März 2017 – übersetzt und kommentiert

Gestern, am 16. März 2017, hielt der türkische Diktator Erdoğan eine Rede in der Stadt Adapazarı in der Provinz Sakarya.

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Die regimenahe Zeitung „Güneş“ hat längere Auszüge dieser Rede veröffentlicht. Jene Passagen, die auch für europäische Leser interessant sein könnten, habe ich im Nachfolgenden möglichst originalgetreu übersetzt, teilweise aber auch andere Quellen konsultiert und gewisse Stellen, die in der Zeitung Güneş nicht wiedergegeben werden, ergänzt.

Bei meiner Übersetzung habe ich versucht, auch die Gossensprache Erdoğans mit allen ihren Nuancen möglichst beizubehalten. Erdoğan ist, was aus seiner Sprache für einen türkischen Muttersprachler sehr schnell und deutlich zu erkennen ist, ein ungebildeter Vollprolet. Er spricht ein Türkisch, das von Fehlern nur so strotzt. Es ist die Sprache des grossgewachsenen Quartierschlägers, der den anderen bösen Jungs sagt, wo es langgeht. Auf ein korrektes Deklinieren oder Konjugieren pfeift er, wenn es zu kompliziert wird, insbesondere wenn er versucht, längere und komplizierte Sätze zu bilden, die praktisch immer scheitern. Die meisten seiner Zuhörerinnen und Zuhörer dürften dies allerdings nicht bemerken. Für eine bessere Leserlichkeit habe ich bei meiner eigenen Übersetzung weitestgehend darauf verzichtet,  die gleichen sprachlichen Fehler im Deutschen zu wiederholen.

Im Nachfolgenden also nun diese Rede in kursiver Schrift. Dort, wo Verständnisfragen auftauchen könnten, werde ich kurze Erläuterungen in gewöhnlicher Schrift abgeben. Für Zusatzinformationen verweise ich auf die Links im Text.

Das Ziel der ganzen Übung ist, dass interessierte europäische Leser, die kein Türkisch sprechen, die Tragweite der Dinge, die Erdoğan hier ausspricht, erkennen, weil diese auch Europa und die Europäer etwas angehen. Es geht also um Erkenntnisgewinn, was bekanntlich nie schlecht ist. Da solche Reden in deutschsprachigen Zeitungen nie in diesem Umfang wiedergegeben werden, kann der deutschsprachige Leser sich nach der Lektüre hoffentlich einen besseren Eindruck darüber machen, was gegenwärtig in der Türkei geschieht.

* * *

Sakarya ist das naive Kind des unschuldigen Anatoliens, nur wir, zwei Wahnsinnige, sind übriggeblieben auf dem Weg zu Allah!

Sind wir dazu bereit, die Wahnsinnigen auf dem Weg zu Allah zu sein, Sakarya?

Erdoğan fängt seine Rede damit mit einem religionsfaschistischen Reim des islamistischen Dichters Necip Fazıl Kısakürek an und nimmt direkt Bezug auf die Stadt Sakarya, die er als „naives Kind“ bezeichnet, und auf sich selbst. Dass ein Staatspräsident einer säkularen Republik, von der leider fast nichts mehr übriggeblieben ist, seine Rede auf diese Art und Weise beginnt, ist natürlich auch für einen „normalen“ Türken skandalös. Wenn Erdoğan vom unschuldigen Anatolien spricht, meint er die unschuldig in Anatolien umgebrachten und/oder verfolgten Muslime, womit eine mittlerweile wohl allseits bekannte Opferrolle der Muslime hochstilisiert wird. Was er mit den „Wahnsinnigen auf dem Weg zu Allah“ meint, ist nichts anderes als ein Aufruf zu Religionswahn mit allen dazu gehörenden Konsequenzen.

Sakarya, die vom Feind und vom Erdbeben nicht zerstört werden konnte, würde diese Stadt Terrororganisationen (damit meint er alle Gegner der Verfassungsrevision), ihren Unterstützern die Bühne auf dem Platz überlassen? Sakarya hatte nur in den letzten anderthalb Jahren 14 Märtyrer. Einmal mehr wünsche ich all unseren Märtyrern die Gnade Allahs und ihren Angehörigen mein Beileid. Was sagt der Köroğlu? Der Tapfere hält aus und der Feigling flieht! Die Terrororganisation (hier meint er die PKK) hat bewiesen, dass sie feige ist, indem sie unseren Bezirksverwalter auf eine unmoralische, unehrenhafte, unmenschliche Art und Weise zu einem Märtyrer gemacht hat. Diese Verräter können tun was sie wollen, wir nehmen sie aus ihren Höhlen heraus. Sie können fliehen, wohin sie wollen, wir sind ihnen auf den Fersen.

