Eine islamkritische Einführung in die Welt der Scharia

Bevor ich mit meinen Ausführungen über die Scharia beginne, möchte ich zunächst klarstellen, dass ich größte Zweifel daran habe, dass der Islam tatsächlich so entstanden ist, wie dies die islamische Tradition darstellt. Insbesondere geht ein Teil der neueren Islamforschung (allen voran die Forscher der sog. Inarah-Gruppe) davon aus, dass der Koran möglicherweise früher existierte als dies von der Tradition angenommen respektive behauptet wird. Auch dürfte der Islam im Zweistromland entstanden sein und nicht etwa im heutigen Saudi Arabien. Zu erklären, weshalb dem so ist, würde den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen. Selbst wenn die islamische Schilderung der Entstehungsgeschichte des Islam historisch betrachtet nicht korrekt ist, spielt diese in theologischer Hinsicht eine wichtige Rolle, weshalb sie nicht einfach übergangen werden kann. Die angebliche Historizität der islamischen Überlieferung dient nicht zuletzt auch der Legitimierung der Scharia.

Die islamische Tradition geht davon aus, dass ein Prophet namens Mohammed zwischen den Jahren 610 und 632 (insgesamt während 23 Jahren und ab dem 40. Altersjahr) auf der arabischen Halbinsel mehrmals vom Erzengel Gabriel aufgesucht worden sei. Der Erzengel soll ihm dabei Sure für Sure den ganzen Koran offenbart haben. Unter „Offenbaren“ ist in diesem Kontext das „Überbringen des unmittelbar vom Gott gesprochenen Wortes“ zu verstehen, weshalb der Koran nahezu zu 100% in direkter Rede verfasst ist, wobei nach islamischem Verständnis der Sprechende Gott höchstpersönlich ist.

Diese Eigenart unterscheidet den Islam ganz erheblich von anderen Religionen, bekanntlich auch vom Judentum und dem Christentum. Die Folge dieser ganz besonderen Eigenschaft ist unter Anderem, dass der Islam hinsichtlich der Schrift wohl kaum „reformierbar“ ist, wie dies von gewissen Kreisen im Westen gefordert wird. Welche Autorität könnte über „Gottes Wort„ stehen? Selbst wenn der Islam so etwas wie einen Papst hätte, wäre eine Veränderung der Schrift nicht möglich. Die immense Autorität und Wirkung dieser „direkten Rede Gottes“ kann kaum überschätzt werden. Der Gläubige und seine Glaubensgemeinschaft werden durch die Schrift persönlich angesprochen! Wie verpflichtend diese Gebote und Verbote unter einer solchen Konstellation wirken, ist in der islamischen Welt sehr deutlich zu erkennen.

Nach dem Gesagten kann man sich vielleicht vorstellen, weshalb es den meisten Muslimen derart schwer fällt, sich von gewissen Inhalten des Korans zu distanzieren, die viele Menschen im Westen schlicht und einfach unmöglich finden. Emanzipierte Muslime, die es ja auch gibt, geben in diesem Zusammenhang oft an, dass diese und jene Passage im Koran in ihrem Privatleben keine Rolle spiele und dass sie diese Stellen in einem historischen Kontext verstünden. Eine Distanzierung nehmen aber die wenigsten Muslime vor, indem sie offen eingestehen, dass sie diese oder jene Stelle im Koran ablehnen. Diese meines Erachtens ganz erhebliche Tatsache hat  mit dieser wichtigen Eigenschaft des Korans etwas zu tun, die dem Islam eine gehörige Portion an Absolutheit verleiht. Die Ablehnung von Koranstellen, so haarsträubend sie auch sein mögen, bedeutet für einen gläubigen Muslim letztendlich nichts anderes als die Ablehnung von „Wort Gottes“. Jedenfalls dürfte es wohl einfacher für einen gläubigen Christen sein, einen biblischen Inhalt wie beispielsweise eine Auffassung des Apostels Paulus abzulehnen, als für einen Muslim „das unmittelbar vom Gott ausgesprochene Wort“ im Koran. Die Schwierigkeit sich von koranischen Inhalten zu distanzieren und sich davon zu emanzipieren, bildet meines Erachtens eines der größten Probleme des Islam, wobei ich dieses Problem für unlösbar halte. Dass viele Gläubige die Gebote des Korans über die Gesetze von modernen Staaten stellen, in denen sie leben, geht meines Erachtens nicht zuletzt auch auf diese besondere Eigenschaft des Korans zurück.

Wenn man ein vernunftgesteuerter Mensch ist, die islamische Tradition nicht kennt und nun auch über die immense Heiligkeit dieser Worte für Muslime Bescheid weiß, würde man sich vorstellen, dass ein verantwortungsvoll handelnder Prophet Mohammed sich unmittelbar nach Empfang einer jeden Sure hingesetzt haben muss, um das soeben empfangene Wort Gottes niederzuschreiben oder mindestens per Diktat niederschreiben zu lassen, damit nichts aber rein gar nichts für die Nachwelt verloren geht. Beim Tod Mohammeds wäre der Koran dann komplett gewesen und die ersten Muslime hätten die losen Blätter nur noch binden müssen, um die erste vollständige Ausgabe des Korans in den Händen zu halten.

