Das Türkentum der AKP-Neoosmanen und die Mütter der osmanischen Herrscher

In meinem letzten Blogpost hatte ich auf die grenzenlose Dummheit der AKP-Neoosmanen hingewiesen, die ihren türkischen Nationalismus damit feiern, indem sie die Janitscharen verherrlichen, die alles andere als türkisch waren, sondern zwangsislamisierte Sklaven oder Halbfreie, die in ihrer Kindheit im Rahmen der Knabenlese von Europäern gestohlen wurden, um dem Osmanischen Reich als Kanonenfutter zu dienen, weil die eigenen Leute für die Kriegsführung zu schade waren.

Heute werde ich die Frauen und die Mütter der osmanischen Herrscher sowie ihre ethnische Herkunft auflisten, zumal sich der Nationalislamist und ungebildete Vollprolet Erdoğan sich in der Tradition dieser Sultane sieht. Übrigens bezeichnen sich seine Anhänger – ebenfalls Vollproleten – als “Osmanlı torunu” (Osmanischer Enkel).

Osmanischer Enkel“: So bezeichnen sich türkische Nationalislamisten, wenn sie ihre “osmanische” Herkunft verherrlichen.

Hier also die Aufzählung. Die Jahreszahlen geben die Zeit der Regentschaft wider.

1.      Osman Bey (1281-1326): Mutter: Die Turkmenin Hayme – Frauen: Die Mongolinnen Bala und Mal (Geschwister)

2.      Orhan Bey (1324-1360): Mutter: Die Mongolin Mal – Frauen: Byzanzinerinnen Horofine, Asporce, Teodora

3.      Murat (1360-1389): Mutter: Byzantinerin Horofine – Frauen: Die Bulgarinnen Tamara und Marya

4.      Bayezid I (1389-1402): Mutter: Bulgarin Marya – Frauen: Devlet (Herkunft unbekannt, aber keine Türkin), Bulgarin Olga, Serbin Olivera

5.      Mehmed I. (1413-1421): Mutter: Bulgarin Olga – Frauen: Christin Sofia, Christin Veronica, Cariye (Sexsklavin und damit keine Ehefrau) Anna

6.      Murad II (1421-1451: Mutter: Christin Veronica – Frauen: Französin Aimé, Serbin Mara Despina, Italienerin Stella

7.      Mehmed II. (1451-1481): Mutter: Serbin Maria Despina – Frauen: Helena aus Mora (Peleponnes), Byzantinerin Cornella, Tochter des Königs von Pontus Anna, Griechin Tamara

8.      Bayezid II. (1481-1512): Mutter: Byzantinerin Cornella – Frauen: Die Christinnen Anita, Betty und Susi

9.      Selim I. (1512-1520): Mutter: Christin Betty – Frauen: Polnische Jüdin Helga, Serbin Alexandra

10.    Süleyman I. (1520-1566): Mutter: Polnische Jüdin Helga – Frauen: Polin Anna, Albanerin Mahi, (?) Gülfem, Tochter eines ukrainischen Priesters Roxana, Sizilianerin Rosalina

11.    Selim II. (1566-1574): Mutter: Ukrainerin Roxana – Frau: Jüdin Rachel

12.    Murad III. (1574-1595) – Mutter: Jüdin Rachel – Frauen: Ungarin Ninotschka, Polin Mona, Venezianerin Bafo, Russin Olga, Rumänin Maria

13.    Mehmed III. (1595-1603) – Mutter: Venezianerin Bafo – Frauen: Spanierin Violetta, Griechin Helena

14.    Ahmed I. (1603-1617) – Mutter: Griechin Helena – Frauen: Griechinnen Anastasia und Evdoxia

15.    Mustafa I. (1617-1618) – Mutter: Spanierin Violetta

16.    Osman II. (1618-1622) – Mutter: Griechin Evdoxia – Frauen: Griechin Marica, Albanerin Akile

17.    Murad IV. (1623-1640) – Mutter: Griechin Anastasia – Frauen: Griechinnen Katherina, Anna und Helena

18.    Ibrahim I. (1640-1648) – Mutter: Russin Anastasia – Frauen: Russin Nadia, Polin Eva, Armenierin Maryam, Serbin Kathrin

19.    Mehmed IV. (1648-1687) – Mutter: Russin Nadia – Frauen: Griechin Evamia, Korsin Bella, Rumänin Jessica, Armenierin Flora, Griechin Helena

20.    Süleyman II. (1687-1691) – Mutter: Serbin Katharina

21.    Ahmed II. (1691-1695) – Mutter: Polin Eva – Frauen: Kreterin Jeremije, Griechin Diana

22.    Mustafa II. (1695-1703) – Mutter: Griechin Evamia – Frauen: Russin Vera, Griechin Angela, Serbin Maria, Griechin Alexandra

23.    Ahmed III. (1703-1730) – Mutter: Griechin Evamia – Frauen (ohne nähere Angaben der Herkunft): Margret, Isabell, Luisa, Janette, Ida, Charlotte, Katherina, Jennifer, Betty, Susanne, Elisabeth (mit diesen hat er 32 Töchter und 21 Söhne gezeugt)

24.    Mahmud I. (1730-1754) – Mutter: Griechin Alexandra – Frauen: Bulgarin Sofia, Französin Julienne, Sizilianerin Liliana, Ungarin Maggi, Russin Olga

25.    Osman III. (1754-1757) – Mutter: Serbin Maria – Frauen: Sizilianerin Olivia, Serbin Olga

26.    Mustafa III. (1757-1774) – Mutter: Französin Jeanette – Frauen: Genuanerin Agnes, Korsin Elsa, Rumänin Emilie, Polin Mona, Georgierin Polly

27.    Abdulhamid I. (1774-1789) – Mutter: Griechin Ida – Frauen: Französin Nache, Bulgarin Sonia, Ungarin Melina, Griechin Maria, Ukrainerin Rudi, Genuanerin Afro, Venezianerin Helena, Serbin Maria

28.    Selim III. (1789-1807) – Mutter: Genuanerin Agnes – Frauen: Patricia, Linda, Betty, Alice, Lisa, Rosanna, Anna, Magdalena

29.    Mustafa IV. (1807-1808) – Mutter: Bulgarin Sonia – Frauen: Flora, Adela, Sofia, Gloria

30.    Mahmud II. (1808-1839) – Mutter: Französin Nache – Frauen: Armenierin Maryam, arabische Zigeunerin Fatima, arabische Mohrin (Schwarze) Furi, Bosnierin Karima, Bosnierin Margareta, Griechin Nora, Russin Olga, Priestertochter aus Genua Rosy, Griechin Nina, Bulgarin Esther, Georgerin Flora, Armenierin Sophie, Russin Suzy, Jüdin Susanne, Serbin Zona, Zigeunerin Besime

31.    Abdulmecid (1839-1861) – Mutter: Russin Suzy – Frauen: Engländerin Henriette, Französin Vilma, russische Armenierin Virginia, Griechin Caroline

32.    Abdulaziz (1861-1871) – Mutter: Zigeunerin Besime – Frauen: Adele-Alice, Camelia, Asporce, Anna

33.    Murad V. (1876, während 3 Monaten) – Mutter: Französin Vilma – Frauen: Carmen, Marone, Elfie, Clarissa

34.    Abdulhamid II. (1876-1909) – Mutter: Russische Armenierin Virginia – Frauen: Lucienne, Sylvia, Iliana, Helga-Etienne, Marica, Sarah, Sevilla, Lester, Ovsanna, Ruth, Maria, Elisa

35.    Mehmed V. (1909-1918) – Mutter: Albanerin Sophia – Frauen Vivianne, Theresa, Chantal

36.    Mehmed VI. (1918-1922) – Mutter: Engländerin Henriette – Frauen: Silva, Isabelle, Drina, Adrienne, Ravena

Vor einigen Monaten habe ich aus Spass einen DNA-Test bei MyHeritage gemacht und es kam heraus, dass ich tatsächlich zu 1,9% Skandinavier – sprich Wikinger – bin. In Anbetracht dieser Aufzählung bin ich jedenfalls mehr Wikinger als ein osmanischer Sultan Türke ist. Meine Leserinnen und Leser dürfen mich daher “Alter Schwede” nennen.

Wie sehen die Nachfahren dieser Sultane heute so aus?

Ihre neoosmanischen Anhänger, die mit ihren Grabtüchern durch die Gegend wandeln, um ihre Treue gegenüber dem Sultan Recep I. zum Ausdruck zu bringen, sehen dann so aus.

AKP-Islamofaschisten mit ihren Grabtüchern

Das Türkentum der AKP-Neoosmanen und die Mütter der osmanischen Herrscher

Das Neo-Osmanentum der AKP-Islamisten und die Janitscharen

Immer wieder sehe ich in den Medien, dass türkische Nationalislamisten das untergegangene Osmanische Reich verherrlichen und dabei insbesondere eine grosse Affinität gegenüber den Janitscharen haben, die einmal einen wesentlichen Teil der osmanischen Armee bildeten und mit ihrer Kriegsführung insbesondere auch bei Europäern grosse Furcht auslösten. Man sieht diese neuen Janitscharen an Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten. So gibt man ihnen auch eine Bühne bei den Gedenkfeierlichkeiten zum 15. Juli, wenn sich türkische Islamisten an den gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 erinnern. Auch Erdoğan ist ein grosser Fan der Janitscharen. In der Regel handelt es sich bei diesen als Janitscharen verkleideten Leuten um sogenannte Mehter takımı (Musikkapellen der Janitscharenarmee), die Marschmusik spielen. Es gibt solche sogar in Deutschland, die für bestimmte Anlässe engagiert werden können. Manchmal ziehen diese auch durch deutsche Strassen und stiften bei der einheimischen Bevölkerung grosse Verwirrung und lösen Irritationen aus.