Was haben wir am 15. Juli gesehen? Jene, die sich auf diesen Weg begaben, während die F-16 ihre Bomben verstreuten, all diese Jugendlichen von uns vor diesen Kanonen und Panzern, die Damen, die unsere Geschwister sind, begeben sich diese zum Märtyrertum? Sie haben diese Sache zur Glaubensangelegenheit erklärt. Wenn ich sterbe, bin ich ein Märtyrer, wenn ich überlebe, bin ich ein Ghazi.

Einmal mehr wird diese Nacht zu einer Art 14 Juillet der türkischen Islamisten hochstilisiert. Es werden Märtyrerlegenden gebildet, wobei der entsprechende Satz im türkischen Original ein syntaktisches Kuriosum darstellt.

Die Terrororganisationen und die Kräfte, die hinter ihnen stehen, die Anhänger der Fethullah’schen Terrororganisation haben innerhalb der Grenzen unseres Landes und ausserhalb jedes Spiel gespielt, um unser Land in Unannehmlichkeiten zu bringen. Damit unsere Armee keinen Erfolg hat, haben sie – anfangen beim IS mithin bis zur PKK – alle zum Einsatz gebracht. Sie haben auch die Fethullah’sche Terrororganisation in Bewegung gesetzt. Sie haben geglaubt, dass man das Handtuch werfe. Aber diese Leute kennen diese Nation nicht. Aber diese Leute kennen Sakarya und die Menschen aus Sakarya nicht. Sie wissen nicht, was diese Nation alles machen kann und wenn es sein muss, wie sie alle Pläne, die man geschmiedet hat, durcheinanderbringen kann. Sie haben den Scharfsinn dieser Nation am 17-25. Dezember gesehen.

Sehr wichtig zu bemerken ist, dass Erdoğan hier von einem Feind spricht, der hinter all diesen Dingen stehe, den er aber explizit nicht nennt. Diese finsteren Mächte (oder Macht?) stünden hinter den Terrororganisationen. Hier kann sich der Zuhörer selbst ein Feindbild machen, wobei alles möglich ist. Der Westen, Amerika, Europa, die Nichtmuslime, diejenigen, die nicht türkisch sind, die Juden, die Christen oder die Finanzindustrie. Dass er den Korruptionsskandal vom 2013 erwähnt und dabei vom Scharfsinn der Nation spricht, ist geradezu blanker Hohn.

Hey Holland, du gehst nach England, um dort Wahlpropaganda zu machen. Gleichzeitig, wieder neulich bei einem deutschen Fernsehsender, bei einem Programm. Da gibt es doch diesen, hier verurteilten und nach Deutschland geflüchteten agentischen Terroristen (sic!; er meint damit Can Dündar). Er hat mit diesen ihn im gleichen Programm blossgestellt (völlig unverständlich, welche Personen und/oder was er hier meinen könnte). Er hat zum einen gesagt, „Ihr macht einen Fehler, wenn ihr Erdoğan als einen Diktator bezeichnet. Zuerst müsst ihr das korrigieren.“ hat er gesagt. Mit ihm hatten wir sehr oft Kontakt. „Die Türkei hat alles erfüllt, was sie zuvor versprochen hatte“ hat er gesagt.

Dieses Duzen und das „Hey“ sind bewusste Unfreundlichkeiten, die in türkischer Sprache bedeutend grober und ungehobelter sind als im Deutschen. Solche Ausdrücke respektive diese Art von Kommunikation verwendet man im Türkischen gegenüber Dienern, untersten Untergebenen oder kleinen ungezogenen Kindern. Damit nährt er die Minderwertigkeitskomplexe gewisser Türken gegenüber den Europäern, die sich von diesen auf diese Art und Weise behandelt fühlen, mindestens in der Vergangenheit. Indem er hier sprachlich einen Rollentausch vornimmt und die Europäer sprachlich wie Diener behandelt, will er seinen Zuhörern gefallen und eine Überlegenheit der Türken gegenüber Europa demonstrieren. Damit wird auch die klassische AKP-Lüge bestätigt, dass die Türkei mit ihrem angeblich durch den AKP hervorgebrachten Fortschritt heute besser dastehe als die EU. Man blickt also auf diejenigen runter, auf die man zuvor hochgeblickt hat.