Einer solchen “Logik” widerspricht die islamische Darstellung.

Zum einen soll der Prophet gemäß islamischer Darstellung weder lesen noch schreiben gekonnt haben.

Diese Behauptung mag eine Person aus dem Westen angesichts der Weisheit, die die Muslime dem Propheten zurechnen, erstaunen; sie hat einen theologischen Hintergrund. Mit dem Argument des Analphabetismus des Propheten kann nämlich begründet werden, dass ihm der Koran tatsächlich von Gott (über den Erzengel Gabriel) offenbart worden sei. Mit anderen Worten sei der Koran nicht etwa von anderen heiligen Büchern abgeschrieben worden. Vielmehr sei es ein originäres Werk. Dieses Argument ist im Islam deshalb so wichtig, weil damit eine vom Judentum und Christentum losgelöste – d.h. eigenständige – Offenbarung begründet werden kann, obwohl im Koran Parallelen zu den vorgenannten Religionen ganz offensichtlich vorhanden sind. Damit kann ein Muslim sich gegen die Behauptung wehren, Mohammed habe den Koran aus den heiligen Schriften der Juden und der Christen abgeschrieben respektive zusammengetragen.

Zum anderen erzählt die islamische Darstellung ohnehin eine ganz andere Entstehungsgeschichte des Korans. Die Anhänger Mohammeds hätten die Suren in erster Linie auswendig gelernt, die ihnen der Prophet vorgetragen habe. So habe es in den ersten Jahren des Islam, unmittelbar nach dem Tode des Propheten, noch keine komplette Ausgabe des Korans gegeben. Erst rund 25 Jahre nach dem Tod des Propheten sei unter dem Kalifen Uthman das komplette Buch entstanden, das wir heute als Koran bezeichnen, im Übrigen auch die Reihenfolge der Suren. Man spricht dabei vom uthmanischen Koran oder vom uthmanischen Kodex.

Die heutige islamische Theologie beruft sich auf diesen uthmanischen Text. Diese Information, die uns die islamische Tradition gibt, bedeutet allerdings nichts anderes als, dass im Islam, in dem ein Buch eine derart zentrale Rolle spielt, welches gemäß islamischer Vorstellung an Heiligkeit nicht zu übertreffen ist, in den ersten Jahren dieser Religion nach dem Tode des Propheten noch gar nicht existierte, mindestens nicht in einer umfassenden Form! Vielmehr seien die Suren meist mündlich übertragen worden und die Gläubigen hätten diese auswendig gelernt.

Um dem Leser eine umfangmäßige Vorstellung über den Koran zu geben, möchte ich darauf hinweisen, dass die Bibel aus rund 774’000 Wörtern besteht. Der Koran hingegen umfasst ca. 77’000 Wörter und ist damit vom Umfang her rund zehnmal kürzer als die Bibel.

Zieht man noch in Betracht, dass rund 20% des Korans selbst für Experten völlig unverständlich ist, wird dieser Umfang in inhaltlicher Hinsicht noch kleiner. Damit sind die sog. „dunklen Suren“ des Korans angesprochen, deren Bedeutung nach islamischer Darstellung kein Mensch kennt und kennen kann, weil nur Gott sie angeblich verstehen könne. Sie bleiben aber im Koran, weil auch sie als heilig gelten, zumal auch sie gemäß islamischer Vorstellung das unmittelbar vom Gott gesprochene Wort wiedergeben. Überschlagsmäßig gerechnet, bedeutet dies dennoch, dass den Menschen vorerst rund 61’600 Wörter aus dem Koran verbleiben, mit denen sie überhaupt etwas anfangen können. Das sind dann nur noch rund 8,5% des Umfangs der Bibel!

Es kommt hinzu, dass sich Suren in einigen Fällen inhaltlich widersprechen. Vielfach wird eine frühere mekkanische Sure durch eine spätere medinische Sure aufgehoben. In theologischer Hinsicht folgt man bei einer solchen Konstellation dem, was der Koran in Sure 2:106 sagt:

„Wenn wir einen Vers (aus dem Wortlaut der Offenbarung) tilgen [nansach] oder in Vergessenheit geraten lassen, bringen wir (dafür) einen besseren oder einen, der ihm gleich ist.[…]“

Das bedeutet, dass die frühere Sure materiell aufgehoben wird, d.h. sie gilt nicht mehr. Formell verbleibt die aufgehobene Sure aber weiterhin im Koran. Man nennt diesen Vorgang Abrogation.