Als Janitscharen verkleidete Türken bei einer Gedenkveranstaltung des 15. Juli in Gaziantep, Türkei
Als Janitscharen verkleidete Türken in Deutschland
Pseudo-Janitscharen in Düsseldorf

Aus meiner Sicht gibt es kaum etwas absurderes, wenn man das Türkentum und den türkischen Nationalismus mit den Janitscharen verherrlicht, wenn man bedenkt, wer die Janitscharen waren. Wikipedia schreibt über sie richtigerweise Folgendes: «Die ersten Janitscharen-Einheiten umfassten noch Kriegsgefangene und Sklaven. Ab 1438 wurden systematisch Knaben unterworfener christlicher Völker zwangsrekrutiert (so genannte Knabenlese), wobei hauptsächlich vom Balkan – vor allem aus Serbien und Bosnien – stammende Jungen ausgewählt und zur Erziehung, Ausbildung und Zwangsislamisierung in das Osmanische Reich gebracht wurden. Üblicherweise wurde jeder 40. Junge im Alter zwischen 7 und 14 ausgewählt, die Anzahl wurde aber je nach Bedarf geändert. Außer Christenknaben aus Serbien und Bosnien wurden auch Albaner, Armenier, Bulgaren, Georgier, Griechen, Kroaten, Polen, Rumänen, Südrussen, Ukrainer und Ungarn rekrutiert.

Janitscharen wurden unter strikter Disziplin und harter Arbeit in acemi-oğlan-Schulen ausgebildet, wo sie dem Zölibat unterworfen waren und islamisiert wurden. Im Gegensatz zu freien Moslems durften sie nur einen Schnurrbart und keinen Vollbart tragen. Die Janitscharen gehörten als Armee dem Sultan und wurden so erzogen, dass sie das Korps als ihre Heimat und Familie und den Sultan als ihren Vater anerkannten. Nur diejenigen, die sich als stark genug herausstellten, verdienten sich den Rang eines echten Janitscharen im Alter von 24 bis 25 Jahren. Das Eigentum verstorbener Mitglieder ging auf das Regiment über.»

Mit anderen Worten waren die historischen Janitscharen alles andere als türkisch, sondern viel mehr entweder Sklaven oder Halbfreie, die aus Europa stammten, die der osmanische Staat an die Front schickte, weil die eigenen Leute für diese Arbeit viel zu schade waren. Man kann – wenn man so will – von “Kanonenfutter ausländischer Herkunft” sprechen. Das ist ungefähr gleich absurd wenn nicht gar bescheuert, wenn ein englischer Faschist und White Supremacist sich als nepalesischer Gurkha verkleidet, um die angebliche “Überlegenheit der englischen Rasse” in den Himmel zu loben, oder wenn deutsche Neonazis an ein Klezmermusik-Konzert gehen, dabei ihre Bäuche mit gefiltem Fisch füllen und dazu koscheren Wein saufen, um sich dabei so richtig Deutsch und “arisch” zu fühlen.

Das Neo-Osmanentum der AKP-Islamisten und die Janitscharen

Warum eigentlich?

Das grösste Glück in meinem Leben ist, dass ich in einem Elternhaus aufgewachsen bin, das sich nicht für Religion interessierte, sondern für die Wissenschaften, für Musik, Malerei, Fotografie, Geschichte, Archäologie und vieles mehr. Von ganz klein auf wurde ich von meinen Eltern auf Bildung getrimmt und darauf programmiert, mich in dieser Hinsicht weiterzuentwickeln. Meine Grosseltern, die ihrerseits über keine Universitätsbildung verfügten, haben sie in diesem Unterfangen nicht nur nicht gehindert, sondern ganz im Gegenteil ermutigt.

Natürlich bedeutet das nicht, dass meine Familie und ich uns gewissen sozialen Verpflichtungen entziehen konnten, die teilweise auch einen religiösen Bezug hatten. So wurden wir, als ich fünf Jahre alt war, zu einem Opferfestessen eingeladen, das in der Gegend von «Baraj» (Staudamm), einem Vorort der südtürkischen Grossstadt Adana, stattfand. Nach unserer Ankunft in dieser damals ländlich geprägten Vorstadtgegend mit Gärten und sehr viel Grün wurde ich von meinen Eltern getrennt, die sich unter die Erwachsenen mischten. Ich meinerseits wurde von Kindern empfangen, die mich umgehend zu den Opfertieren mitnahmen. Ein älterer Junge streute Salz in meine Hand und befahl mir, sie einem der Schafe entgegenzustrecken, das sich mit drei oder vier weiteren Tieren in einem Gehege befand. Ich kam dem nach und spürte ein angenehmes und warmes Nass in meiner Hand und war völlig entzückt. «Mehr Salz» oder etwas Ähnliches sagte ich (den genauen Wortlaut weiss ich natürlich nicht mehr). Jedenfalls konnte ich nicht genug davon kriegen, meine salzgefüllte Hand von den Schafen abschlecken zu lassen. Da weder meine Eltern noch ihre Freunde Haustiere hatten, denke ich, dass dies mein erster unmittelbarer Kontakt zu Tieren überhaupt war und damit auch die erste Erinnerung in diesem Zusammenhang: Es war ein angenehmes und warmes Nass.

Ich kann mich natürlich nicht genau erinnern, wieviel Zeit verging – aber es war sicher nicht mehr als eine Stunde – und auf einmal kamen zwei Männer, rissen die Schafe aus den Käfigen, brachten sie auf einen Vorplatz, der sich wenige Meter vom Gehege befand und schächteten sie eines nach dem anderen. Dabei wurde jedes Schaf auf den Boden gelegt, dessen Beine zusammengebunden und nach einem liebevollen Streicheln des Halses und des gleichzeitigen Murmelns eines «Bismillah!» wurden keine zwei Meter vor meinen Augen die Hälse der Tiere durchgeschnitten. Eines nach dem anderen. Nach dem Ausbluten des jeweiligen Tieres schnitt einer der beiden Männer ein Loch in ein Hinterbein, steckte ein Rohr hinein und fing an, das Schaf aufzublasen, um es zu häuten. Irgendeinmal wurden ebenfalls vor unseren Augen die Innereien des Tieres entfernt, der Kopf abgetrennt und sehr bald fing man damit an, das Fleisch des Schafes zu verarbeiten. Aus dem Nichts tauchte ein mir völlig fremder Mann auf, steckte einen Finger in die Blutlache, die von den toten Schafen stammte und netzte damit die Stirne aller herumstehenden Kinder, die das Ganze beobachtet hatten. Blut floss über mein Gesicht und der Mann sagte: «Sevap! Sevap!» (Gottgefällig! Gottgefällig!).

Ich kann das Ausmass der Traumatisierung und des Ekels über diese Vorgänge nicht in Worte fassen, die ich damals empfand und heute noch empfinde. Ich meine damit nicht nur mein blutverschmiertes fünfjähriges Gesicht, sondern auch die Perversion des gesamten Vorgangs, angefangen mit meinem ersten unmittelbaren Kontakt zu einem Tier, dessen Wärme, Nässe und Geruch, das liebevolle Streicheln des Halses durch den Schlachter und der plötzliche Schnitt, das Zucken des sterbenden Schafes, das Aufblasen des Tieres, die grauen Innereien, die beiseitegeschoben wurden, aus denen Scheisse herausquoll und die Menschen, welche diese Vorgänge mit sichtbarem Interesse beobachteten. Mir wurde schlecht und ich konnte und wollte vom geschnetzelten und mit Kümmel und Salz angebratenen Fleisch («Kavurma», eine türkische Opferfestspezialität) keinen Bissen nehmen. Ich konnte es nicht ertragen, ein Tier zu essen, welches ich nur Minuten zuvor liebkost hatte und die Gerüche, die in der Luft hingen, widerten mich an. Glücklicherweise blieben wir nicht lange und ich musste nie wieder ein Opferfest über mich ergehen lassen.

Natürlich wollte ich nach diesem Anlass erfahren, was der Grund für das Ganze war und ich bekam die allseits bekannte Geschichte von Abraham und Isaac zu hören. Schon damals konnte ich die Logik dahinter nicht erkennen, dass Menschen aufgrund dieser Geschichte exzessiv und ostentativ Tiere schlachten und dabei eine Blutorgie unter Einbezug von Kindern feiern und tue es heute noch weniger. Natürlich war mir dabei schon damals bewusst, dass das Ganze auch einen positiven Effekt hatte. Das Fleisch wurde auch unter den Armen verteilt, das Fell an die Waisenfürsorge gespendet und überhaupt wurde das Tier praktisch vollständig «genutzt». All dies vermochte jedoch die Perversion, die ich mit meiner kindlichen Wahrnehmung empfand und meine Traumatisierung nicht wegwischen.

Meine Reaktion auf dieses Erlebnis war, dass ich kurze Zeit später – ich dürfte damals ungefähr sechs Jahr alt gewesen sein – an meine Eltern herantrat und sie danach fragte, wie man einen Menschen bezeichnet, der nicht an Gott glaubt. Nachdem sie beide gleichzeitig das türkische Wort «ateist» aussprachen, entgegnete ich: «Dann bin ich ein Atheist!» Meine Eltern schwiegen einen Augenblick, nachdem ich dies gesagt hatte und meinten dann kurz und knapp «OK!».