Nun haben diese bei der Angelegenheit, bei der es um die Aufhebung der Visa-Pflicht geht, ein Versprechen abgegeben, sie haben es nicht eingehalten. Jetzt sprechen sie von „Rückentscheid“ (völlig unklar, was er hier genau meint). Was Rückentscheid? Vergiss doch das! Du denkst, du könntest, meine Ministerin nicht in die Niederlande reinlassen, meinem Aussenminister keine Fluggenehmigung erteilen und ihm keine Gelegenheit geben, dass er in das Generalkonsulatsgebäude, das sich auf meinem Staatsgebiet befindet (was völkerrechtlich übrigens nicht zutrifft), eintreten kann und dann von uns erwarten, in unsere Gegenden einzutreten. So nicht.

Die Araber haben ein schönes Sprichwort: „Men dakka dukka“ (wer Böses tut, dem widerfährt Böses). Wer jemanden mit dem Stock schlägt, der wird selbst mit dem Stock geschlagen (damit etwas anders übersetzt, aber das Arabische gibt der Aussage einen religiösen Touch und seine Übersetzung ist deutlich aggressiver gegenüber Holland). Hast du deine Pferde und Köter auf meine türkischen Landsleute gehetzt? Hast du meinen Hüseyin Kurt von deinen Kötern beissen lassen? Du wirst den Preis dafür bezahlen. Hey Rutte, du magst die Wahl als erstplatzierte Partei an dich gerissen haben, aber du sollst es wissen, du hast einen Freund verloren, einen Freund wie die Türkei. „Ach mein Herr, nach den Wahlen kann man ja mit dem Premierminister zusammen etwas essen.“ Wir haben keinen solchen Premierminister, vergiss diese Sache. Du hast verloren.

Deutschland ist die führende Kraft in dieser Angelegenheit. Auch mit ihnen werden wir uns hinsetzen und darüber sprechen. Ich habe diesen 4’500 Dossiers von PKK-Anhängern übergeben. Sie haben überhaupt keine rechtlichen Schritte vorgenommen. Dieses (gemeint ist Deutschland) versteckte selbst einen agentischen Terroristen (sic!) in der deutschen Residenz. Sie haben ihn während eines Monats versteckt. Das verlangt die deutsche Kanzlerin von mir. Dass wir ihn so oder so freilassen sollten. Dazu sage ich „Wenn eure Justiz unabhängig ist, ist unsere Justiz auch unabhängig. Er wurde vor Gericht gestellt und wurde verhaftet dieser agentische Terrorist.“ Was sagen sie, er sei deutscher Staatsangehöriger, heisst es. Er kann Bürger irgendeines Landes sein. Wenn diese Leute die Türkei mit Terror überziehen und er sich als Geheimagent betätigt, wird er den Preis dafür bezahlen.

Gemeint ist Deniz Yücel, den Erdoğan als „agentischen Terroristen“ bezeichnet, mit einem Ausdruck, den er erfunden hat. Selbstverständlich wird hier die Unschuldsvermutung bei einem ohnehin höchst bedenklichen Verfahren mit Füssen getreten.

Was schadet dir der Politiker, der dorthin geht und dort Abstimmungsarbeit leistet? Die sezessionistische Terrororganisation verbrennt und zerstört alles. Du schickst dich an, diesen Leuten mitten in Berlin ein Zelt aufzurichten. Derjenige von uns ist ein Diplomat, die anderen sind meine Staatsangehörigen, auch deine Staatsangehörigen. Du schneidest diesen den Weg ab. Wenn ich nicht für deren Recht einstehe, für wessen Recht soll ich denn sonst einstehen? Darüber hinaus öffnet ihr denjenigen, die eine Nein-Kampagne unterstützen, eure Türen. Aber ihr verschliesst diese den Ja-Sagern.

Die klassische Opferrolle der Islamisten. Mehr gibt es dazu nichts zu sagen.