Ich kann nicht sagen, wie viel der Koran durch die Abrogation noch zusätzlich an materiellem Inhalt verliert. Dem Leser sollte aber klargeworden sein, dass damit der Koran wegen seines geringeren Umfangs und den vorgenannten Gründen wesentlich weniger materiellen Inhalt vorweisen kann als die Bibel. Dem kann zwar entgegengehalten werden, dass die Bibel Wiederholungen enthält. Solche sind im Koran aber ebenfalls vorhanden.

Nachdem der Leser nun eine Vorstellung über den Umfang des Korans haben sollte, dürfte er nachvollziehen können, dass ein Buch von dieser Größe keinesfalls sämtliche Regeln beinhalten kann, die es in einer Gesellschaft überhaupt geben kann. Mit anderen Worten wäre ein allumfassendes System wie die Scharia, die im Übrigen nicht bloß aus islamischem Zivil- und Strafrecht besteht, sondern sämtliche islamischen Verhaltensregeln umfasst, allein auf der Grundlage des Korans nicht möglich.

Nach dem Gesagten stellt sich die Frage, weshalb sich eine solche allumfassende Gesellschafts- und Rechtsordnung im Islam überhaupt aufdrängt respektive aufgedrängt hat. Dies kann anhand folgender Stellen aus dem Koran relativ gut erkannt werden:

Sure 3:32

Sag: Gehorcht Allah und dem Gesandten. Doch wenn sie sich abkehren, so liebt Allah die Ungläubigen nicht.

 Sure 33:21

Ihr habt ja im Gesandten Allahs ein schönes Vorbild, (und zwar) für einen jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und Allahs viel gedenkt.

Damit wird den Menschen befohlen, einerseits den Geboten sowie Verboten des Korans und andererseits den Geboten und Verboten des Propheten zu gehorchen. Ferner sollen die Menschen das vorbildliche Verhalten des Propheten kopieren. Der gläubige Muslim folgt damit den Geboten und Verboten des Korans und folgt der Sunna des Propheten, wie dieser Vorgang auch bezeichnet wird.

Da der Koran nach islamischer Vorstellung das unmittelbar vom Gott gesprochene Wort wiedergeben soll, kann es freilich nicht sein, dass die darin enthaltenen Gebote und Verbote auch jene umfassen, die vom Propheten stammen. Beim Koran spricht ja Gott und nicht etwa der Prophet. Ferner findet man ohnehin nur sehr wenige Verhaltensweisen des Propheten im Koran. Es ist daher geradezu zwingend, dass es für die Gebote sowie Verbote des Propheten, dem der Gläubige folgen will, und für sein Verhalten, das er kopieren möchte, andere Quellen geben muss, die sich logischerweise nur außerhalb des Korans befinden können.

Bevor auf diese außerkoranische Quellen, insbesondere auf die Hadithe, eingegangen wird, ist darauf hinzuweisen, dass diese beiden vorgenannten Stellen im Koran geradezu eine Einladung für Missbrauch darstellen. Durch diese Stellen im Koran wird einer jeden Persönlichkeit, welche die Macht anstrebt, die Möglichkeit gegeben, Verhaltensweisen, Befehle und Gebote des Propheten zu erfinden, die gerade gelegen kommen. Wollte man als Herrscher oder einflussreicher Theologe vor der Niederschrift und Verbreitung der Hadithe ein Verhalten bei den Gläubigen durchsetzten, das im Koran nicht zu finden war, konnte man mit den vorerwähnten Stellen des Korans beliebige Vorschriften legitimieren und darauf hinweisen, das Ganze stehe zwar nicht im Koran aber der Prophet habe sich so verhalten respektive es so befohlen und man müsse seinen Befehlen folgen respektive sich dementsprechend verhalten, weil ja der Koran genau dies ebenfalls vorschreibt. Dass es diesen Missbrauch tatsächlich auch gegeben hat, ist selbst nach islamischer Darstellung unbestritten und ist nicht bloß eine Behauptung im vorliegenden Text. Hadithe wurden auch nach islamischem Verständnis zu Tausenden erfunden!

Der große Doyen der Islamwissenschaften, Ignaz Goldziher, hält freilich sämtliche Hadithe für nachkoranische Erfindungen. Sie widerspiegeln daher meines Erachtens keineswegs Befehle und Verhaltensweisen eines Propheten Mohammed sondern soziale, rechtliche und religiöse Vorstellungen der Gesellschaften, in denen die Hadithe verfasst wurden und zwar genau jene Vorstellungen, die zum Zeitpunkt der Niederschrift galten. Zur Begründung meiner vollumfänglichen Ablehnung der Authentizität der Hadithe kann darauf hingewiesen werden, dass sie unstrittig, d.h. selbst nach islamischer Darstellung, erst rund zweihundert Jahre nach der Niederschrift des Korans schriftlich niedergelegt wurden.