Schon damals blieb es nicht dabei, dass meine Abneigung vor dem Islam sich darin manifestierte, dass sie ausschliesslich im Zusammenhang mit dem Opferfest stand. Es gab viele andere Dinge, die mich abstiessen: Das Arabisch, eine Sprache die ich nicht verstand und die in meinen Ohren alles andere als einen Wohlklang erzeugte, der Ruf des Muezzins aus blechernen Lautsprechern in voller Lautstärke, so dass einem fast die Ohren explodierten, wenn man zufällig neben einer Moschee stand, wenn das Geschrei losging, die masochistische Selbstkasteiung während des Ramadan und überhaupt die ganze sich aufdrängende Art sowie die Schwere des Islam.

Wie weit meine Abneigung gegenüber dem Islam schon damals ging, kann man vielleicht aus dem nachfolgenden Beispiel entnehmen: Als ich in Adana die dritte Grundschulklasse besuchte, wurde meine über alles geliebte Lehrerin Mutter und während sie sich im Mutterschaftsurlaub befand, bekamen wir eine äusserst unsympathische Aushilfslehrerin, die uns so ziemlich am Anfang ihres Einsatzes das islamische Glaubensbekenntnis beibrachte. Sie sagte den Satz auf, den ich hier ganz bewusst nicht wiederholen möchte und wir Kinder mussten es ihr sozusagen im Chor nachsagen. Das wollte ich natürlich auf keinen Fall tun und bewegte deshalb meine Lippen und sagte etwas, das ich gerade in jenem Augenblick erfand und damit «Worte» ohne jede Bedeutung. Da wir eine Klasse von rund 60 Schülern waren, fiel das glücklicherweise nicht auf. Was den Islam anbelangt, war ich also schon damals sehr stur mit meiner ablehnenden Haltung. Nur wenige Monate später wurde ich von einer weitergehenden religiösen Indoktrinierung bewahrt, als meine Familie und ich in die Schweiz einwanderten.

Mittlerweile sind mehr als vierzig Jahre seit diesen Ereignissen vergangen und meine Abneigung vor dem Islam ist in dieser Zeit eigentlich nur stärker geworden, insbesondere als ich sehen konnte, was diese totalitäre Irrlehre aus der säkularen Türkischen Republik gemacht hat, die ihre grösste Hypothek war und immer noch ist. Ich habe allerdings erst im neuen Jahrtausend damit angefangen, mich mit dem Islam zu befassen und mein Wissen zu vertiefen, als diese freiheitsfeindliche religiöse Ideologie immer mehr nach Europa vordrang und von vielen ahnungslose Europäern mit offenen Armen empfangen wurde.

Es kommt natürlich vor, dass ich aufgrund meiner unversöhnlichen Haltung gegenüber dem Islam als islamfeindlich oder gar als islamophob bezeichnet werde. Wenn jemand mir so etwas vorwirft, bin ich – wenn ich ehrlich bin – nicht wirklich beleidigt, weil es im Grunde genommen schlicht und einfach stimmt. Das mag für viele schockierend klingen, was mich allerdings wenig kümmert. Die Frage, die sich dabei stellt, ist nämlich, ob ich verpflichtet bin, den Islam zu mögen. Ich denke nicht und verweise auf meine mir zustehenden verfassungsmässige Rechte, wie etwa auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit, die mir erlaubt, keine Religion zu mögen und keiner Religionsgemeinschaft anzugehören sowie auf die Meinungsäusserungsfreiheit, die es mir erlaubt, auch eine extrem negative Haltung gegenüber dem Islam zu haben und dies auch öffentlich zum Ausdruck zu bringen.

Natürlich bedeutet all dies nicht, dass ich Muslime hasse. Ganz im Gegenteil! Ich habe keine Vorbehalte gegenüber einer Person, bloss weil sie muslimisch ist, auch wenn ich den Islam ablehne. Ich habe heute noch viele Freunde, die muslimisch sind und bin auch während zwei Jahren mit einer bekennenden Muslimin ausgegangen, die natürlich keine Freude an meiner negativen Haltung gegenüber dem Islam hatte, aber diese respektierte, so wie ich ihren Glauben respektierte. Wenn man mich heute fragt, ob ich am Islam überhaupt etwas gut finde, kann ich nur die islamische Kunst und die schönen Bauwerke nennen, wie etwa das Taj Mahal, das klar muslimischen Ursprungs ist. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich nichts gegen eine Welt ohne den Islam hätte, in der diese Ideologie untergegangen ist, so wie das Aztekenreich und das alte Ägypten, die ihrerseits auch atemberaubende Kunstschätze hinterlassen haben und ähnlich wie der Islam zur Geschichte der Menschheit gehören. Abgesehen von diesen Dingen gibt es für mich jedenfalls nichts, was den Islam erhaltenswert machen könnte.

Ich, kurze Zeit vor meinem traumatischem Erlebnis
Warum eigentlich?

Über die Familienberatungspraxis von Diyanet und ihre Auswirkungen in Europa

Die türkische Journalistin Burcu Karakaş hat gestern auf DW Türkçe (Deutsche Welle Türkisch) einen erschütternden Artikel über Familienberatungsbüros in der Türkei geschrieben, die der türkischen Religionsbehörde Diyanet unterstellt sind. Diese Organisation ist in Deutschland unter dem Namen Ditib bekannt. Bis vor nicht allzu langer Zeit hatte sie denselben Namen auch in der Schweiz. Neuerdings heisst sie «İsviçre Türk Diyanet Vakfı», die von dieser selbst mit «Türkisch Islamische Stiftung» übersetzt wird. Man muss kein Türkisch können, um die Täuschungsabsicht hinter dieser Übersetzung zu erkennen.

Jedenfalls verfügt auch die Schweizer Sektion von Diyanet über ein Familienberatungsbüro, das sich an der Schwammedingerstrasse 102 in Zürich befindet und im Internet für seine «Dienstleistungen» Werbung macht. Angesichts der Tatsache, dass sämtliche Organisationen von Diyanet auf der Welt von der Zentrale in der Türkei gelenkt und verwaltet werden, kann man davon ausgehen, dass die Eheberatungspraxis der Organisation sich auch in Europa niederschlägt. Immerhin haben diese Beratungen eine gemeinsame Grundlage, namentlich die Scharia. Was die Scharia ist, kann in einem früheren Blogpost von mir nachgelesen werden.

Burcu Karakaş hat zusammen mit nicht genannten Mitarbeiterinnen mittels sogenannter «Mystery Calls» die Familienberatungsstellen von Diyanet getestet. Als sie Diyanet danach gefragt hat, über welches Profil die Berater in diesen Büros verfügen, bekam sie als Antwort, dass es sich dabei um Personen handle, die eine religiöse Hochschule besucht hätten, Experten in religiösen Dienstleistungen, Korankurslehrer oder Imam-Hatip-Schulabsolventen seien. In ihrem Artikel gibt die Journalistin an, dass solche Leute selbst in Frauenhäusern (!) aktiv seien.

Ich komme nun zurück auf die Testanrufe und deren Ergebnisse.

Einer Beraterin teilt die Testanruferin mit, dass sie sich überlege, sich wegen häuslicher Gewalt scheiden zu lassen und bittet diese um Rat. Daraufhin bekommt die Testanruferin die Bedeutung und die Wichtigkeit der «Geduld» (sabr) im Islam zu hören, dies im Lichte des «religiösen Wissens». Die Beraterin fährt wie folgt weiter: «Wenn das Ganze den Zustand der Unerträglichkeit erreicht hat, fragen Sie die Älteren um Rat. Allah hat in der Nisa Sure verfügt, dass eine Frau und ein Mann – jeweils unterstützt durch eine ältere Person – sich bemühen müssen, das Problem zu beheben. Die Jungen seien in der Lage, eine Ehe ganz leicht zu entzweien und wegzuschmeissen. Wir hingegen sagen, dass ihr euch bemühen müsst, gemeinsam mit den Älteren das Problem zu beheben.»

Beim nächsten Mystery Call gibt die Testanruferin gegenüber der Beraterin an, dass sie ein Opfer von Beleidigungen des Ehemannes sei. Weiter führt die Testerin gegenüber der Beraterin aus: «Er hat zwar seine Hand zum Schlag ausgeholt, hat aber noch nicht zugeschlagen. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass es dazukommen könnte». Die Beraterin gibt dazu an, dass die Frau sich fragen soll, was die Gründe der häuslichen Gewalt sein könnten und fügt Folgendes hinzu: «Fragen Sie ihn mit einer geeigneten Sprache nach dem Grund. Das, was Sie erzählen, ist nicht so eine grosse Sache und Sie können das Problem lösen, indem Sie mit ihm sprechen. Sie könnten ihm beispielsweise Speisen zum Abendessen vorbereiten, die er gerne hat. Während Sie mit ihm gemeinsam Tee trinken, können Sie mit ihm ganz ruhig sprechen.»

Weiter will die Testanruferin wissen, was sie tun soll, wenn der Ehemann tatsächlich Gewalt anwendet und bekommt die folgende Antwort: «Wenn er zuschlägt, zeigen Sie keine Reaktion. Entfernen Sie sich vom Ort, wo die Gewalt stattgefunden hat. Ziehen Sie sich in Ihr Zimmer zurück. Versuchen Sie die Sache unter den Teppich zu kehren, indem Sie ihm sagen «Ich mache es genauso, wie du es dir wünschst». Aber kommen Sie auf das Thema zurück, wenn die Umstände es erlauben. Sprechen Sie mit ihm nicht in einer beschuldigenden Sprache. Sagen Sie ihm «Ich wusste es nicht, wie du es dir wünschst. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich es so gemacht, wie du wolltest» oder etwas in dieser Art.» Die Frage, ob man allenfalls die Polizei verständigen soll, wird wie folgt beantwortet: «Nein, Probleme dieser Art könnt ihr lösen, inschallah. Mögen Sie Allah anvertraut sein!»