Einer derjenigen, der um eine Nein-Kampagne zu machen, mit der PKK zusammen in Europa herumzieht, ist der Präsident des Türkischen Anwaltsverbandes. Wer kann eine Erklärung darüber abgeben, dass du Seite an Seite mit der PKK zusammenstehst? Sagt gegenwärtig Kandil, der Kopf der PKK, die Anhänger der sezessionistischen Terrororganisationen „Nein“? Eine Person ist mit jenen Menschen zusammen, die sie lieben…

Hier greift Erdoğan den Präsidenten des Türkischen Anwaltsverbandes persönlich an. Er nennt ihn bewusst nicht beim Namen und bezeichnet ihn verächtlich als Person (zat), was auf Türkisch sehr herabsetzend ist. Dann duzt er ihn, was ebenfalls extrem respektlos ist. Bei diesem Präsidenten handelt es sich übrigens um einen Rechtsprofessor, der sachliche und rechtliche Argumente gegen die angestrebte Verfassungsrevision vorgebracht hat. Selbstverständlich ist es ein Skandal, dass der Zentralpräsident sämtlicher türkischer Anwälte auf diese Art und Weise behandelt und in die Nähe der PKK gebracht wird, was in der Türkei so ungefähr das Schlimmste ist.

Jetzt rufe ich denjenigen zu, die „Nein“ sagen. Als die 15. Juli Brücke gebaut wurde, sagten die damaligen Linken „Nein“. Sie haben auch zur Fatih Sultan Mehmet Brücke „Nein“ gesagt. Auch zur Yavuz Sultan Selim Brücke, zur Osman Gazi Brücke, auch zu Marmaray haben sie „Nein“ gesagt. Ihr Nein-Sager! Am 18. März werden wir den Grundstein für die Çanakkale Brücke legen. Ist es ein „Ja“, oder ist es ein „Nein“? Können sie es sagen? Warum? Wenn sie sich getrauen, sollen sie „Nein“ sagen. Die Nation schluckt so etwas nicht mehr. Mit Gottes Hilfe wird das die Nr. 1 Brücke der Welt. Aber diese Leute haben kein Gesicht (sie sind schamlos). Sie passieren sowohl die Brücke, sie gehen auch durch den Marmaray hindurch. Tu Gutes, ohne eine Gegenleistung zu erwarten (dies sagt Erdoğan, indem er ein Sprichwort – ungebildet wie er ist – falsch zitiert).

Die gigantischen Bauprojekte verkauft der Diktator immer wieder als grosse Leistungen seines Regimes. Nebst der Zerstörung der Umwelt und massivster Verschuldung des Staates wurden die entsprechenden Bauwerke keineswegs durch türkische Planer oder ausschliesslich durch türkische Arbeitskräfte gebaut. Der wie jeder grössenwahnsinnige Diktator unter Baumegalomanie leidende Erdoğan bringt diese Projekte fast immer in seinen Reden und behauptet, dass Europa und der Westen die Türkei um diese Bauwerke beneide.

Von der Abstimmung in der Türkei (sic!) rufe ich Europa zu:

Mensch (das türkische „yahu“ ist ein unfreundliches Wort aus der Gossensprache, das man gegenüber einem Menschen verwendet, über den man sich gerade furchtbar aufregt), was geht euch das etwas an! Sie wissen, was für einen Sprung durch einen Systemwechsel machen kann. Aus diesem Grund haben sie Befürchtungen.

Ob ihr auseinanderbrecht oder explodiert, völlig egal, der 16. April wird ein neues System, ein führendes Land Türkei hervorbringen, dieses System.

31 Tage verbleiben. Sind wir bereit, von Tür zu Tür zu gehen? Ihr Damen, von euch erwarte ich insbesondere Gespräche zuhause. Geht und erklärt diese 18 Artikel in die Häuser, in die ihr geht. Ihr wisst ja. Burgen werden aus dem Inneren erobert. Frauenarbeit ist hier sehr wichtig. Die anderen wollen diese alte Türkei zurück, die auf 50 Cents angewiesen war und ständig ihre hohle Hand gegenüber ihnen öffnete. Ist diese CHP-Mentalität nicht jene Mentalität? Sind das nicht jene, die uns von 50 Cents abhängig machten?

Hier sieht man unter Anderem das Frauenbild Erdoğans, das sich nach dem Islam richtet. Frauen sind zuhause, oder sie besuchen sich untereinander zuhause (arbeitende Frauen gibt es vermutlich nicht). Dann flucht er über eine angebliche Bettelmentalität der kemalistischen CHP. Die Türkei ist gegenwärtig so hoch verschuldet wie noch nie in ihrer jüngeren Geschichte.