Die islamische Theologie sieht dies freilich anders. Die Hadithe seien nach ihrer Entstehung mündlich von Person zu Person weitergereicht worden und sie hätten daher schon vor ihrer Niederschrift existiert. Diese Personen, die sich die Hadithe weiterreichen, spielen sodann eine sehr wichtige Rolle dabei, ob ein Hadith sahih (höchster Grad an Vertrauenswürdigkeit eines Hadith) ist. Denn um sahih zu sein, müssen die Personen in der Überlieferungskette (sog. isnad) und die Überlieferungskette selbst vertrauenswürdig sein. Nebst der wichtigsten Voraussetzung für einen Hadith, die darin besteht, dem Koran nicht zu widersprechen, spielt für die Vertrauenswürdigkeit eines Hadith einzig die vorerwähnte Vertrauenswürdigkeit in der Überlieferungskette eine Rolle. Dass auch die Überlieferungskette in ihrer Gesamtheit erfunden sein könnte, ist im Islam nicht wirklich ein Thema.

Das bedeutet, dass bei jedem Hadith zunächst die Überlieferungskette erwähnt wird, bevor der Text anfängt. Das funktioniert praktisch so:

A hat von B gehört, der seinerseits von C gehört habe, der von D vernommen habe, wonach E den Gesandten Allahs gehört habe, wie er dieses und jenes gesagt hat, als dies und das geschah.

Die relevanten Hadithe befinden sich in Hadith-Sammlungen, von denen einige nach islamischer Theologie kanonisch sind. Zwei der wichtigsten Hadith-Sammlungen im sunnitischen Islam sind etwa Sahih Bukhari und Sahih Muslim; es gibt aber auch zahlreiche andere (die Schiiten haben wiederum andere), die teilweise nicht sahih sind, aber dennoch eine wichtige Rolle spielen, wie etwa die Sammlung von Abu Dawud. Da die Hadithe in den vorerwähnten beiden Sammlungen als sahih betrachtet werden, gelten sie allerdings als besonders heilig. Insbesondere Sahih Bukhari kommt im sunnitischen Islam hinsichtlich der Heiligkeit unmittelbar nach dem Koran.

In inhaltlicher Hinsicht sind in den Hadithen einerseits Lebenssituationen zu finden, die in erster Linie den Propheten als Hauptperson haben. Die in den Hadithen enthaltenen Verhaltensweisen des Propheten, dessen Gebote und Verbote sind dann für den Gläubigen bindend.

Praktisch wichtig sind insbesondere auch die Hadithe, die ganz konkrete Situationen umschreiben, bei denen die Suren des Korans offenbart worden seien. Damit wird ein Kontext zwischen dem im Hadith beschriebenen Ereignis und der Offenbarung der Sure hergestellt, was dem Textverständnis des Korans dient. Oft werden Suren erst durch diesen Kontext, der durch einen Hadith hergestellt wird, überhaupt verständlich. Angesichts der Tatsache, dass sämtliche Hadithe spätere Erfindungen sind, kann man sich vermutlich nun auch ausmalen, dass auch dieser Kontext vielfach erfunden ist und der Korantext in vielen Fällen wohl ganz etwas anderes sagen wollte als dies von der Tradition angenommen wird.

Nebst dem Koran und den Hadithen gibt es noch eine dritte Quelle der Scharia. Bei der sog. Sira handelt es sich um eine theologische motivierte Lebensgeschichte des Propheten, die kanonisch ist. Diese bietet eine weitere Möglichkeit, um das Verhalten des Propheten zu kopieren. Schon Ignaz Goldziher sagte über die Sira, dass es sich dabei um aneinandergereihtes Hadith-Material handle. Deren Verfasser haben dabei die Hadithe gewissermaßen “chronologisiert”.

Schließlich sind die wichtigen Kommentare zu nennen, Koran-Kommentare, wie der von Tabari, oder Kommentare anderer Quellen.

Anhand dieser Quellen können in der Scharia sog. fatwas ausgesprochen werden, die ihrerseits eine Quelle der Scharia sein können.

In der Regel wird eine fatwa mit dem deutschen Begriff „Rechtsgutachten“ übersetzt, was natürlich zutrifft. Allerdings ist in diesem Kontext unter dem Begriff Recht etwas wesentlich breiteres zu verstehen. Es geht bei der Scharia bei weitem nicht nur um zivil- oder strafrechtliche Rechtsgutachten. Vielmehr werden damit oft ganz alltägliche Dinge beantwortet. Von Körperhygiene bis zu den Essgewohnheiten, bei Fragen rund um die Sexualität, über die Kleidung, über die Art, wie der Bart getragen werden sollte; Es gibt nichts, worüber die Scharia keine Meinung hat, die nicht mit einer fatwa beantwortet werden könnte.