Bei einem anderen Anruf ist die beratende Person ein Mann, der die Gründe, weshalb die Testperson vorgeblich häusliche Gewalt erfahren habe, in Frage stellt: «Was ist der Grund dafür, dass der Ehemann häusliche Gewalt anwendet? Was sind die Erwartungen eines Mannes gegenüber seiner Gattin? Das ist ein lächelndes Gesicht, wenn er am Abend nach Hause kommt und dass sein Essen zubereitet ist. Wenn du alles unternimmst, was du kannst und es nützt dennoch nichts, kann es dafür andere Gründe geben. Kann es sein, dass er eine Beziehung zu einer anderen Frau hat?»

Daraufhin fährt die Testanruferin fort: «Manchmal zieht er mir an den Haaren. Ich habe Angst. Soll ich die Polizei rufen?» Die Antwort: «Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie sich an die Polizei wenden. Sie können sich zwar an die Polizei wenden, wenn der Zustand erreicht ist, dass Sie es nicht mehr aushalten. Allerdings sollten Sie wissen, dass die Polizei in der Regel gegenüber dem Mann verfügt, dass er sich während drei bis fünf Monaten von der ehelichen Wohnung fernhalten soll. Deshalb müssen Sie, bevor Sie sich an die Polizei wenden, einen Lösungsweg suchen. Kann es sein, dass Sie es sind, die sich schlecht verhält?»

Nach diesen Worten will der Berater wissen, was für eine Person der Ehemann unter dem Gesichtspunkt des Glaubens sei und fährt wie folgt weiter: «Verrichten Sie das rituelle Gebet? Und Ihr Mann? Sie sollten sich anstrengen, das rituelle Gebet fünfmal am Tag zu verrichten. Lesen Sie aus dem Koran. Wenn Sie sich anstrengen, ihr islamisch geführtes Leben auf die richtige Bahn zu lenken, wird das Problem – inschallah – gelöst.»

Wie ich oben ausgeführt habe, ist die Grundlage dieser Beratungen die Scharia. Von besonderer Bedeutung ist Sure 4, Vers 34, die auch immer wieder auf deutschsprachigen Webseiten von Moscheegemeinden auftaucht:

„Die Männer stehen über (qauwāmūn ʿalā) den Frauen, weil Gott sie (von Natur aus vor diesen) ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen?) gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und geben acht auf das, was (den Außenstehenden) verborgen ist, weil Gott (darauf) acht gibt (d.h. weil Gott darum besorgt ist, dass es nicht an die Öffentlichkeit kommt). Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie (wa-dribū-hunna)! Wenn Sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Immer wieder rechtfertigen Scharia-Muslime diese Koranstelle mit dem Hinweis, dass insbesondere Nichtmuslime diese missverstehen würden. Das Schlagen sei lediglich «symbolisch», was an und für sich schon schlimm genug wäre, weil auch bei einem «symbolischen» Schlagen eine Frau in ihrer Würde verletzt und herabgesetzt wird. Die Angabe ist dennoch falsch, wenn nicht gar glatt gelogen und man kann diese Lüge durchaus als Taqiya bezeichnen, d.h. eine von Allah erlaubte Lüge, um den Islam – hier insbesondere vor den ungläubigen Europäern – in Schutz zu nehmen. Diese könnten ja auf «falsche» Gedanken kommen.

Als Rechtsanwalt habe ich während vieler Jahre türkische Frauen beraten und vertreten, die massivste häusliche Gewalt erfahren hatten und immer wieder mit der islamischen Praxis bei ehelichen Konflikten konfrontiert wurden, die oben skiziert ist. Dass Ältere gefragt werden, um zu schlichten, dass die Polizei nicht verständigt werden darf, familiärer Druck auf Frauen, damit diese ihre Anzeigen zurückziehen und viele andere Dinge, die oben beschrieben sind, existieren auch in der Schweiz. Ich habe Fälle erlebt, bei denen Männer ihre hochschwangere Frauen in den Magen traten und die Opfer dies nicht zur Anzeige bringen konnten oder Frauen Opfer von jahrelangen Vergewaltigungen wurden und gegen ihren Willen auch anal penetriert wurden. Die vaginalen Vergewaltigungen hatten diese nicht angezeigt und ausgehalten, ertrugen aber die analen Penetrationen nicht nur aufgrund des Schmerzes sondern auch aus religiösen Gründen nicht, weil diese sexuelle Praxis im Islam nicht erlaubt ist. Ich habe schon Frauen, die in der Ehe sowohl vaginal als auch anal vergewaltigt wurden, ins Spital begleitet und diese sowohl in Straf- als auch in Zivilverfahren unterstützt, beraten und vertreten. Die überwiegende Mehrheit dieser Frauen haben ihre Anzeigen auf Druck der Älteren “zurückgezogen”. Zwar kann man eine Anzeige wegen Vergewaltigung in der Ehe nicht zurückziehen, weil es sich dabei um ein Offizialdelikt handelt. Sofern jedoch das Opfer bei einem solchen Strafverfahren keine Aussagen mehr macht oder anfängt zu lügen, weil die Älteren dies geraten haben, ist eine Verurteilung des Ehemannes nichts anderes als eine Illusion, weshalb Staatsanwälte aber auch Staatsanwältinnen die Verfahren einstellten. Aufgrund meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es nicht wirklich eine Rolle spielt, ob eine Vergewaltigung in der Ehe ein Offizialdelikt ist oder nicht. Wenn ein unter Druck gesetztes Opfer damit anfängt, das Strafverfahren zu sabotieren, kann man sich das Ganze ans Bein streichen. Jedenfalls ist es für die Verteidigung ein leichtes Spiel, um in solchen Fällen für den Mandanten einen Freispruch zu erwirken.

Falls jemand wirklich noch annehmen sollte, dass die in diesem Blogpost beschriebene Praxis «nur» die Türkei betreffen würde, irrt er oder sie sich ganz gewaltig. Andererseits muss in Anbetracht dieser Probleme ganz grundsätzlich festgestellt werden, dass Ditib in Deutschland und Diyanet in der Schweiz eine Art Staat im Staate darstellen, was soviel heisst wie, dass diese Staaten ihre Souveränitätsrechte aufgrund einer falsch verstandenen Toleranz aufgegeben haben. Ich halte dies für unzulässig und für verfassungswidrig. Für mein Land, die Schweiz, kann ich diesbezüglich auf unsere Bundesverfassung verweisen. Artikel 8 Absatz 3 der Schweizerischen Bundesverfassung besagt:

«Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.»

Die von unserer Bundesverfassung vorgesehene Gleichberechtigung der Geschlechter stellt kein Exklusivrecht für Schweizerinnen und Schweizer dar. Sie gilt für alle Bewohner dieses Landes, womit sie in einem diametralen Widerspruch zur Scharia steht, die sich ganz klar gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter ausspricht, was aus der vorzitierten Sure 4, Vers 34 zu entnehmen ist («Die Männer stehen über den Frauen») und sogar ein Züchtigungsrecht des Ehemannes vorsieht, wobei Männer von diesem «Recht» regelmässig auch Gebrauch machen. Die tatsächliche Gleichstellung in der Familie, wie dies unser Grundgesetz verlangt, wird damit nicht nur nicht gewährleistet. Sie wird geradezu sabotiert, vor allem wenn man «Familienberatungsstellen» wie jene in Zürich, einfach so toleriert, ohne sich dabei die Frage zu stellen, was dort angeboten wird und ob die Praxis eines solchen Büros allenfalls dem vorzitierten Verfassungsauftrag widersprechen könnte. Die Scharia kann niemals Massstab für eine gleichberechtigte Ehe sein, weil sie diesem Gedanken entgegengesetzt ist und Organisationen, die eine Familienberatung auf der Grundlage der Scharia anbieten, haben auf dem Staatsgebiet der Schweizerischen Eidgenossenschaft rein gar nichts verloren.

Es ist längst an der Zeit, dass Organisationen wie Ditib oder Diyanet verboten, ihre Büros und ihre Moscheen geschlossen und ihre Funktionäre ausgewiesen werden. Natürlich wird auch dieser Aufruf, den ich seit Jahren immer wieder wiederhole, ungehört bleiben. Ich allerdings werde niemals müde werden, diese Vereinigungen zu demaskieren, sie zu delegitimieren und darauf hinzuweisen, was sie sind: Ein Staat im Staate auf der Grundlage der Scharia, sprich einer totalitären, menschenverachtenden, frauendiskriminierenden und unterirdisch primitiven Ideologie, die bekämpft werden muss.

Über die Familienberatungspraxis von Diyanet und ihre Auswirkungen in Europa

Oscar Wilde im Türkischen Parlament

Die nachfolgende Parlamentsdebatte der Türkischen Nationalversammlung, bei der es um Oscar Wilde geht, fand im Mai des Jahres 2016 statt und ist echt. In dieser Debatte ist unter anderem auch von Necip Fāzıl Kısakürek die Rede, quasi dem «Hofdichter» der türkischen Nationalislamisten, was dessen Bedeutung für diese einmal mehr unterstreicht. In ihrem neuen Buch «Sprache und Sein» bezieht sich Milli Görüş Apologetin Kübra Gümüşay auf diesen Dichter und wünscht sich, dass dessen Werk auch an deutschen Schulen gelesen wird und setzt ihn auf die gleiche Stufe wie Schiller und Goethe. Sie schreibt:

“Wie hätten sich meine bilingualen Mitschüler*innen – ohne Prestigesprache – entwickelt, hätten wir neben Schiller und Goethe auch Emine Sevgi Özdamar, Nazik al-Mala’ika, Maya Angelou, Necip Fazıl Kısakürek, Hafes, Audre Lorde, Ellen Kuzwayo oder Noëmi de Sousa gelesen?”