Du hetzt deine Pferde und deine Köter auf die Menschen! Was machst du? So etwas wie Zivilisation kennen die nicht. Akif (der Dichter, der den Text der türkischen Nationalhymne geschrieben hat) hat über sie gesagt: „Monster, dem nur ein Zahn verblieben ist“ (eine Stelle aus der Nationalhymne; das Ganze symbolisiert ein Monster, das eigentlich harmlos ist). Sie geben der Welt Lektionen über Demokratie, Menschenrechte, Zivilisation. Was du nicht sagst? Wenn von ihren Vorteilen die Rede ist, zögern sie nicht davon, den Faschismus, in seiner reinsten Form zu repräsentieren.

Hey Holland, du hast in Bosnien meinen muslimischen Bruder ermordet. Wir vergessen diese Dinge nicht. Wir kennen den Charakter, der hinter diesen Dingen steckt. Jedes Jahr gibt es Gedenktage des Massakers. Von vielen kennt man nicht einmal das Grab. Schande über das Demokratieverständnis von diesen Leuten da! Schande über eure EU-Errungenschaften, auf eure Werte! Schande über euer Recht und Gerechtigkeitsverständnis! Der EuGH hat eine Erklärung abgegeben. Dieser sagt zu den Arbeitgebern „Wenn ihr wollt, müsst ihr denjenigen, die mit einem Kopftuch arbeiten wollen, keine Erlaubnis erteilen.“ Wo ist denn hier die Glaubens- und die Religionsfreiheit? Diese Leute haben eine Auseinandersetzung zwischen den Kreuzrittern und dem Halbmond angefangen. Eine andere Erklärung dafür gibt es nicht. Ich sage es ganz offen. Europa rollt mit grosser Geschwindigkeit in Richtung der Tage vor dem Zweiten Weltkrieg. 

Wenn die Kreuzritter gegen den Halbmond eine Auseinandersetzung beginnen, wie der Diktator dies angibt, bedeutet dies nach islamischen Verständnis die Berechtigung zum Dschihad, weil Ungläubige angeblich den Islam bedrohen würden. Über den Dschihad sagen viele Muslime, dass dieser nur zulässig sei, wenn ein Angriffskrieg gegen Muslime droht oder geführt wird. Dies wird von Erdoğan bewusst konstruiert und angerufen.

Wird Sakarya am 16. April den Europäern, die unserem Land gegenüber jede Hässlichkeit gezeigt hat, die angemessene Lektion erteilen? Wird Sakarya den Terrororganisationen, die all ihre Kraft dafür einsetzend arbeiten, damit ein „Nein“ herauskommt, am 16. April eine Lektion erteilen wie am 15. Juli? Wird (Sakarya) der der Hauptoppositionspartei vorstehender Person, die durch seine Aussagen auf der Ebene des Verrats angekommen ist, ihre Lektion erteilen? Mashallah! Barekallah (islamische Segenswünsche)! Schau, am 16. April werde ich das Ganze Sekunde für Sekunde verfolgen. Ich werde mich fragen, was Sakarya getan hat und ob die Urnen explodieren. Ich werde es verfolgen.

Danach erklärt Erdoğan mit umständlichen Worten sein „Präsidialsystem“, das bekanntlich keines ist. Ich werde mangels Relevanz für den europäischen Leser und vor allem aufgrund seiner Beschönigungen, Ungenauigkeiten, Unterlassungen und Lügen diesen Teil der Rede nicht übersetzen. Nach seinen pseudojuristischen Erläuterungen bezieht er sich nochmals auf Europa, weshalb ich diese letzte Stelle ganz zum Schluss meiner Übersetzung noch wiedergeben möchte:

Der Grund, weshalb diese Leute (gemeint ist die Opposition) dieses System nicht wollen, ist der gleiche Grund, weshalb die europäischen Länder es nicht wollen. Jemand, der diesen Leuten zuhören würde, könnte meinen, dass die Türkei nach dem 16. April untergehe und sich zurückentwickle. Die entwickelten Staaten werden hauptsächlich mit Präsidial- oder Halbpräsidialsystemen regiert. Jetzt gibt es Leute, die sich in Szene setzen und sagen, dass das Präsidialsystem auf der Welt kein anderes Beispiel kenne. Jedes Land macht sein Regierungssystem nach den eigenen Bedürfnissen. Was habe ich gesagt. Ich habe von der Präsidentschaft nach türkischem Typus gesprochen. Auch wir machen unser eigenes Modell. Wir haben ein Modell entwickelt, das unseren Bedürfnissen, unserer Kultur, unserer Tradition passt und wir werden es am 16. April der Bevölkerung zur Zustimmung präsentieren.

 

Die Rede Erdoğans in Sakarya vom 16. März 2017 – übersetzt und kommentiert

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