Das Beispiel, das ich nachfolgend besprechen werde, ist ganz bewusst gewählt und soll dem Leser zunächst den Eindruck hinterlassen, dass ja alles in bester Ordnung sei. Es geht dabei ums Zähneputzen. Es gibt offenbar zahlreiche Hadithe, die das Zähneputzen behandeln. Hier seien nur einige aus dieser Seite zitiert:

Der Prophet (s) sprach:

„Das Zähneputzen gehört zur natürlichen Veranlagung (fitra) und zum Monotheismus (Tawhid).“

(Kanz-ul-Ummal, Bd 6, S. 654)

Der Prophet (s) sprach:

Gabriel kam zu mir und sagte:

„Oh Muhammad! Wie sollen wir dir herab gesandt werden, während du dir nicht die Zähne putzt?“

(Bihar Al Anwar, Bd 76, Seite 130)

Der Prophet (s) sprach:

„Das Zähneputzen enthält zehn Besonderheiten:

Es macht den Mund wohlriechend, es macht das Zahnfleisch fest, es beseitigt den Auswurf, es verleiht den Augen Glanz, es beseitigt den Zahnschmelz, es ordnet den Magen, es ist die Verfahrensweise (Sunnah) des Propheten (s), es erfreut die Engel, es stellt den Herrn zufrieden und es erhöht die Wohltaten.“

(Kanzul Ummal, Bd. 9, S. 129)

Nun könnten die Befürworter der Volkszahngesundheit dazu angeben, dass dies ja wunderbar sei: Bereits die Scharia empfiehlt den gläubigen Muslimen, dass man sich die Zähne putzen sollte. Daraus folgt doch, dass damit die Scharia einen positiven Beitrag dazu leistet, dass Muslime gesunde Zähne haben.

Das Problem dabei ist, dass es nicht die Sache der Religion ist und sein kann, im Bereiche der Gesundheit oder der Medizin sachdienliche Tipps zu geben. Was gesund ist und was ungesund, wird durch die Erfahrungswerte bestimmt, die uns die Wissenschaften zur Verfügung stellen. Diese Erfahrungswerte ändern sich mit der Zeit. Wenn man dies auf die Zahnpflege überträgt, sei lediglich darauf hingewiesen, wie die Formen der Zahnbürsten sich in den letzten Jahrzehnten verändert haben, wie sehr sich die Zahnpasta verändert hat, die zunächst in Pulverform verkauft wurde und wie sich die Putzmethoden, die von den Zahnärzten empfohlen wurden, in den letzten 50 Jahren veränderten. Die moderne Zahnmedizin vom 21. Jahrhundert lässt sich auch nicht wirklich mit der Zahnmedizin vergleichen, wie wir sie vor 100 Jahren kannten. Da kann der Hinweis, wonach der Prophet seine Zähne mit einem Miswak geputzt habe, nicht wirklich etwas bringen, schon gar nicht, wenn man anfängt seine Zähne mit einem Miswak zu putzen, um damit den Propheten zu kopieren.

Das Beispiel der schariakonformen Zahnpflege zeigt, dass nicht rationale Argumente die Zahngesundheit fördern sondern Befehle respektive zu kopierende Verhaltensweisen. Damit ist auch möglich, dass allenfalls irrationale oder schädliche Aspekte in den Lebenswandel einfliessen können. Beispiel: Der grösste Teil des Vitamin D, das wir Menschen benötigen, wird vom Körper mithilfe des Sonnenlichts selbst hergestellt. Wenn der Körper vollständig verdeckt ist etwa durch religiöse Kleidung, wird dies mindestens nicht so gut gewährleistet wie bei Menschen, die keine religiöse Kleidung tragen.

Abgesehen von dieser möglichen Gesundheitsgefährdung stellt die Einmischung der Scharia auch einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar, wenn man bedenkt, dass solche Einmischungen sämtliche Lebensbereiche umfassen. Die Scharia hat eine Meinung darüber, ob Frauen sich mit Pinzetten die Augenbrauen zupfen dürfen, eine Meinung darüber, mit welcher Hand man sich den Hintern putzen sollte, wenn man das grosse Geschäft verrichtet hat; sie bestimmt etwa auch, dass Frauen während des Geschlechtsverkehrs nicht sprechen sollten, weil sonst das gezeugte Kind stottern würde. Die Scharia besagt, dass die Zeugenaussage eines Mannes doppelt so viel wert ist wie die einer Frau, dies weil sie “emotional” sei. Die Scharia sagt den Muslimen, dass sie keine Freundschaften mit Juden und Christen schliessen sollen. Auch sagt die Scharia, dass Muslime nach dem Ramadan Ungläubige ermorden sollen, wo auch immer sie diese antreffen. Erwähnenswert ist aber auch, dass die Scharia die Ermordung sämtlicher Juden für die Voraussetzung der Heilserfüllung bei der Apokalypse ansieht. Von der Verweigerung des Handshakes bis zu den Auspeitschungen von Menschen wie Raif Badawi, vom Kopftuch bis zur Burka, aber auch andere Unzulänglichkeiten des Islam, die uns beschäftigen, haben ihre Grundlage in der allumfassenden Scharia. Eines der wesentlichsten Probleme dabei ist genau diese Eigenschaft.