Ich habe mir die Mühe genommen, einige Aussagen von Necip Fazıl Kısakürek ins Deutsche zu übersetzen, damit jene, die der türkischen Sprache nicht mächtig sind, einen Eindruck davon bekommen, wer dieser Mann ist, der übrigens der Lieblingsdichter von Erdoğan ist, der ihn 1975 persönlich kennenlernen durfte.

«Sofern jemand in diesem Land euch unzeitgemäss, einen religiösen Fanatiker, reaktionär, altköpfig (jemand mit einer altertümlichen Einstellung), Spinner oder einen Extremisten bezeichnet, dann könnt ihr sicher sein, dass ihr euch auf dem richtigen Weg befindet.»

«Was ist denn das für eine Sache, dass die Aleviten, die Drusen und die Jesiden während der Dauer des osmanischen Staates, der ein sunnitisches Imperium bedeuten sollte, von unserem religiösen und nationalen Garten nicht wie Brennnesselkraut weggejätet und weggeworfen werden konnten».

«Was die westliche Welt uns von innen anhand der Agenten, die sich unter uns befinden, angetan hat, konnten weder die Kreuzritter tun noch Moskau noch die wollüstigen und durchgedrehten Griechen von Hagia Sophia.»

Ich komme zurück auf die Parlamentsdebatte aus dem Jahr 2016 und zitiere aus dem Protokoll der Türkischen Nationalversammlung:

Mithat Sancar (HDP, Mardin, Professor für öffentliches Recht und Verfassungsrecht): «Ich habe Schwierigkeiten, die Logik bei gewissen Gesetzgebungen zu verstehen. Niemand soll das persönlich nehmen, aber ich möchte Ihnen einen Satz von Oscar Wilde übermitteln.»

Zeyid Aslan (AKP, Tokat): «Wer?»

Mithat Sancar: «Oscar Wilde.»

Zeyid Aslan: «Wer ist denn das?» (Lärm)

Mithat Sancar: «Klärt es ab, was soll ich denn tun? Ich kann hier keine Lektion darüber erteilen. Wir haben hier zwar keine Zeit, aber sofern jemand ein Bedürfnis danach hat, können wir dafür im Parlament speziell ein Zimmer reservieren. Ich habe während dreissig Jahren an der Universität Unterricht erteilt. Ich bin bereit dazu, auch hier einige Monate herzugeben.»

Parlamentspräsident (AKP): «Lasst uns darüber nachdenken».

Halis Dalkılıç (AKP, Istanbul): «Haben Sie auch Beispiele, die aus unserer Kultur und Zivilisation entstammt, Herr Sancak? Gibt es solche in Ihrem Gedächtnis?»

Mithat Sancar: «Kein Problem. Ich kann Ihnen solche geben, lassen Sie es mich sagen.»

Ahmet Sami Ceylan (AKP, Çorum): «Könntest du nicht ein Beispiel von Necip Fāzıl Kısakürek geben? Auch unsere Zivilisation verfügt über Werte. Gib doch ein Beispiel von hier…»

Parlamentspräsident: «Freunde!»

Mithat Sancar: «Sehr geehrter Herr Präsident…»

Meral Danış Beştaş (HDP Adana): Sehr geehrter Herr Präsident, könnten Sie bitte intervenieren?

Parlamentspräsident: «Lasst uns ihm zuhören. Aber wenn jemand themenfremde Dinge anspricht und dabei Witze macht, entgegnen alle anderen eben auch mit Witzen.»

Mithat Sancar: «Das Ganze könnte euch verärgern.»

Ahmet Sami Ceylan:  «Nicht doch, weshalb sollte es uns denn verärgern?»

Mithat Sancar: «Dann, hör einfach zu!»

Ahmet Sami Ceylan: «Dann gib doch ein Zitat von Necip Fāzıl wider!»

Mithat Sancar: «In diesem Fall ist es doch wunderbar, hör einfach zu, wenn es dich nicht verärgert.»

Parlamentspräsident: «Freunde, lasst uns abwarten, bis Herr Sancar fertiggesprochen hat, erst dann…»

Halis Dalkılıç (AKP, Istanbul): «Dass du dich von unserer eigenen Kultur auf diese Art und Weise entfremdet hast, betrübt und verärgert uns!»

Mithat Sancar: «Hört einfach zu. Genau das sagt er ja aus. Hört zu, die Bewertung gehört euch. Oscar Wilde ist national und er ist nicht national. Debattiert und kritisiert ihn auch, aber bitte, denkt euren Erwägungen folgend nur zwei Minuten über dieses Zitat von ihm nach, und dann könnt ihr weiter herumbrüllen und herumrufen:

«Rohe Kraft lasse ich gelten, aber rohe Vernunft ist völlig unerträglich. Es scheint nicht nur unfair zu sein, sich dieser zu bedienen, es ist auch eine Geistlosigkeit, sich damit zu wehren.»

So einfach ist das. Und wenn Sie all diese Tatsachen jetzt umkehren, werden Sie genau hier ein Beispiel von roher Vernunft und eine Auseinandersetzung mit der Intelligenz vorgeführt haben. Lasst uns nochmals darüber sprechen, geschätzte Mitglieder der Nationalversammlung: Ja, es hat einen Prozess der Lösungssuche (gemeint ist der Waffenstillstand zwischen der türkischen Regierung und der PKK) gegeben. Dieser Prozess ist zu Ende gegangen. Er hätte nicht aufhören sollen. Warum wurde dieser Prozess gestoppt?

Parlamentspräsident: «Lasst uns über diese Sache sprechen.»

Mithat Sancar: «Im Grunde genommen sprechen wir bereits über diese Sache.»

Parlamentspräsident: «Was ich meine ist natürlich im Zusammenhang mit der Angelegenheit, sei es in einem nahen oder sei es in einem entfernten Zusammenhang.»

Mithat Sancar: «Derjenige, der den Terror von Anfang an an die Tagesordnung setzte… Und auch Sie, Herr Präsident, entfernen Sie sich niemals von Ihrer Neutralitätspflicht. Wir befinden uns an einem sehr wichtigen Wendepunkt.»

Adnan Günnar (AKP, Trabzon): «Sprich über die Oscar Preise!»

Ayşe Acar Başaran (HDP, Batman): «Er hat “Oscar Wilde” gesagt!»

Burcu Çelik Özkan (HDP, Muş): «Oscar Wilde, Wilde. Das ist nicht irgendein Preis oder etwas in dieser Art, d.h. es geht um einen Mann mit dem Namen “Oscar Wilde”.»

Oscar Wilde (1882)

Oscar Wilde im Türkischen Parlament

Kann eine Demokratie mit einer Grossen Koalition funktionieren?

In meinem heutigen Blog-Post werde ich mich ausnahmsweise nicht mit dem Islam oder dem Islamismus beschäftigen, sondern mit Themen, die mich sowohl während meines Politologie-Studiums in Genf als auch später während meines Jura-Studiums in Basel beschäftigt haben und über die ich mehrere Seminararbeiten verfasst hatte. Die vorliegende Abhandlung ist vor allem an meine deutsche Leserschaft gerichtet, weil die Deutschen seit einiger Zeit selbst von einer Grossen Koalition regiert werden.

Um die Antwort auf die im Titel gestellte Frage vorwegzunehmen: Ja, eine Demokratie kann mit einer Grossen Koalition hervorragend funktionieren, wie das Beispiel der Schweiz dies eindrücklich beweist. Sie ist ursächlich für die grosse politische Stabilität in unserem Land.

In der Schweiz sitzen seit 1959 sämtliche politisch massgeblichen Parteien in der Regierung, so dass darin in der Regel rund 80% des Wahlvolkes vertreten ist. Die Wahl erfolgt im Rahmen der sogenannten Zauberformel, gemäss der die sieben Bundesräte nach Parteienstärke von der Vereinigten Bundesversammlung (Nationalrat und Ständerat in gemeinsamer Sitzung) gewählt werden. Damit keine Missverständnisse entstehen: Die Zauberformel gibt den Parteien keinen Rechtsanspruch auf eine bestimmte Anzahl von Sitzen oder gar auf einen konkreten Wunschkandidaten und hat weder eine verfassungsrechtliche noch eine gesetzliche Grundlage. Sie ist vielmehr eine Art «Gentlemen’s Agreement», an das sich insbesondere die Bundesratsparteien aus eigenem Interesse halten, wobei die Wahlfreiheit des Parlaments nicht eingeschränkt wird. Zunächst sah die Zauberformel wie folgt aus: 2 FDP, 2 CVP, 2 SP und 1 SVP. Als die SVP unter dem Volkstribun Christoph Blocher massiv stärker wurde und sogar zur stärksten Partei avancierte, änderte sich die Zusammensetzung: 2 SVP, 2 SP, 2 FDP und 1 CVP.

Da neuerdings auch die Schweizer Grünen hinsichtlich ihrer Parteistärke zu den kleineren Bundesratsparteien Anschluss gefunden haben, wird auch ihre Beteiligung in der Landesregierung diskutiert, auch eine neue Zauberformel, wobei deren Anpassung nicht umgehend erfolgt, weil die Parteienstärke auch eine gewisse Konstanz haben muss. Jedenfalls bekam auch die SVP ihren zweiten Bundesrat nicht umgehend, nachdem sie zur stärksten Partei avanciert war. Sollten die Schweizer Grünen bei den nächsten Wahlen ungefähr gleich stark abschneiden wie im vergangenen Oktober, wird man ihnen den Sitz nicht verwehren können.

Wenn in einem Land praktisch alle massgeblichen Parteien in der Regierung vertreten sind, stellt sich die Frage, wer die Opposition stellt, zumal eine Demokratie ohne Opposition nicht funktionieren kann. Diese Funktion übernimmt in der Schweiz die direkte Demokratie. Damit funktioniert die direkte Demokratie in der Schweiz in einem Zusammenspiel mit der parlamentarischen Demokratie. Ich möchte nun zeigen, wie dies faktisch funktioniert.

In der Schweiz untersteht jedes vom Parlament verabschiedete Gesetz dem fakultativen Referendum. Das heisst, dass 50’000 Schweizer Bürger mit ihrer Unterschrift eine Volksabstimmung erzwingen können, bei der einzig das Volksmehr entscheidend ist. Wenn das Volk in seiner Mehrheit gegen das Gesetz stimmen sollte, bedeutet dies, dass das Gesetz einstweilen vom Tisch ist. Gleichzeitig kann man das Durchfallen eines Gesetzes vor dem Volk als einen «Unfall» betrachten. Immerhin wurde damit eine doppelte Parlamentsmehrheit vom Volk, welches dieses Parlament gewählt hat, gestoppt, weil das Parlament an der Volkmehrheit vorbeipolitisiert hat. Ausserdem wird mit einer Ablehnung durch das Volk jahrelange mühsame Arbeit der Regierung und des Parlaments zunichte gemacht, die nochmals über die Bücher gehen und allenfalls eine neue Vorlage ausarbeiten müssen. Das alles bedeutet, dass das Parlament mit Kompromissen arbeiten muss, um eine Gesetzesvorlage möglichst referendumssicher zu machen. Ein Ziel des Parlaments ist damit, das Gesetz so ausgewogen zu machen, damit ein Referendum erst gar nicht ergriffen wird und wenn es ergriffen werden sollte, die Chancen der Gegner gering sein müssen. Mit anderen Worten ist das Parlament gehalten, Gesetze zu erlassen, die von der Mehrheit der Schweizer Bevölkerung akzeptiert würden, sofern das Referendum ergriffen würde. Das heisst also, dass das Parlament vor dem Erlass eines Gesetzes auf die Befindlichkeiten der Bevölkerung, der Interessengruppen, der Verbände und der Gewerkschaften hören muss. Ausserdem müssen parteiübergreifende Allianzen geschmiedet und Kompromisse und Zugeständnisse gemacht werden, weil selbst die grösste Bundesratspartei, die SVP, mit ihrer gegenwärtigen 31,3% Wählerstärke zu schwach ist, um alleine zu politisieren.

Damit wird deutlich, was im Schweizer System, bei dem die stärksten politischen Parteien und damit circa 80% des Elektorats in der Regierung vertreten sind, Opposition bedeutet. Die Opposition in der Schweiz ist keine Partei, sondern sie bildet sich punktuell, wenn es wie hier um eine Gesetzesvorlage geht. Es kann dabei vorkommen, dass die SVP und die Linken gemeinsam eine Vorlage bekämpfen, meist aus ganz unterschiedlichen Motiven. Auch kann es sein, dass kirchliche Kreise mit den Gewerkschaften etwa bei der Frage um die Sonntagsarbeit zusammenspannen, ebenfalls aus unterschiedlichen Gründen. Gleichzeitig bedeutet dies, dass eine sehr effektive Oppositionsarbeit auch innerhalb einer Legislatur stattfinden kann, weil sogar kleinere Gruppierungen, die sich punktuell gegen ein Gesetz verschworen haben, eine Vorlage zu Fall bringen können.

Für die erlassenen Gesetze, die eine Referendumsabstimmung überstehen konnten, gilt freilich eine hohe demokratische Legitimation. Immerhin kam ein solches Gesetz durch die beiden Parlamentskammern durch und die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hat sich dafür entschieden. Aber jetzt kommt das Wesentliche: Auch jene Gesetze, über die keine Referendumsabstimmung durchgeführt wurde, verfügen über die gleiche demokratische Legitimation, weil sich punktuell keine hinreichend starke Opposition gebildet hat, die innerhalb von 100 Tagen 50’000 Unterschriften sammeln konnte, um ein Referendum zu erzwingen oder weil ohnehin niemand auf einen solchen Gedanken kam, da die allermeisten Bürger und Parteien mit dem Gesetz zufrieden waren. Das heisst also, dass das Schweizer Volk seine Einwilligung gegenüber einem solchen Gesetz damit manifestiert, dass es darüber keine Referendumsabstimmung durchführen lässt.

Wie zu sehen ist, handelt es sich beim Gesetzesreferendum um ein Korrektiv, welches einerseits ein Gleichgewicht und andererseits eine hohe demokratische Legitimation für die erlassenen Gesetze verschafft, wobei sich oppositionellen Gruppen auch ausserhalb der Wahlen einbringen können. Ähnlich funktioniert es mit der Volksinitiative, dem anderen wichtigen direktdemokratischen Instrument. Eine Volksinitiative kommt zustande, wenn 100’000 Schweizer Bürger eine Vorlage unterschreiben, die immer auf eine Änderung der Bundesverfassung ausgerichtet ist. Da dies auf Bundeebene immer der Fall ist, bedeutet dies für die Abstimmung, dass sowohl ein Volks- als auch ein Ständemehr (Mehrheit der Kantone) zustande kommen müssen, damit eine Initiative angenommen wird, was ausserordentlich schwierig ist. Deshalb sind auch die allerwenigsten Volksinitiativen angenommen worden.

Die eigentliche Bedeutung von Volksinitiativen ist allerdings nicht bei den Initiativen zu suchen, die gegen den Willen des Bundesrates und Parlaments angenommen wurden. Wenn dies geschieht, kann man ein weiteres Mal von einem «Unfall» sprechen, was glücklicherweise selten vorkommt. Die Annahme einer Initiative bedeutet, dass der Bundesrat und das Parlament bei einer konkreten Frage die Stimmung beim Volk und den Kantonen nicht korrekt erfasst haben und an diesen vorbeipolitisierten. Das hat damit zu tun, dass vor einer Volksabstimmung das Parlament die Möglichkeit hat, eine eigene Vorlage zu erarbeiten, um den Initianten entgegenzukommen. Oft geschieht dies auf Gesetzesebene, was in der Regel zu besseren Ergebnissen führt als die Verfassungsänderungsvorlage der Initianten, weil in einem Gesetz bereits Details geregelt werden können. Wenn das Parlament es unterlässt, einer Volksinitiative einen tauglichen Gegenvorschlag entgegenzusetzen und die Vorlage, die in der Regel sehr weitreichend ist, angenommen wird, bedeutet dies, dass das Parlament seine Arbeit nicht gut gemacht hat. Wenn das Parlament annimmt, dass die Vorlage ohnehin chancenlos ist, kann es natürlich auf einen Gegenvorschlag verzichten, was vielfach auch geschieht.

Nach dem Gesagten möchte ich einige Beispiele geben, um aufzuzeigen, welche Bedeutung Volksinitiativen in der Praxis haben und welche eben nicht. Die insbesondere von linksgrünen Journalisten in Deutschland mit grossem Interesse verfolgte Volksinitiative Eidgenössische Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» war eine ziemlich unbedeutende Vorlage, die den Initianten eine Klatsche historischen Ausmasses bescherte. Nur 23,1% der Stimmenden nahm sie an und kein einziger Kanton stimmte dafür. Dieser völlig chancenlosen Initiative hatte das Parlament keinen Gegenvorschlag entgegengesetzt.

Anders sieht es aus bei der Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» aus, die einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub verlangt. Diese war lanciert worden, nachdem das Schweizer Parlament jede gesetzliche Statuierung eines Vaterschaftsurlaubs abgelehnt hatte. Da die Initiative durchaus Chancen hat, angenommen zu werden, wurde nach deren Zustandekommen ein Gegenvorschlag ausgearbeitet, der einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub vorsieht. Mit anderen Worten musste das gleiche Parlament, welches zuvor einen Vaterschaftsurlaub ablehnte, den Befürwortern entgegenkommen. Voraussichtlich wird die Schweizer Bevölkerung über beide Vorlagen abstimmen und dabei sich entscheiden können, was sie vorzieht.

Oft ist allerdings auch so, dass Initianten ihre Volksinitiative zurückziehen, weil der Gesetzesgeber ihren Anliegen weitestgehend entsprochen hat. Dies war beispielsweise bei der Volksinitiative «Schutz vor Rasern» der Fall, für die ich aktiv Unterschriften gesammelt hatte und auch bei der Einreichung bei der Bundeskanzlei dabei war. Da das Parlament einen für die Initianten akzeptablen Gegenvorschlag gemacht hatte, wurde sie zurückgezogen.