Für mich ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Menschen im Westen genau diesen Punkt verstehen, wenn von der Scharia die Rede ist. Hier geht es nicht bloss um Zivil- und Strafrecht sondern um Normen, die alles regeln und damit auch andere Gesellschaftsnormen konkurrenzieren. Damit ist auch gesagt, dass die Scharia niemals zur Integration von Migranten beitragen kann.

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Eine islamkritische Einführung in die Welt der Scharia

Die Reformation und die Gegenreformation in der islamischen Welt – 2. Teil

Bevor ich mit meinen Ausführungen zur „Gegenreformation“ in der islamischen Welt beginne, möchte ich auf einen ganz wichtigen Punkt hinweisen, der derart zentral ist, dass ich ihn an den Anfang dieses zweiten Teils stelle. Es geht dabei um den Begriff des Laizismus, der im Zusammenhang mit Atatürk und der modernen Türkei immer wieder erwähnt wird. Diejenigen, die diese Bezeichnung schon gehört haben, definieren Laizismus als eine Staatsdoktrin, die eine „Trennung von Kirche und Staat„ verlange.

Wenn von „Trennung von Kirche und Staat“ – resp. im Besonderen vom türkischen Laizismus – die Rede ist, könnte der Eindruck entstehen, dass die Religion und der Staat völlig unabhängig voneinander existiert hätten, unabhängig im eigentlichen Sinne des Begriffs. Dabei könnte auch angenommen werden, dass zwischen “Kirche und Staat” eine Art Gleichberechtigung bestanden hätte, selbstverständlich immer ganz schön im eigenen Bereich, allerdings ohne gegenseitige Einmischung, insbesondere programmatischer Natur.

Im Staat von Atatürk kann allerdings von einer Gleichberechtigung oder gar von einer Unabhängigkeit der religiösen Institutionen nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil: Der Staat war der Religion nicht nur übergeordnet und zahlreiche religiöse Institutionen wurden für illegal erklärt. Der Staat bestimmte vielmehr auch in programmatischer und inhaltlicher Hinsicht, welche Teile der Religion zulässig waren und definierte dabei ein Religionsverständnis, das dem säkularen Staat nicht in die Quere kam. Die Behörde, die diese gebändigte Form des Islam definierte war die Religionsbehörde Diyanet. Freilich hat Diyanet unter dem Islamisten Erdogan eine ganz andere Funktion erhalten, als dies ursprünglich vorgesehen war. Diese Art von Kontrolle des Staates ist jedenfalls ohne Frage mit dem im Westen geltenden Verständnis der Religionsfreiheit nicht zu vereinbaren. Solange die Prinzipien dieser Art von “Laizismus” allerdings hochgehalten wurden, solange blieb die Türkei ein säkularer Staat.

Die Tatsache, dass diese staatliche Kontrolle und Einmischung nicht nur in der Türkei sondern auch in der übrigen einst säkularen islamischen Welt stattfand, sollte die Menschen im Westen aufhorchen lassen: Sämtliche muslimisch geprägte Staaten, die im Zwanzigsten Jahrhundert so etwas wie Zivilisation erlebt haben, kontrollierten die Religion – ja sogar die eigene Religion – und liessen einen zahmen und mit säkularen Grundsätzen zu vereinbarenden Islam predigen. Sehr wichtig dabei ist die Feststellung, dass es sich bei den fraglichen Staatsoberhäuptern, die eine schariafreie Gesellschaft durchsetzten, keineswegs um Atheisten handelte. Diese muslimischen Staatsoberhäupter gaben aber eindeutig eine Marschrichtung vor: Keine Scharia! Derartige Grenzen wollte man im Westen bis vor Kurzem nicht setzen, und Diskussionen wie etwa die über ein Burkaverbot wären vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Wichtig ist hier noch der Hinweis, dass der Scharia-Lifestyle im Westen bereits akzeptiert und gelebt wurde, bevor dies in den muslimischen aber schariafreien Staaten der Fall war. Man kann sogar behaupten, dass der Scharia-Islam, der im Westen toleriert wurde, in diese Länder „zurückimportiert“ wurde.

Aber eins nach dem anderen…

* * *

Nach diesen Ausführungen sind wir nun bei der Gegenreformation im Islam angelangt, die meines Erachtens in den Jahren 1979/1980/1981 ihren Anfang nahm. Selbstverständlich kann so etwas wie das, was ich nachfolgend beschreiben werde, nicht aus dem “Nichts” entstehen. Auch diese drei schicksalhaften Jahre haben ihre Vorgeschichte, auf die ich kurz eingehen werde. Nichtsdestotrotz stehen einige zentrale Ereignisse in diesen Jahren im Fokus, die die islamische Welt verändern sollten. Es handelt sich dabei um folgende historische Begebenheiten:

  1. Die islamische Revolution im Iran (1979)
  2. Einmarsch der Sowjets in Afghanistan (25. Dezember 1979)
  3. Die Besetzung der Grossen Moschee in Mekka (20. November 1979)
  4. Die Machtergreifung von Zia-ul-Haq in Pakistan und dessen Erklärung ein islamisches System einrichten zu wollen (nizam islami) (1977-1979)
  5. Die Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat (6. Oktober 1981)