Gegenwärtig ist es sehr umstritten, ob der sogenannten Konzernverantwortungsinitiative ein Gegenvorschlag entgegengesetzt werden soll, der den Initianten entgegenkommt. Anders als bei der Initiative über das Grundeinkommen bestehen hier reelle Chancen, dass sie angenommen werden könnte. Sollte die Initiative ohne Gegenvorschlag angenommen werden, dürften die Gegner der Initiative es bedauern, dass sie einen Gegenvorschlag, der weniger weitgehend wäre, verhindert haben.

Die allermeisten Volksinitiativen, die eingereicht werden, werden vor der Abstimmung vom Bundesrat und Parlament zur Ablehnung empfohlen, womit der oppositionelle Charakter dieses direktdemokratischen Instruments deutlich wird. Das ist dann nicht der Fall, wenn sowohl der Bundesrat als auch das Parlament eine Volksinitiative zur Annahme empfiehlt, was extrem selten vorkommt. In diesen Fällen ist die Volksinitiative eine echte Anregung von Seiten des Volkes und kein Oppositionsinstrument. Das war beispielsweise der Fall, als die rechtsextreme Partei «Schweizer Demokraten» eine Volksinitiative für die Einführung eines Bundesfeiertages am 1. August eingereicht hatte. Diese wurde von allen politischen Parteien und zwar vom gesamten politischen Spektrum, vom Bundesrat und vom Parlament zur Annahme empfohlen und später dann tatsächlich auch angenommen. Mit einem Ja-Stimmenanteil von 83,8 % ist es bis heute die Volksinitiative mit der weitaus höchsten Zustimmungsrate.

Es gibt noch andere direktdemokratische Instrumente im Schweizer System, auf die ich nicht eingehen möchte. Wichtig ist vor allem die Feststellung, dass die Schweiz über ein extrem dynamisches politisches System verfügt, obwohl sie von einer Grossen Koalition regiert wird. Die Aufgabe der Opposition, die man beim ersten Blick gar nicht wahrnehmen kann, übernehmen die direktdemokratischen Instrumente des Volkes und zwar punktuell. Das bedeutet gleichzeitig, dass politische Parteien mit diesen direktdemokratischen Instrumenten und ihrer jeweiligen Haltung zu den Vorlagen eigene Akzente setzen und sich politisch profilieren können.

Die direkte und die indirekte Demokratie funktionieren damit nebeneinander und ergänzen einander. Sie sind voneinander nicht losgelöst. Dass sich das Schweizer System so entwickelt hat, geht auf die verfassungsrechtlichen Vorgaben und auf die Geschichte der Schweiz zurück. Der im Jahr 1919 eingeführte Parteienproporz sorgt dafür, dass keine politische Partei über eine massive Mehrheit verfügen kann, wie dies zuvor der Fall war. Wir haben es mit einem Mehrparteiensystem zu tun mit vier und vielleicht bald fünf Parteien, die untereinander interagieren müssen.

Das politische System Deutschlands und dessen verfassungsrechtlichen Grundlagen sehen doch sehr erheblich anders aus. Bis vor Kurzem hatte die Bundesrepublik ein unechtes Zweiparteiensystem (ein echtes Zweiparteiensystem hat die USA). Die zwei grossen Volksparteien SPD oder die CDU/CSU stellten die Regierung, die über einen Juniorpartner verfügten. Zunächst war dieser Juniorpartner die FDP allein. Später kamen noch die Grünen dazu, die mit der SPD koalierte, was aufgrund der ideologischen Nähe kein Problem war. Die von Angela Merkel angeführte Grosse Koalition führte allerdings dazu, dass sowohl die CDU/CSU als auch die SPD massiv an Wählerstimmen verloren haben und die politischen Ränder gestärkt wurden. Es findet aufgrund dieser Konstellation ein Systemwechsel statt. Ein unechtes Zweiparteiensystem wird allmählich in ein Mehrparteiensystem umgewandelt. Gleichzeitig wird das Land immer mehr polarisiert.

Wie ich vorhin geschrieben habe, dienen in der Schweiz die direktdemokratischen Instrumente dazu, dass politische Parteien durch ihre Haltung zu den Vorlagen sich profilieren und eigene Akzente setzen können. Auf diese Art und Weise können beispielsweise die Sozialdemokraten in der Regierung verbleiben und verlieren dabei ihre sozialdemokratische Einzigartigkeit nicht, weil sie Oppositionsarbeit über die Volksrechte betreiben können. Das Fehlen des Korrektivs der Volksrechte in Deutschland führt bei einer Grossen Koalition dazu, dass durch Zugeständnisse der beiden grossen Parteien gegenüber dem Koalitionspartner die CDU für viele tendenziell zu links wird und die SPD für deren Wähler tendenziell zu rechts. Im Grossen und Ganzen führt dies dazu, dass Parteien, die sich in den politischen Rändern befinden, gestärkt werden, wobei gleichzeitig die grossen Parteien massiv an Wählerstimmen verlieren.

Dieses Problem wird nicht gelöst, sofern in der näheren Zukunft tatsächlich zu einer Grossen Koalition zwischen der CDU und den Grünen kommen sollte, sondern vielmehr verstärkt. Eine solche Koalition dürfte zu einer noch grösseren Abwanderung aus der CDU führen, als dies zuvor der Fall war, weil für viele Konservative eine Zusammenarbeit mit den Grünen ein No-Go ist. Das gleiche Problem hätten natürlich auch die Grünen, einfach nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Eine Grosse Koalition bestehend aus politisch völlig gegensätzlichen Parteien ist also dann unproblematisch, wenn diese ihre Einzigartigkeit bewahren können, was in der Schweiz dank der direkten Demokratie recht gut gelingt. Sofern solche wie in Deutschland nicht vorhanden sind, kann eine Grosse Koalition bestehend aus politisch völlig anders ausgerichteten Parteien nur zu deren Schwächung führen. Die Folge davon ist bereits ersichtlich. Aus dem unechten Zweiparteiensystem ist allmählich ein Mehrparteiensystem hervorgegangen, welches das Land schwer regierbar macht und zu extremen Polbildungen führt.

Natürlich will ich mit meinen Ausführungen den Deutschen nicht empfehlen, dass sie dem Schweizer Modell folgend die direkte Demokratie einführen sollten. Jedes Land hat seine eigene politische und verfassungsrechtliche Tradition und vor allem Deutsche haben grosse Vorbehalte gegenüber der direkten Demokratie aufgrund historischer Erfahrungen. Das Schweizer System zeigt jedoch, wie eine Grosse Koalition recht gut funktionieren und das Deutsche System, wann so etwas nur zu grossen Problemen führen kann.

Sog. “Strubeli”, welches die Sitzende Helvetia zeigt (ca. 1860)

 

Kann eine Demokratie mit einer Grossen Koalition funktionieren?

Über den Ehrbegriff bei den sogenannten Ehrenmorden

Immer wieder hören oder lesen wir über entsetzliche Tötungsdelikte, die im deutschen Sprachgebrauch als sogenannte „Ehrenmorde“ bezeichnet werden. Der jeweilige Täter ist in aller Regel ein männlicher Blutsverwandter des meist weiblichen Opfers. Auch Männer können Opfer solcher Delikte sein, insbesondere homosexuelle Männer. Zwar kommen „Ehrenmorde“ in unterschiedlichen Kulturen vor. Die überwiegende Mehrheit solcher Taten wird jedoch – zumindest im europäischen Kontext – von Muslimen begangen.

Es ist für einen modernen Menschen in Europa, der in Anbetracht solcher Taten völlig zu Recht entsetzt ist, oft nicht nachvollziehbar, dass ein Täter für seine grauenvollen Tat Gründe der „Ehre“ geltend macht. In erster Linie hat das damit zu tun, dass ein krasses Missverhältnis zwischen der Schwere der Tat und einem solchen Tatmotiv wahrgenommen wird, was natürlich unstrittig ist. Dass sich viele Täter im Strafverfahren sogar zu ihrem Nachteil auf die „Ehre“ berufen, führt zudem zur Annahme, dass bei diesen wohl ein besonders stark ausgeprägter Stolz vorhanden sei, was in vielen Fällen sicherlich auch zutrifft. Nichtsdestotrotz können solche Fälle mit der Heranziehung des deutschen Ehrbegriffs nicht wirklich erfasst werden. Auch meint der Täter etwas ganz anderes, wenn er sich auf die „Ehre“ beruft. Im Übrigen besteht das identische Problem auch im Englischen (honor killing), im Französischen (meurtre pour l’honneur) und wohl auch in anderen in Europa gesprochenen Sprachen.

Wesentlich hilfreicher für das Verständnis des Begriffs ist die türkische Sprache. Das moderne Türkisch hat seine Wurzeln einerseits in einer Turksprache, die von Zentralasien in die heutige Türkei durch Zuwanderung importiert wurde. Nebst dem beinhaltet sie sehr viele Ausdrücke, die entweder aus dem Arabischen oder dem Persischen stammen. Ferner gibt es im Türkischen viele Begriffe, die europäischen Sprachen entnommen wurden wie beispielsweise buket (Blumenstrauss, aus dem französischen bouquet) oder palyaço (Clown, aus dem italienischen pagliaccio) und natürlich zahlreiche technische Ausdrücke, die mehr oder weniger international sind (telefon, otobüs, biyoloji, futbol). Der türkische Begriff onur kommt etymologisch aus dem Französischen (honneur, was wiederum vom Lateinischen honor stammt) und bedeutet genau das, was ein Europäer normalerweise unter dem Ausdruck „Ehre“ versteht. Dann gibt es den Terminus şeref, der aus der arabischen Sprache stammt (sharaf). Şeref und onur werden von sehr vielen Türkischsprachigen als Synonyme verwendet. Aus meinem Sprachgefühl heraus (ohne dabei streng zu unterscheiden) würde ich onur als das innere Ehrgefühl bezeichnen und şeref eher als eine Art von aussen wahrgenommene Ehre, womit insbesondere das Ansehen der betreffenden Person angesprochen wird. Was von diesen beiden Begriffen umschrieben wird, entspricht dem in Europa geltenden Ehrbegriff. Diese „Ehre“ wird in Europa sowohl zivil- als auch strafrechtlich geschützt.