Aus Platzgründen werde ich nur kurz auf diese Ereignisse einzeln eingehen:

  1. Die islamische Revolution im Iran (1979): Als Demokrat kann man es selbstverständlich nicht bedauern, dass es im Iran eine Revolution gegen den Schah gab. Sehr bedauernswert ist allerdings, dass aus dem säkularen Iran – aus einer wahren Kulturnation – ein totalitärer Scharia-Staat geworden ist. Pikant dabei ist auch, dass durch einen schiitischen Gottesstaat ein ernstzunehmender Konkurrent Saudi Arabiens entstanden ist. Über diesen religiös motivierten Konflikt, bei dem es um die islamische Vorherrschaft geht, wird in der westlichen Presse leider zu wenig berichtet. Dass dieser Konflikt mittlerweile auch auf Schlachtfeldern in Drittstaaten wie dem Yemen ausgetragen wird, sollte einem Zeitungsleser nicht entgangen sein. Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass dieser sunnitisch-schiitischer Konflikt heute in erhöhtem Masse den Weltfrieden bedroht.
  1. Der Einmarsch der Sowjets in Afghanistan und der damit entstandene internationale Dschihadismus, der zuvor von den Amerikanern sogar gefördert wurde, um die Kommunisten zu besiegen, hat unmittelbar zur Entstehung von al-Kaida geführt. Selbstverständlich sprach man damals noch von „brave Mujaheddeen“ und nicht von Terroristen.
  1. Hinsichtlich Besetzung der Grossen Moschee in Mekka und deren Folgen verweise ich auf diesen sehr aufschlussreichen Link.
  1. Durch die Machtergreifung Zia-ul-Haqs im Jahre 1979 wurde aus dem Pakistan ein Gottesstaat, was zuvor ganz sicher nicht der Fall war. Wie radikal sich dieses Land verändert hat, dürfte keinem entgangen sein.
  1. Die Ermordung des Präsidenten Anwar Sadat durch Dschihadisten, die mit dessen Annäherung zu Israel und mit dem Friedensvertrag nicht einverstanden waren. Wenn man sich dieses Bild von Studentinnen und Studenten der Universität Kairo aus dem Jahr 1978 ansieht und danach dieses aus dem Jahre 2004 (ebenfalls ein Bild von Studentinnen und Studenten der Universität Kairo), kann man sich jede weitere Bemerkung ersparen.

Man kann diese Jahre durchaus als eine Art Wende bezeichnen, ähnlich wie das Jahr 1989 (das bekanntlich auch eine Vorgeschichte hatte). Die islamische Welt hat sich seit diesen Ereignissen auf jeden Fall kontinuierlich verändert und hat sich grossmehrheitlich der Orthodoxie zugewandt, wobei der Westen in solchen Kreisen in seiner Gesamtheit als unmoralisch abgelehnt wird. Säkulare islamische Länder gibt es beinahe keine mehr, selbst wenn der Staatsoberhaupt eines solchen Landes kein Islamist ist wie etwa im heutigen Ägypten. Staaten, in denen zuvor schon aus traditionellen Gründen ein gemässigter Islam gelebt wurde, sind mittlerweile entweder islamisiert (Bsp.: Malaysia, Malediven, Indonesien) oder haben mit solchen Tendenzen zu kämpfen (Bsp.: Tunesien, Bosnien).

Ereignisse wie die oben beschriebenen sind natürlich keine Ursachen. Auf diese möchte ich selbstverständlich auch eingehen.

  • Die Hauptursache liegt im Islam selbst, der keine Trennung zwischen weltlichen und religiösen Dingen kennt und ein allumfassendes System ist und nicht bloss eine Religion. Wichtig dabei ist, dass dem orthodoxen Scharia-Islam ein selbstständiges Denken im westlichen Sinne fremd ist, was nicht besonders förderlich ist, wenn es darum geht, Menschen heranzuziehen, die genau dies tun und keine Autoritätsperson brauchen, die ihnen sagt, was sie zu tun haben. Daher ist es für sehr viele Muslime schwierig, aus eigenem Antrieb heraus, eine Trennung zwischen Religion und Alltag vorzunehmen und die Gebote, die der Islam für den gewöhnlichen Alltag macht und die islamische Rechtsordnung, geflissentlich zu ignorieren.Es wäre allerdings falsch zu behaupten, dass es keine Muslime geben würde, die eine Trennung zwischen dem Spirituellen und den weltlichen Dingen vollzogen hätten. Es gibt Millionen solcher Muslime! Weitere Millionen solcher Menschen sind wiederum in säkularen Gesellschaften aufgewachsen, waren schon immer gegen die Scharia und haben sich oft auch nie viel aus Religion gemacht. Damit hat das Ganze nichts mit den Genen der Menschen zu tun, wie ein anderer fälschlicherweise behauptet.
  • Die zweite wichtige Ursache ist die Entstehung der Muslimbruderschaft (1928) in Ägypten, die ihren Höhepunkt bei der Machtübernahme der Muslimbrüder in Ägypten hatte. Es handelt sich hierbei längst um eine internationale Organisation, die nicht nur in der islamischen Welt sondern auch in Europa beheimatet ist. Die Muslimbrüder wollen ganz klar eine Scharia-Gesellschaft und lehnen den westlichen Lebensstil ab. Diese Ablehnung ist nicht bloss „so nebenbei“, vielmehr ist sie wesentlicher Bestandteil ihrer Ideologie.
  • Eine weitere wichtige Ursache ist die westliche Toleranz gegenüber der Scharia und den Scharia-Parallelgesellschaften, die mit den Grundrechten (insbes. Religionsfreiheit) begründet wird. Man kann dabei etwa auf die Tolerierung Khomeinis in Frankreich hinweisen, der dort in aller Ruhe seine islamische Revolution und seine triumphale Rückkehr in den Iran vorbereiten konnte. Hinsichtlich der Türkei kann man ohne weiteres die folgende Behauptung aufstellen: Ohne Milli Görüs, der ab den frühen Siebziger Jahren in Deutschland mächtig werden sollte, hätte es weder einen Necmettin Erbakan noch einen Recep Tayyip Erdoğan in der türkischen Politik gegeben! Die Deutschen sollten sich die Frage stellen, weshalb für Erdoğan die Anhänger in Deutschland so wichtig sind!Ich könnte weitere Beispiele aufführen wie etwa den Anjem Choudary, der die Scharia und den Dschihad aus Grossbritannien in islamische Länder exportierte oder die zahlreichen Dschihadkämpfer des IS aus dem Westen, die sich im Westen und nicht etwa in einem Staat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit radikalisiert haben.Bisher völlig unerwähnt geblieben ist der massive Schaden, den sich der Westen durch die Scharia-Toleranz selbst angetan hat. Dabei meine ich nicht bloss das freiwillige Kuschen vor dem Islam, was unseren Grundwerten zuwiderläuft, oder etwa die erhöhte Terrorgefahr. Vielmehr hat diese Toleranz, die nicht von allen getragen wird und wurde, zu einer Polarisierung der Gesellschaft und zur Entstehung oder Erstarkung von nationalkonservativen oder sogar rechtsextremen Gruppierungen geführt.
  • Als weitere Ursache ist die Förderung von Islamisten und Dschihadisten zu nennen. Dabei spielen wirtschaftliche Faktoren wie die Ölkrisen der Siebzigerjahre eine Rolle, als der Ölpreis in die Höhe ging, was islamischen Staaten, die einen rückwärtsgewandten Islam auf der Welt wollten, die Möglichkeit gab, ihre Ideologien zu exportieren. Saudi Arabien ist geradezu ein Paradebeispiel eines solchen Staates, das den Wahhabismus nicht nur bis in den Hindukusch exportierte sondern sogar nach Europa.
  • Eine sehr wichtige Ursache ist die Tatsache, dass der Westen in der islamischen Welt die Vorbildfunktion, die sie einst hatte, verloren hat. Das hat einerseits damit zu tun, dass der technologische Fortschritt auch die islamische Welt erreicht hat. Trotz der Tatsache, dass es sich sehr wenig um eigene Technologie handelt, können sich viele Muslime technologische Standards des 21. Jahrhunderts leisten. Spätestens seit Abu-Ghuraib hat der Westen auch den Anspruch auf moralische Überlegenheit eingebüsst.
  • Als letzte Ursache ist die westliche Förderung von Islamisten zu nennen, die einen noch verhassteren Feind zu bekämpfen haben. Als Beispiel kann ich beispielsweise die Unterstützung der afghanischen Dschihadisten gegen die Sowjets nennen. Es gibt aber sicher auch aktuellere Beispiele.
  • Sicherlich gibt es noch weitere Ursachen, die ich vergessen habe zu erwähnen. Es wäre überraschend, wenn ein solches Phänomen in der Kürze von zwei Blog-Artikeln begründet werden könnte.

* * *

Nachdem der Scharia-Islam auch in Westeuropa angekommen ist und zunehmend unsere Gesellschaft und Werteordnung bedroht, kann man sich die Frage stellen, was man tun kann resp. tun soll.

Das ist keine leichte Frage.

Die Geschichte der Reformation und der Gegenreformation in der islamischen Welt, wie ich sie hier geschildert habe, sollten dem Leser – so hoffe ich – aufgezeigt haben, dass in einer Gesellschaft, in der Muslime leben, zivilisatorische Grenzen gezogen werden müssen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dies ohne ein Neuverständnis der Religionsfreiheit zu bewerkstelligen ist.

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Die Reformation und die Gegenreformation in der islamischen Welt – 2. Teil