Wenn ein türkischer Muttersprachler von „Ehrenmorden“ spricht, verwendet er jedoch weder das Wort onur noch den Ausdruck şeref. Vielmehr kommt ein drittes Wort ins Spiel: Namus. So lautet der türkische Terminus Technicus für den Ehrenmord namus cinayeti. Namus hat im Gegensatz zu onur und şeref, die nahezu das Gleiche bedeuten oder gar als Synoyme betrachtet werden können, eine weitergehende Bedeutung. Bevor ich näher auf den Namus-Begriff eingehe, möchte ich bereits hier festhalten, dass bei einem sog. „Ehrenmord“ keinerlei Zusammenhang zum im modernen Europa geltenden Ehrbegriff besteht. Ich würde sogar behaupten, dass die Bezeichnung „Ehrenmord“ irreführend ist.

Bei namus (vom Arabischen al-namus al-akbar, „er ist im Besitze höchster Geheimnisse“, wohl ursprünglich aus dem griechischen Begriff nomos) handelt es sich im engeren Sinne und in erster Linie um die sexuelle Unberührtheit der weiblichen Familienmitglieder, d.h. dass diese als Jungfrauen in die Ehe gehen, in dieser Ehe verbleiben, keine ausserehelichen Beziehungen pflegen und das damit verbundene Ansehen der Familie wahren, wobei männliche Familienmitglieder darüber wachen. Wenn namus verletzt wird, d.h. in erster Linie die sexuelle Unberührtheit eines weiblichen Familienmitglieds missachtet wird, bedeutet dies in gesellschaftlicher Hinsicht, dass auch das Ansehen aller anderen Familienmitglieder einen erheblichen Schaden nimmt oder gar zerstört wird. Im Ergebnis bedeutet dies, dass das weibliche (oder aber das homosexuelle männliche) Familienmitglied getötet werden muss, damit der namus wiederhergestellt werden kann.

Ein Tötungsdelikt mit einem Zusammenhang zum namus ist selbstverständlich zu verurteilen und entsprechende Täter müssen die ganze Härte des Rechtsstaates zu spüren bekommen. Damit ist die Sache aber längst nicht erledigt. Die Leser sollen sich nun bitte die Frage stellen, was es eigentlich bedeutet, dass die männlichen Familienmitglieder auf die sexuelle Unberührtheit der weiblichen Familienmitglieder achten, dafür sorgen, dass eine Frau ihren Mann nicht verlässt, oder darauf schauen, dass kein Mann in der Familie sich zu seiner Homosexualität bekennt. Die Antwort zu dieser Frage lautet, dass es sich dabei um schwere Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen handelt. Präziser ausgedrückt geht es um Eingriffe in das individuelle Recht der sexuellen Selbstbestimmung.

An dieser Stelle möchte ich eine wichtige Feststellung anbringen. Der namus, wofür gewisse Leute sogar zu töten bereit sind, andere wiederum für dessen Erhalt Gewalt anwenden oder erheblichen Druck ausüben, wird in unserer Rechtsordnung überhaupt nicht geschützt. Das war nicht immer so. Seit ungefähr den Siebziger Jahren sind in den europäischen Rechtsordnungen Sittlichkeitsdelikte, welche die Durchsetzung einer christlichen respektive kirchlichen Moralordnung dienten, mehrheitlich verschwunden, in einigen Staaten vollständig. Der sog. „Ehebruch“ wird schon lange nicht mehr bestraft. Männer und Frauen können mittlerweile problemlos in eheähnlichen Gemeinschaften leben, ohne dabei ans Heiraten zu denken. Dabei entspricht der voreheliche Geschlechtsverkehr dem Regelfall, weil es heute kaum jemanden mehr gibt, der mit einer Person verheiratet sein will, mit der er sich sexuell nicht versteht. Homosexuelle können sich zu ihrer ihnen angeborenen Sexualität nicht nur bekennen und diese ausleben. Sie können vielmehr die gewonnene sexuelle Freiheit an jährlichen Paraden zelebrieren, wobei auch Heterosexuelle an solchen Veranstaltungen teilnehmen und sich gemeinsam mit den Schwulen und Lesben amüsieren. Sehr wichtig zu erwähnen ist natürlich auch, dass Menschen in Europa schon seit einiger Zeit frei sind, ihre Partner selbst zu wählen und auch frei darüber zu entscheiden, solche Beziehungen zu beenden.

Was dazu kommt ist, dass in den heutigen europäischen Rechtsordnungen das Sexualstrafrecht im Wesentlichen genau das schützt, was ein “Beschützer” der Namusnormen angreift resp. sogar verletzt. Unser Sexualstrafrecht schützt – wenn man es auf einen Punkt bringen will – die vorerwähnte sexuelle Selbstbestimmung(der juristische Fachbegriff für das geschützte Rechtsgut wird in der Schweiz sexuelle Integrität bezeichnet). Mit anderen Worten schliesst unsere Rechtsordnung die Fremdbestimmung im Bereich der Sexualität aus. Selbst beim Schutz von Kindern und Jugendlichen in diesem Bereich geht es um diesen einen Grundsatz. Das Gesetz schützt Kinder und Jugendliche insbesondere vor sexuellen Übergriffen durch Erwachsene, weil aufgrund der Überlegenheit des Erwachsenen und wegen der fehlenden Urteilsfähigkeit des Kindes oder des Jugendlichen der Sexualakt fremdbestimmt ist, d.h. eine Ausnutzung dieser Überlegenheit darstellt und das in sexuellen Dingen unerfahrene Kind oder den Jugendlichen in seiner sexuellen Entwicklung stört. Auch bei einem Delikt wie dem Exhibitionismus geht es nicht darum, dass die Sittlichkeitsvorstellungen der Kirche geschützt werden, sondern vielmehr die unfreiwillige Konfrontation mit der Sexualität einer anderen Person. Zu erwähnen bleibt, dass nicht nur unser Strafrecht die sexuelle Selbstbestimmung schützt, sondern auch andere Gesetze und Prinzipien unserer Rechtsordnung. Ich verweise dabei lediglich auf den Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

Auch unsere Verfassungen schützen die sexuelle Selbstbestimmung. Die sexuelle Selbstbestimmung ist ein Teilgehalt des Grundrechts der persönlichen Freiheit, die in einem diametralen Widerspruch zur Namus-Ideologie und zur islamischen Sexualmoral steht. Hinzu kommt, dass diese Normen auch der verfassungsrechtlich garantierten Ehefreiheit widersprechen. Die Ehefreiheit beinhaltet das Recht, den Partner oder die Partnerin selbst auszusuchen, um mit dieser Person freiwillig in einer ehelichen Gemeinschaft zu leben. Es ist nicht der Vater, der wie dies die Scharia vorschreibt, eine Ehe für die minderjährige Tochter zu arrangieren hat.

Der Staat ist verpflichtet, dass die Normen der Verfassung und deren Ziele auf dem gesamten Staatsgebiet ihre Wirkung entfalten. Daher ist der Staat aus meiner Sicht bereits aufgrund der Verfassung verpflichtet, dafür zu sorgen, dass auch Musliminnen und andere vom namus betroffene Personen in der Lage sind, ein sexuell selbstbestimmtes Leben zu führen. Dazu gehört beispielsweise auch, dass eine achtzehnjährige muslimische Marokkanerin oder Türkin mit ihrem deutschen oder italienischen Freund ohne weiteres vorehelichen Geschlechtsverkehr haben darf, ohne dass sich die Verwandtschaft einmischt oder gar überhaupt eine Meinung dazu hat. Dies gilt selbstverständlich auch bei der Wahl des Ehepartners und beim Wunsch, sich von diesem zu trennen oder sich von diesem scheiden zu lassen, ohne dass dies lebensbedrohliche Konsequenzen hat, wie der Fall von Aynur Hatun Sürücü dies eindrücklich bestätigte. Da diese Rechte gegenwärtig nicht gewährleistet werden, ist der Staat meines Erachtens verpflichtet, spezifische staatliche Massnahmen zu treffen, um die Namus-Ideologie und die islamische Sexualmoral, aus der sie stammt, zu bekämpfen und deren Wirkung hier im Westen vollständig zu vereiteln. Besonders wirksam wären meines Erachtens auch migrationsrechtliche Konsequenzen wie etwa die Abschiebung von Personen, die das sexuelle Selbstbestimmungsrecht anderer missachten und in dieses eingreifen. Mit anderen Worten geht es mir bei weitem nicht nur um strafrechtliche Massnahmen.

Meines Erachtens könnten die Folgen solcher Massnahmen nicht positiver sein. Einerseits werden damit insbesondere die Musliminnen von den Fesseln einer Parallelgesellschaft befreit und können ein selbstbestimmtes Leben führen. Das gilt selbstverständlich auch für homosexuelle Menschen. Andererseits zwingen solche Massnahmen Musliminnen und Muslime, die nach den Grundsätzen des namus leben wollen, faktisch zur Auswanderung.

Ein Paar beim Spazieren im Gençlik Park in Ankara (1968)
Über den Ehrbegriff bei den sogenannten Ehrenmorden